Ein Held der Sternallee

Ein Held der Sternallee. Roman aus der Gegenwart.
Jakob Alešovec
Von Jakob Aléšovc.
Izdano: Laibacher Zeitung 9. maj 1866 (106), [771, 772?]; 12. maj (108), 728, 729; 14. maj (109), 735, 736; 17. maj (112), 157--159; 19. maj (114), 773, 774; 23. maj (116), 787, 788; 26. maj (119), 809, 810; 28. maj (120), 817, 818; 1. junij (123), 839, 840; 2. junij (124), 847, 848; 6. junij (127), 867; 9. junij (130) 888, 889; 11. junij (131), 195, 196; 14. 6. (134), 916, 917; 16. junij (136), 927--929. Gl. tudi posebni iztis Roman aus der Gegenwart, Ljubljana: I. v. Kleinmayr & F. Bamberg, 1866, 78 str. (COBISS).
Viri: dLib 106, dLib 108, dLib 109, dLib 112 dLib 114 dLib 116 dLib 119 dLib 120 dLib 123 dLib 124 dLib 127 dLib 130 dLib 134 dLib 136
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Po Zakonu o avtorskih in sorodnih pravicah (59. člen) trajajo avtorske pravice še 70 let po avtorjevi smrti.
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Erstes Kapitel. Der beharrlichee Liebhaber.Uredi

Die NachmittagSsomic eines lanwarmm Frühlingstages hatte, ? "- um im Style moderner NomanoloM zu bcgniurn — b?- "ts cntschi^u gcgm Wcstm geneigt, um auch dicsc Seite dcr ^"d t Laibach zu bclcnchlcii. VcÜuintüch muß die Herbst', Wmtcr- ^ Friihliugösoinic hier mil dcm Ncbclmecrc gcwaltiss kämpfcu, ehc . 'lir fMngt, durchzubrcchcu, drii Schcmpl^ zu dchmiplm und ^ ^ ä Anblickcö dcr gutm altcn Siadt zu srcucu. Tic Bcwohncr, 'g lind alt, rilcn daiin, Studir^ubc, Arbeit5l'<il>mct, Ladmtisch, st^^.^' ^"lasscud, inö Frcic oder wcuigstcuö uutrr Goltcs Nllll" ^'"'"^'^ u>u dcm »virllichcn odcr ucrmciiUlichcii Vcdürfuissc ii^ / "l)olunss abznhclft,!. Eö haben dicsc Gcpflogcnhcit nicht Zcicl ^ ^"""linc r ^aibachö nllciu uud cö wärc dies gnadc lcin ^ ^n don Wuhlsland odcr froher Laune; auch UusMctlichc locll da , .^"^'chr Wärmc hinaus, dcnu das Eis dcS Schmcrzcö lh^uit Unter °'^ ' ^'^' ^"" ""^ IcrcuiiaS au dcr Souuc si<.'md dcu Urllc ?' ^ ^"""' ^'" ^ ^^"! 1 und dcr große Philosoph nnd origins ,3^"',3" ' H" ^ Dioacnc« sich ftlbst durch daö Crschcincu Eom„ ^, ürüszercii Königs in scincr bcschaulichcn Nnhc an der "lcht sto^n ließ. Doch gcnng oon allcu diescn Icremiadcn uud Diogcnescn, dic, Laibach uicht gesehen hat. Uud doch ist dicscö so llciu nicht, ja eü ist brdcntcndcr noch, alö manche Stadt rwn Wcltli^dentnug, wie Babylon, Karthago, Troja, Palmyra, dcnn allc dicsc sind zn Grunde gegangen, Laibach steht uoch imincr! Darauf glaubte ich jenc aufmerksam machcn zn miisscn, die so viel mit Wien, Paris uud London hcrnmwerfcu, lici dcm Iiloßcn Worte „Laibach" abcr verächtlich die Nase rümpfen, alö ob — Lassen wir das l So viel nlanbe ich zur Velcnchtnng dcö Schauplatzes sagen zn miisscn, auf dem uachsolgcndc Beüebcnheitcu spielen. ES ist also ciu lauwarmer Frnhlingsnachmittag, uoch mehr, cö ist eiu Sonnlag. Dic Ionr-FixrMusit hattc cinc zahlreichere Menschenmenge als gewöhnlich, ,in die Stcrnallcc, dicscn Kouzcu' trirungöpuntt dcr Stadt, gelockt. Glanzcndc Tamenrobcn, billaute Uniformen, Auzügc uach dciu ncncstcn Journal, soeben anö Paris angetommeu, daucbcu bcschcidcuc, anspruchslosc Adjustirungcn, ja sogar schäbige Kleider licwciseu znr Gcuiigc, daß dic Gesellschaft schr gcmischi, daß also die Stcniallce lein !ucu8 «x<jul5>ll>s dcr Noblcsse sei, soudcrn daö Äild der Stadt Laibach getreulich abspiegle. Man gewahrt da licbrcizcndc Damen, deren Laibach cine großc Anzahl answciscu zu tonnen das Glüct hat, juugc ilud alle Männer, thcils mit modcrucn, lhcils mit iu das vorige Iahrhuudcrt hincinrcichcndcn Anzllgrn und Gcsichlcrn, Löwen des Tages und neunzehnjährige Greise und solche, dic es wcrdrn sollcn, Sln» dcntcn, thcilS promcnirend und Schülangclcgruheiten berathend, endlich jene SpczicS vou Zweifnßlcrn, dic Alles uud Hiichtö sind, obwohl sie sich viel Anseilen zu gcbeu snchcn, alles Mögliche zu vcrstchcu vorgeben, ohne rtwaS zu thu», mit Eiuem Worte, die nur theoretisch gcbildct schcinm, ohne praktisch geschult zu scin. üiuc Gruppe lchtgenauutcr LionS fesselt vorzüglich uuscrc Aufmcrtsamlcit, Wir lrctcu näher: Französische Worte und Silbcu «.i»» »c,(!0i!t trcffeu unser Ohr, und eben wollen wir entsetzt vor diesen fremden Geschossen zurückprallen, als wir cincn Vclaunten gewahren, der ciuer Gruppe junger Damen odcr cigcnllich deni Zentrum derselben, einer niedlichen Blondine vou bezaubernder Erscheinung, nachscgelt. Dcr jnngc Manu odcr vielmehr Jüngling — cr zählt nicht ganz rinuudzwaiizia, Sommcr — von schwärmen: scheui Aussehen, blauen Augen nnd jener Physiognomic, die, ohne gcradc ein Genie vermuthen zu lassen, doch ,'Ibcr das Niveau drS Alltäglichen ebenso Hiimu5raa,t, wie sciuc Kclrpcrgrößc über dic von dcr Natnr dicsfalls luinder begünstigten Spazicrgäll' gcr, halte während des verflossenen Winters auf eiuem Vallc das Glück gcuosscn, scin Ideal iu seiner jctzigcu Vorgängerin zu scheu. Seit dieser für ihn denkwürdigen Epoche hatte cr sich jrde nur deukbarc Mühc gegeben und nichts versäumt, sich ihr zu uäheru, allein vergeblich! Umsonst hatte cr seine schnsüchtigstcu Vlickc oft minutenlang auf dcr bezaubernden Gestalt hafte» lasse», umsonst war cr ihr bei dcr Quadrille mehr als einmal auf das zarte Hühnerauge gctrctcn, umfonft halte cr vci drr Äorsofahrt dic größten Geschosse spielen lassen, umsonst sich endlich im Theater dicht vor ihre Partcrrc-Loge postirt uud ihr so die ganze Aussicht versperrt l Die Undankbare ging bei dicscm lchlcreu Aulassc sogar so weit, ihrcu Vater anf dcu „zudringlichen »nd ungczogcucn Mcnschen" anfmerlsam zn machen, was eine beinahe grobe Zurechtweisung nnd die Frage zur Folge hatte, „ob den» drr Herr durch seine Im - pertinenz impouireu wolle?" Diese prosaische Traufe jedoch, weit entfernt, seiue poetische Begeisterung abzukühlen, war vielmehr Oel ins Feucr; cinc In» triguc, mciutc der romaubelescnc Albert — so wolle» wir ihn ucuucu- grhört zn eincr Licbc.'gcschichtr und macht sic interessant, und am Ende muß doch dcr Held siegen, oder — besiegt werden.' Dcr letztere, »icht nur in Nomaucn u»d Dramen, sondern auch im wirklichen Lcbeu vorkommende Umstand war es, dcr un seru Albert zur Liusicht gebracht halte, daß cr durch gauz audere, Mittel da« Herz seiner?lnt!erw«hlten zu gewinnen trachten ml!sse;^, detlhalb beguilgte er sich vorläufig damit, ihr wie, ciu Schatten zu folgen, es dem Zufalle überlassend, wann und ob sich eine ftas>- sende Gclegeuhe,t darbieteu würde, ihr gegenüber all e seine Vorzüge im glänzendsten i'ichtc strahlen zu lassen, denn er glaubte, deren eine bedeutende Anzahl zu besitzen. Die Musil ist verstummt, die NfgimriMapelle verläßt dru Pavillou. Nach uud uach verlieren sich anch die meisten Spaziergänger, nur dcr obcuerwähnlm Gruppe und Hcrru Albert ist die Frühliugöluft uicht mehr zu scharf. I m lcbhafteu Gespräch, oft laut auflachend, wie cö muchwilligr Kinder zn lhnu Pflegen, scheinen sie dir, Umgebung gänzlich zn iguorireu. Wäreu wir neugierig und Verbote cö uicht die Etiteltc, so löuuten wir nicht unr ein-- zelue Worte hürm, sondu'u den Inhalt des ganzen Gespräches errathen; allein dieö thnu wir uicht, soust würdeu wir jenen Hcrru oder juugen Mann uicht gewahren, der den Tamcu soeben eutgegenlommt. Seine Tournürc ist untadclhaft, ebenso seine Frisur; er zieht höflich uud duch etwas verwirrt scheinend dcu Hut, nud — bnrsru wir unsern Angen traue»?— die junge Dame, welche wir Amalic nennen wollen, errethet nud schlägt schlichter» dcu Blick zu Vodcu. Dirs soll zwar unter jungen Leuten öfters vor» lummrn, wir wisscu es vou — der Schule her, aber äußerst scl» teu zcigcu sich so verstörte Phhsioguomieu, wie die des jnngen Albert, dcr nahe genug war, diese momentane, lanm bemerkbare Veränderung wahrzunehmen. Einen Moment stand cr wie eingewurzelt da, dann stürzte cr, eiuem Rasenden gleich, seinem vermeinten Fciudc uud, wie rs dcu Auschriu halte, glücklicherm Ncbcubuhler, uach. „Meiu Herr, folgen Sie mir, wcun Sie cin Ehrcmnanu sind! Wir mllsscn uns sprechen." Der so Angefahrene wandle sich erstaunt um und blieb stehen, sciuru Mann firireud, alö ob cr an drsscu Verstaube zweifelte. „Waö forderu Sie deun von mir?" sprach er dann gelassen., „Ich glanbc, hier lönntcu Sie ebenfalls ohne Anstand reden." „Sie suchen Ausflüchte? Sie wolleu mir nicht folgen? Nun denn, so erlläre ich Sie hier sür ciuru e?uvcrschäinten, eincu^ Henchler, einen Schnftl Wolleu Sie noch mehr? oder tlingt Ihucu daS beleidigend genug?" Nach diesen iu sehr gereizte!« Tone gesprochenen Worte» staud dcr Fremde wie vom Donner geiithrt eine Minute bewegungslos, um dann achselzuctcnd zu erwidern: „Sie verleimen mich offenbar, oder Sie sind verrückt! I m ersteren wie in, letzteren Falle habe ich uichlö mit Ihuc» zu schaffen." Damit ging er seiner Wege. Wir verlassen Albert iu seiuem aufgeregte», lcmcr Erwägung und tci.icS vernünftigen GcdantenS fähigen Zustaudc und folgen deu Dameu, die von dcr Ferne Zeugen dieser Szene gewesen warm, ohuc sie zn begreifen; da sie iudeß iu eiue Gasse, einbiegen, durch die uns unser Weg nicht führt, so verlieren wir sie bald ans dem Gesichte. Ob ihueu Albert folgte? Wir wisscu cö nicht nud zweifeln daran; dcr Verlauf der Geschichte wird uns darllbcr aufkläre».

Zweites Kapitel. Die beiden Frenndinnen.Uredi

Vielfach sind die prächtigen, mit Lnruö ausgestatteten Gemächer sogruauuter Heldinnen deö Tages oder dcr Demimonde gcpriese» worde», ja manche Romane rz-zellircn cbcn dnrch diese» Glan,; uud suche» dnrch phautasierciche,, mcistenö Übertriebene Schilderungen dcr Art das zu crsctzcu, was ih»«l a» Gehalt oder > Moral fehlt. Das Boudoir, worin wir »nscre Heldin von gest"" , treffe», enthält nichtö derartiges; nicht als ob Laibach z» unatt< , sehnlich wäre filr diese» Pomp uud iu dieser Beziehung dru Rang hinter auderu Großstädten ciuuähmc, o nein, souderu die juussl" Damcu, mögen es nuu Frauen oder Fräulein sein, sind an tt»b ! sür sich interessant uud schön genug uud folglich selbst die cn'M Zierde ihrer Boudoirs. Was soll daun der übrige Plunder' Eiu Piano, ci» ArbeitS« und cin Toilettentisch, ein FauttU" »»d emige Spiegel sind dic unentbehrlichsten Möbel, Ionrnn^ werden gesucht, aubere Bücher häufig geduldet, seltener gelcsc^ denn die Damen überlassen Gelehrsamkeit uud Politik wohlwci^ lich den Mäuucru. Wil l mall eiuwmdm, daß dies so ziemlich liberal! dcr Vra»^ sei, so will ich gar uicht indignirt sriu, dmu dadurch wird ^ uur loustatirt, das; trotz des Satzes: „Audere Läudcr, nudelt Sitten," doch die Dameu überall diesrlbeu Eigenschaften besitzt wenn anch in eincin höheren oder »icdere» Grade. W ir nennen dieses Boudoir ciu geheimes. Zur Beruhn^»!! unserer geehrte» Leser mttssc» wir jedoch ausdrücklich beiucr'^ daß wir darunter kein Boudoir meine» , wie cS i» dc» Scha'^ rmnaueu vorkoiuntt, nud daß dem Prädikate „geheim" '"ch Schreckliches zu snbstitniren ist, sondern daß eS unr deshalb > heißt, weil Familiengeheimuisse und Herzensangelegenheiten dal' erledigt zu werden Pflegte»; Gruud gcnng zu dieser AczeichM>"^ . Das schwärmcrilchc Wesen vo» grstcr» liegt malerisch h>>^" gosfe» anf einem elastischen Sopha, »»d tiefe Melancholie s^^ . sich desselben bemächtigt zu habeu; die Fiugcr spieleu mit prächtigen Stickerei, die halb vollendet au dem einfache» abcr l! schmackuollen Anznge herabhängt. Womit mag sich wohl ihr G ^ in diesem Nngmblickc beschäftige» ? I»ngc Mädchen pflcgcu ü" mcmiglich »icht viel zu grübeln. (Fortsetzung folgt.) ,

Vor ihr aus dem uicdlichcu Tischchen liegt rin rosafarbiges Papier, dessen man sich mit Erfolg zn zärtlichen Zwecken zn bedienen pflegt. Aber daS Fräulein ist jung, sehr jnng, fast zn jnug, «m mit Billets b'Amonr vertraut zn sein; wir wollen das zierliche Billetchrn vielmehr siir dcn Brief irgend eincr elien so schönm Frennbin halten. Doch still! Amalie regt sich, sie scheint an« ihrer Melancholie zn erwachen, ihre zarte Hand langt mechanisch nach dem Vricfchcn. „Welche Wollnst, diese vou Liebe duftenden Zeilen zn lesen; wclchc Wonne, zn wissen, daß man selbst Gegenstand der uubegränztesten Verehrung ist! Wie schön, ach wie schön!" So haucht sie, das blitzende Augenpaar übcr dic zierlichen Zeilen gleiten lassend, um dann plötzlich nüt veränderter Stimme fortzufahren: „Wenn aber baL alles nur Heuchelei wäre! Wcnn cr mich leichtgläubiges Kind belhärm wollte! Ach, dann wäre ich namcn« los unglücklich, ich wilrdc die Enttäuschung nicht überleben! — Doch das laun mir die reinste Liebe eingeben, cr schreibt so süß, so überwältigend, so hinreißend. Nein, nein, cr lan u nicht lligeu!" I m Uebermaße dcr Freude ob dieser der Uucrsahvcnheit ihres Herzen« zu yulge ganz richtigen Wahrnehmung erhebt sie sich und will , nachdem sk da« Billet sorgfältig verborgen, zum Piano, offenbar nm ihren stürmischen Gefühlen auf diesem ihren Lieb« liligsmstrimlcnlc Ausdrucl zn gcbcn. Eö ist dicö ein probates Ableituugöunttel dcr allzu grosicu Freud, uud des Schmerzes nnd trägt dazn bei, das Herz zn beruhigen, weuu man auf seine eigene Gesellschaft angewiesen ist. Alnalie ist, gleich vielen Laibacher Damen, wenn anch leine Virtuosi», doch cinc gewandte Klavierspielerin. Anfangs gleiten die Finger leise nud ziellos itber die Tastcu, ch'hue einen begonnenen Gedaulcu festzuhalten; nach und uach deutet das Crescendo die unruhigen und wechselnden Empfindungen ihres Herzens au, die zuletzt iu einem sMrmischeu Fortissimo den höchsleu Grad der Aufrrguug erreichen. Aber der Sturm dauert nicht lauge au, cr legt sich allmälig, die Tline werden besnnunler, österS verliert sich dic Hand in daö sanfte Moll , die Melodic erhalt einen ruhrcudeu Ausdruck, sie gleicht der hinreißenden und doch so znm Herzen sprecheudeu Stimme der Nachtigall, bis sie endlich in einem sauf. ten Pianissimo dahinstirbt. I n diesem Augenblicke verläßt ciu zweifelhaft aussehendes In - dividunm, das bisher Planlos auf dem Trotloir auf uud ab gegangen, die Gasse uud entfernt sich eiligst uach einem anderen Thlilc der Stadt. Es gibt im menschlichen Leben Angcnbllckc, in denen die Stimmung über sehr Vieles entscheidet; dies besonders dann, 'wcuu mau sich selbst Überlassen ist und leiuc fremdcu Eiudrückc auf nnS einwirken. Ein derartiger Moment scheint auch für Aiua. lieu gclomincu zu seiu, denn sie starrt jetzt in Gedanken vertieft vor sich hin, uud ohnc Zweifel wilrdc sie in dieser Apathie — man erlanbc uns einen filr änßcrc Eindrücke unzugänglichen Zustaud der innern, geistigen Thätigkeit so zu nennen — noch länger versunken gewcseu seiu, wcuu uicht der Eintritt einer gleichfalls jnn« gen Dame von nicht minder einnehuicudem Acußeru sie gestört hätte. Sofort erhob sich Amalie und ging der Eingetretenen mit ciucr Miene eulgcgcu, aus dcr sogar jeder Uuciugcwcihle auf ciu illlimcS Frcnudschaftsvcrhältliiß schließen mußte. ^ „Ah, schiiu, daß Du kommst Fauuy'. Eben wollte ich zu D>> dcuu ich sichle dc>ä dringendste Bedürfniß nach Zerstrenuug, "' diesem Bedürfnisse verstehst T n am besten abzuhelfen." Hicranf geleitete sie die Freundin zum Eopha nnd zog dies^ zn sich nieder. Wahrlich! cin schöneres Paar hätte man vergeb!'^ gesucht! Fauuy war schöu, ja mehr, sie war hinreißend; und do>1 war es uicht das Regelmäßige ihres Antlitzes, uichl das schöne El>c»' maß und der ladellose Wuchs ihres Körpers, uicht die Filllc d" Formen, noch auch die Nundung dcr Glieder, was ihr de» hd ^ sicn Grad von Liebenswürdigkeit verlieh, sondern rS war ü^ ihrc ganze Erscheinung jeucr Zauber, jcuc Aniuulh verbreitet, ^ unwiderstehlich fesselt nnd ein Herz ahilen läßt, nm dessen "^> jedermann zu bcneideu ist. , „Vnzcihe, liebe Amalie," begann Fanny, unchdcin sie ^ gtliommcn, „wenn ich allsoglcich mit dcr Thüre in's Hans !" . Allein, ich biu zu aufgeregt, zu cutrüstet, mich zurückhallc» i löuncn." . , „Wie? D n entrüstet! Was lann Dir Veranlassung daz" U geben habcn? Doch nicht Dein Mann?" ,s „Weit entfernt! Dcr hat lanm die Zeit dazn; s"" ^ „ fesselt ihn beinahe den ganzen Tag an sein Komvtoir. ^"^.^, < fügte sie etwas bitter bei, „ist er, gelinde gesagt, beinahe zu g ^ giltig gegen mich, cin Qncutchru mehr Wärme würde ihn theilhaft verändern." „Bist T u also unzufrieden unt ihm?" ,„ „Das gcradc nicht, aber zufriedener wäre ich jedenfalls, > . cr mir mehr Aufmerksamkeit widmen wollte. Doch lassen n"' ^^. ich bin ohnehin zu aufgeregt uud lu'uulc ihm iu mciuem ^"," g Unrecht thuu. Ich will Dir lieber die Ursache meiner E"l">^.„ augeben. Als ich anö meiner Wohnung trat, bemerkte ^ ! ^ juugeu Herru von sonst hübschem Aussehe», welcher mich l"' ^ zudriuM) ansah. Um ih», auszuweichen, bog ich iu cu>c "

/ssc tin, allein rr verfolgte mich hartnäckig und wußtc es so Anrichten, daß er bei einer Wendung der Straße mir gegenüber '""d. Dadurch bekam ich Gelegenheit, seine Zilge zu unterscheiden '"b -- vaihe, wer es war?" ., „Mein Gott, wie lanu ich das, wenn Du nicht einmal einen /'^»deu Faden dazu gilist. Eö laufen allzu dick junge Herren ^ ^ r Stadt hernm, als daß bloö dieses Merkmal bezeichnend N""'N ware." , „Und doch mußt Du ihn leimen ! Gestern b" der Promenade d " Aller grüßte er Dich!" ^, ^ci dieser dirclten Anspielung Mergos; Nnialienö Wangen sas^ ^"'l'Ul'Mhe, wa5 Fanny nicht entging; doch schnell sich ^'Ud muiderte sie anscheinend imlicfa>ln,cn: ^ "Mch? Es ist leicht uwgtich, daß mich jemand grüßte, ">l n,^,, q^^ . ^ ^.^^ ^^,^,i^c, die in unstr Haus Antritt ^ »Aber e«, sind nur griesgrämige alte Herren, fast sämmtlich ^.'ouö oder Witwer, wie rr selbst, und vor diesen wirst Tn H,'"> cnülhm. Bcsiuue Dich genauer! Eine elegant gekleidete ,^'"' von iniltlcrer Größe, mit schwarzem Vartc nnd dem Anscheine ^ "°bleu Manieren. Nun?" ^>lis^° '" ^'^' ^" ^ gttriclien, befand sich Nmalie iu einer sehr sich . "" ^ ! su' nuißlc alle weiblichen Künslc anwenden, um s'eli' ^ '" verrathen, denn daö wollte sie selbst ihrer vcrtrantehti,„""ditt gegrnüber nicht thun. Imissc Mädchrn wissen Ge» ^ ^ 'Üc zu dewahrcu, bcsondcrö wenn dieselben sie selbst betreffen. >vn,^^^^°lj sich dahcr zu dein einzigen Mittel, das unter so be< ^ach/" ^"istättden sie an« der Affaire ziehen konnte, nämlich die küi, A " " "ucu uicht übel erdachten Scherz aiisznfasfeu, um so niidcrii ^s^'"" ^ ^ ssrenndiu zn liinschcn und alluiälig ,^u ciucm ^"lU'n'i '"" '^'^ 'lliergeheu. Audrrerscitö war sie indeß rlwaö ! l , N'a« jnncie Mädchen nnd Frauen sons! nicht zu sein Pflegcu, uud daö Abenthcner ihrer Frcuudiu erregte vorläufig il>r> ganzes Interesse. Deshalb enta/guelc sie nach einer Weile: „Ich sehe, Dn willst mich glauben machen, dcr Gruß jeueö Manne« hätte mir gegolten. Doch verzichte ich zu Deinen Gunsten aus dic Ehre, dcr Gegenstand jener Aufmerksamkeit gewesen zu sciu. — Wcun'ö Dir beliebt, so fahre, in der Erzählung Deines Abmtcucrö fort!" „Gut! Als ich ihn erkannte, trat ich unter einem Vorwandc in eiu Gewölbe, m» ihm Zcit zu lassen, sich zu rulfcrnen; allciu statt dessen uiustertc er anscheinend srhr ausnierlsam die AnSlage und hatte sogar die Kühnheit, emMreleu und sich allerlei Kkiuigleitrn vorlegen zu lasseu. Da mein Mltel mich uicht zum Ziele geführt hatte, so entfernte ich mich ebenso eilig. I u der Hoffnung, rr werde uiich aus den Augen verliere«, machte ich Kreuz» und Qucrzügc durch viele Gasscu und langte in euen dem Angcul'lick'.' vor Dciurr Wohnung an, ali< er um eine Ecke l>og, ulu mir wie» der entgegen zu lounucu. Waö soll ich aui> cmeui solchen 3)cnehincn filr mich folgeru?" I n Amalienö Herz kämpften die N'iderstrcitrndslcn Empfindungen. Einerseits lag der Zweck dcr.Vcrfolguug Fauuy'ö klar am Tage uud konnte nicht mißdeutet werden; andererseits konnte sie au dcr Wahrheit drS eben Gehörten tanni zweifeln, und schou war sie auf dem Punkte, den elieu crhalteueu Vricf — unsere Leser werden errathen haben, von wcm cr lam — vorzuzeigen, um die gauz? 3liedrrträchliglcit dcS Unverschämten aufzudecken, alö ihr uoch rechtzeitig licificl, dic Freundin könnte sich in der Person auch getäuscht haben, denn in dem Villetc athmete jede Zeile die ans« richtigste i!icl>e; so konnte nur das reinste Gewissen sprechen, cS war keine Spnr uou Verstellung oder erheucheltem Gefühle. Aus diese Ärt snchtt daS unerfahrene Herz denjenigen zu entschuldigen, dein es sich bereits hinzugeben begonnen.' > Trotzdem sich Nmalie bemithte, ihre Nnfregung zu verbergen, so gelang ihr dies doch nicht ganz. Fanny bemerktet« und fuhr fort: „Mciuc Vermuthungen scheiueu also doch aus haltbaren Grüu deil zu beruhen! Sollte cr Dir näher stehen, alö ich glauble-? I n diesem Falle ist seiu heutiges Vcuchineu jedenfalls unMlärlich uud geeignet, einen souderuarcu Schatten aus ihn zu werfen. „ttcuust Du ihu uähcr?" „Ich? Löie sollte ich dazu kommen! Ich sprach »och uie ein Wort mit ihm." „Dann ist er ciu Vldcntcurer, dcr nicht« Gnteö iiu Schilde sührt." „Vielleicht beruht die gauze Geschichte auf ciucr Vmvechö, lung uou sein« uud auf einem Irrthume vou Deiner Seile. Eine zufällige Achnlichleit..." „O nein! Dcr durchbohrende Blick seines uuhcimlich leuchtenden Augcö wird mir unvergeßlich lileibeu. — Doch c« scheint als oli mciuc Erzählung Dich uicht foudcrlich erbaut hätte' Du bist Plötzlich ausfallend wortkarg gewordcu. I n eiucr solchen Stimmung ist jede Gesellschaft unwillkommen, ich eutferuc mich deshalb, uu, Dich Deiucn eigeucu Gcdaulcu zu übcrlasseu." Sie erhob sich uud eulscrutc sich ^ ohne von Amalie znritckgchaltcu zu werden. Dicsc sank erschöpft iu das Sopha ^uriick und überließ ihr Iuucrcs dcu Äämpfcu, die durch daö cbt« Gehörte hervorgerufen worden waren. Alö FamN) die Straße betrat, spähete sic ängstlich umher, ob sich ihr Verfolger wieder irgcnwo blicken ließe. Nußcr einigen Arbeitern uud geschäftigen Trägern war leiuc mäuulichc Person sichtbar. Beruhigt setzte sie also ihren Weg fort, ohuc zu bemerken, daß ciu Uulirtauuler ihr uon Ferne nachschlich. Als sic ihre Wehnnng erreichte, stand dcr Uulielauute. still, waudtc sich um imd lirrlor sich uach riuem unt uulcrdrlicltcr Stimme auSgestoßelle» „Gut" in riuc eugc Gasse. (Fortsetzung folgt.)

Drittes Kapitel. Der Abenteurer.Uredi

Laibach. dic Stadt deö Lichtes, hat nnr wenige enge Gassen ^szuweism nnd ist deshalb selbst gegen größere Städte bedeutend , ^ Vorteile. Enge Gassen sind bekanntlich der Schauplatz nacht., ' ^ n Esters, sie sind Schmutzflecken dcr Städtcbilder. Es flori-! ^ darin jene dnnllen Thaten uud Slandale, die bei Tag die ?°"nc, zur Nachtzeit daö Licht scheuen. Hier sammeln obscönc vMcuitilrr nnd Dichter von Schmierdramen ihren Staff, theils z°ll da wirtlich viel Mystcrioscö geschieht, waö selten an3Taa.es- ^ kommt, theils weil die, schauerlichsten Ausgeburten der Phan- ^ «aUirliäM erscheinen, wenn man dem dunllcn Bilde einen °"so dnnllcn Nahmen oder einen finstern Hintergrund gibt. . Lcubach nlsc, er;ellirt dnrch derlei Gassen nicht, obschon selbst ^.'" "uhchuigensten Spaziergänger ein paar solcher Kommunilau«N'rgc auffallen; doch tragen selbst diese bei weitem nicht jenen icuulnhcn Charaller der Straßen Londons u. s. w. an sich, dei, ^'^^°n'":c n Menschenkindern Granen cinfliM imd sie vor c>Ucl "" l derselben abschreckt, sondern sie gewähren, wenn sie Anbl'^' ^ ^"^' dennoch einen mehr oder unndcr freundlichen , Durch eine dieser Gassen beliebe nnü dcr Leser zu folgen. Wir führen ihn in eines dcr letzten Hänser drei Treppen hoch und betreten ein Dachzimmcr, welches allen an ein solches zn stellenden Anforderungen vMmmnen entspricht. Es hat nnr ein Fenster, dessen Licht dasselbe nothdilrstig beleuchtet, eiu Umstand, dcr den sporadisch vorloliimrnden Möbelstücken zu Gute kommt. Ein paar Stilhle, ein hinfälliger Tisch nnd ein zweifelhaftes Supha, daü zugleich znr Bettstatt gedient zu haben schief, bilden die ganze Ausstattung des Zimmers, daö die Anösicht iwcr die Giebel der Nachbarhäuser hinweg anf den Schloßlierg hat. Dieser mehr als einfachen, alles Schmueleö nnd jeder Arqnemlichleit baren Ein» richtuug nach zn folgern nuisttc eö eine VtnmpeNmmncr vorstellen und cher Mäusen und anderen Thieren deö Dachbodens zur Wohnuug dicucu, als einem menschlichen Wesen, lind doch scheu wir eine menschliche Gestalt auf das Supha hingestreckt, die sich zur Aeancmlichleit nnd wegen nicht znreichender Länge des Möbels !einen invaliden Etnhl zur Unterlage der Fuße beigczoaeu. Befremdet uns schon der Aufenthalt eines Menschen in dieser Kam« mcr, so crstannen wir noch mehr, in dem nachlässig W:ögcstreckten unsern eleganten Vetannten anö der Sternallee und den angcbli-^ chen Bersulger Fannys zn rrlennen. Uie kommt der elegante! junge Mann >,u diese, Umgebung? Still , erscheint sprechen zu' wollen; vielleicht gibt er selbst dm Schlüssel deS Räthsels! „Ein verdammt miserable« Logis für einen Chevalier incincS, Schlages!" So beginnt er, sich streckend, „ich mnß in Kürze ein ^ besseres ausfindig machen, denn die Furcht, in dieser Stadt ausgeforscht zu werden, schwindet von Tag zn Tag. Ja, seit einiger Zeit ist mir daö Schicksal hart anf den Fersen, Wohin ich mich! wcude, waö ich uuiernehmc, alles mißlingt mir uud daö Glück entschlüpft gleich dem schlüpfrigen Aale, wenn ich es schon ge-! packt habe nnd festhalten zn löuncn glanbe. Es gehört wahrlich l eme stählerne Natnr dazu, umihig auszuharrm. Nun habe ich meine > letzte Angel ausgeworfen, bleibt au dieser lein Fisch hängen, dann Adieu! Dank der Mutter Natur, dic mich mit so guten lUrftcrlichen Vorzügen ausgestattet, nnd meinen Goldvögelchen, die ich bei meinem Al^nge mitgehen lies: ,mo die mich wenigstens einstweilen zn cinem reichen Manne machen, reusfirte ich bis jetzt we? nigstenö bei den Damen, allein die goldene Quelle ist bereits dem Versiegen nahe und ich muß mich zu restaurircn trachten. Wenn dieser Wurf gelingt, dann bin ich wenigsten« bis auf weiteres geborgen." Dcr limteriellc, spclnlirende Philosoph wnrde in seinem eigenthümlichen Gedanlengangc Plötzlich dnrch ein Pochen an dcr Thüre unterbrochen, welches ihn bewog, seine bisherige Stellung zu iiu« dcru. Die Thltrc luarrle in den rostigen Angeln und Herrin trat jenes Individnnm, welche? wir dcr jungen Frau von weitem folgen gesehen. Derlei Gentlemen gibtö iu jeder Stadt; sie zählen zu jener Klasse von Zwcijüßlcrn, die um Geld alles thun, jeder« maun Treue schwörcu, dcr sie am Besten bezahlt und mitunter Dienste leisten, zu dcucn sich rechtschaffene Meuschcu nicht verwenden lassen. ES sind dies Lente von zweifelhaftem Aussehen uud uoch zweifelhafterem Nnse, deren Zahl mit der Bevölkerung und Größe der Stadt in Proportion steht. Sie sind vorzüglich geschult, zu geheimen Missionen und geben im Vetrelungssallc selten ihren Padrone ail. Sie erholen sich von allen Niederlagen erstaunlich schnell, da sie als Stadtkinder eine Katzennatur besitzen und sich uichl leicht iu'S Bockshorn jagen lassen. Unser Mann war gleichfalls ein Hidalgo dieser Sorte, cine Mißgeburt, wie die meisten dieses Schlages, dcuu nicht einmal das Gesicht war an ihm symmetrisch. Trotzdem verriethen seine lebhaften Angcn eine ungewöhnliche Beobachtungsgabe und eine» bedeutenden Scharsblick, wie er allen Spitzbuben eigen. Nach seinem Cintritte blieb cr stehen, einer Frage gewärtig.

„Nun wie steht dic Sache ? Waö hast D u iu Erfahrung gebracht ?" Dcr Nolhc, der Farbe seiur^ Haares wcgm su lirnanul, machte z uuf dir Frage ein Gesicht, als uli cr cdcil ctwaö Unverdauliches verschluckt hätte, ohne zn antworten. „Ha»'t D u denn leine Sprache, um mir zu antworte»?" „Verzeihe» Sie," erwiderte dcr Nöthe, sich so viel es seine verwachsene Gestalt erlaubte, in Positur stellend, „Unsereiner hat auch Ehre im Vribe, und cö noerlommt ihn ein gar so miserables Gefllhl, wenn er gleich ciuem Hund schlechtweg nut „Dn " angefahren wird. So viel ich mich ülingenS zu erinnern glaube, sind wir noch kciue Vuscufreunde; wenn Sie mich bezahlen so leiste ich Ihnen wichtige Twiste, und so sind wir quitt!" „Eine ganz richtige Argumentation," lachte der junge Mann, „eines solchen Ehrenmannes würdig." Doch deshalb wollen wir nicht streiten. Ist daö Wort „Ihr " gcuilgcnd?" „Meinetwegen, obschon das noble „Sie " passender wäre. „ O , ich hatte." sprach er mit Aplomb, sich iu die Brust werfeud, „die Ehre, ga„z respektablen Kavalieren zu dienen mid mich einer ganz vorzüglichen Vehandlnng zu ersrmen." „Das alles glaube ich Euch, indeß ist eö für mich nur Nebensache. Wollt Ih r nicht dic GeMigleit haben, zur Hauptsache überzugehen?" Geschmeichelt dnrch diese höfliche Bitte, begann dcr Nöthe: „Dcu auvcrtrantcu Brief wußte ich iu dic Häudc des bewußtm Fräuleius zu spielen." „Weiter! weiter!" „Gut Ding braucht Weile, sagt ein Sprichwort, ich wußte also den Vncs in dcu Häudeu des Fräuleins und wartete dem Auftrage a,emaß, um ctwaö bemerken zu lünueu." „Und was bemerllct Ih r denn?" „Nichts von Beoeulnug! Lange war alles still und ruhig, dann lM c ich die Töne eines Klaviers." „Gut, gut! Ncitcr!" „Uutrr alleu Geräuschen hasse ich die Mnsil am Meisten, md nur Ihres Anslrages halber harrte ich ans, bis daö Instrument, nachdem eö bald fürchterlich gerast, bald leise gesummt, endlich gänzlich verstummte." « „Vracheu die Töuc plötzlich ab, oder verstummten sie nnr allmälig?" „Es lain mir vor, ale ob sie sich in der Ferne verlören. Doch wozn alle diese eingehenden Fragen?" schloß der Rothe mißtrauisch nnd seinen Mann scharf sirirend. „Das geht Euch onrchaus nichts au, ich habe zu frage», uichl Ihr, deshalb bezahle ich Euch. Was ist's mit dem zweiten Auftrage? Habt Ih r die Wohnung jener Dame ausgeforscht?" „ Ja wohl, hicr ist dir Adresse!" M i t dicseu Wurtru überreichte er dem jungen Manne einen Zettel, welchcu dieser besah und dann in seiner Brieftasche verwahrte. „Fllriheute ist's gut! Morgcu sucht mich wieder auf, viel« leicht habe ich uene, Aufträge, Ih r findet mich hier um dieselbe Stunde; solltet Ihr's indeß noch früher nothig haben mit mir zu reden, so gebt mir irgend einen Winl. Verlaßt mich jetzt!" „Ich bin's zusriedcu! Habe ohuchiu ciu Privatgeschäflchcn vor, dcuu Uuserciuer liebt auch sein Amüsement." „Thut, was Euch beliebt, uur verlaßt mich!" Der auf diese znrtc Art Entlassene verschwand durch die Thür uud der Schall seines cigcuthümlich schlcichcudeu Trittes verlor sich iu der Tiefe dcr Treppen. Sobald er fort war, zog dcr Zurückgebliebene seine Brieftasche hervor uud besah den erhaltenen Zettel mit der Adresse dcr jungen Dainc. „Der Kerl ist verwendbar, wenn anch etwas störrisch nnd auf Iscine Ehre Pochend. Falls es eiue Vauditeuehre gibt, so hat er jedenfalls ciueu guten Auspruch darauf. Ten Vnef hat er abg^' ben; bin anf den Erfolg sehr gespannt. Hat dcr ilcrl übrigens richtig gehört und die Wahrheit berichtet, so bin ich meines ön " ge« gewiß. Neulich bci drr Promcuadc crrothctc sie uud schl^ dcu Blick zu Bodcu; cin untrügliches Zeichen, wcuu auch ^ Phantast» auf dcm Klavier nicht cin weiteres Augurimn wtitt"> O Weil'r, wie schlecht lönnt ihr enre Grheimniße verbergen !" Ni'der ging er eine Weile nachoenlcnd ans nnd ab, um da»" 'ortznfahren: „Mein Emissär ist, glaube ich, verschwunden. Ich muß '"'^ bemühen, zn dcr hentc gemachten Vclanntschaft Zntritt zn c>M' gen. Die Adresse weist ich, im Uebrigen verlasse ich mich ^" l auf den Zufall. Zwei Verhältnisse anf einmal sind zwar imM ^ hin eine gewagte Sache, aber wenn eines nicht zum Zwecke fü ^ ' so bleibt doch da? andere noch." Nach diesen im Gruude richtigen Expeltoralioueu brach" " die in Folge seiner vorigen Situation etwas derangirte To>>^ in Ordnnng, verließ die Wohnung, nnd nachdem er sich iibrrzc»^ das; sein Trabant nirgends zn sehen war, schlng er die Nicht""!1 nach dem Hanptplatze cin. Scheinbar planlos gelangte er vor das auf dcr Adresse zeichnete Haus. DaS Erste, was ihm ins Auge fiel, war »' Anschlagzettel des Inhaltes, daß im zweiten Stocke ciu Zi"" " fiir eiucu soliocu, unverhciratrteu Mauu zu ucrmictheu sti» „Gau; erwünscht," jubelte er, „besser konnte cö sich "' ^ treffen. Mein bisheriges Logis hat ohnehin cin mehr als P"" tiue? Ausschcu; cS ist nur gut, daß cö zugleich iu der " ^ erbärmlichsten Gegend der Stadt gelegen ist. Trotzdem "der vi ^ mehr gerade deswegen behalte ich eö bei nnd werde es alS pfangzimmer btnntzcu. Mein Spion und Botschafter so" niemale gesehen werben." (Fortsetzung folgt.)

(Forischung.) Hierauf verfiiglc cr sich inS HauS, um da? Nähere zn cr« j fahren. Der Hausherr, ein beleibter, gutmüthiger Mann, erwies sich sehr gesprächig und zuvorlommcud; er gab bereitwilligst Auskunft ilber Nlles, was sein HauS bewohnte, zeigte dem „Herrn" da« fragliche Zimmer, eine Anslalt, halb so breit als lang. sonst ! gerade nicht mcrlwilrdia,; ferner erlliirlc rr sich sogar bereit, ihn ^stwimtlicheu Parteien vorzustelleu, was indeß der junge Man» aus gutcu Grlluden ablehnte, indem er sich mit dcr Nuölnuft beguiigte, baß im erste» Stocke ein junges, seit kurzer Zeit erst verheiratetet! Ehepaar wohne, dessen männliche Hälfte mir selte» zn Hanse sei. Hicranf entfernte cr sich mit der Andenlnng, noch heule das Zimmer beziehen zn wollen, sciuc Effcltc» iudcß erst iu einigen Tagen nachkommen zn lassen. I u der Abenddämmerung traf cr nun wirklich ein, mil» zwar angeblich ohuc Effekten; wer ihn jedoch grnauer betrachtet hätte, als der Hausherr, dein hä'ttc ein Zuwachs au seiucm Körpernmsange auffallen müssen. Der Hausherr jedoch kümmerte sich um dergleichen Nebendinge nicht, sondern zeigte sich zufrieden, alö der neue Ankömmling den Miethzins im Voraus bezahlte und rineli Namen ins Protokoll schrieb. I n diesem Puulte steht uuscr Haus» Herr nicht vereinzelt da. Diese Klasse von gewöhnlich rcichcu Menschenkinder» hat nur iu Geldangelegmhcitcn ein sehr zartes Gewisseu. mit dem Uebrigeu uimutt sie e« jedoch bei Weitem nicht so gcilll». Sobald sich der neu Eingezogene iunerhalb des gemietheten Raumes befand, entledigte er sich eines Theiles seines Nuznges und suchte sich so wohnlich als möglich ciuzurichten. Die Vcqnem' lichleil indeß schien dcr Zweck seiner llebcrsiedrlnng nicht zu sein, denn er gab sich nicht einmal Mtihe, die in leidlich gutem Zustande befindlichen Meubcl einer ua'heren Betrachtung z» wilrdigeu. sondern brannte sich eine feine Zigarre an uud mast, in Gedanke» verticft, mit großen Schritten dcn viereckigen Raum, danu blieb cr vor dem auf die Gasse zeigenden Fenster sichcn uud hob mit unterdrückter Glimme also an: „Der Mittheilung brs geschwätzige« Herrn nach ist also dic Dame verheiratet. Dieser Umstand ändert den Plan des Feldzugcs. Dcr Mann ist seltcn zu Hause, ein Zeichen, daß dic Houigwocheu bereit« vorüber sind uud die zwei nicht ou nllzn

großer Licbeslranlhcit laborircn. Desto besser, die Eroberung wird dadurch bedeutend erleichtert. Dabei ist zwar nicht viel zn gcc , winncn, aber eS verschafft doch ein Amüsement zum Zeitvertreibe, bis mein Hauptplatt gelingt. Das andere Dämchen ist aus reicher Familie und einzige Tochter eines behäbigen Rentiers, dcr mir fllr sie und für KälbcrneS mit Salat schwärmt. Ich habe also ein aufgelegtes Spiel. Freilich ist damit cinc ganz kleine Fata: lität verbunden, ich müßte sie nämlich heiraten. Pah! die. Zeremonie ist bald vorüber, nnd wenn ich die Mitgift habe, mache ich mich aus dem Staube. Meine Frau taun sich dann meinetwegen in den Armen eines Anderen trösten." So ungefähr raisonnirte der praktische Philosoph, dcr, wie au« seiner Ncdc zu fchließcn, trotz seiner Jugend viel sogenannte Wrltcrfahrnng und wenig Herz besitzen mußte. Cö war bereits liefe Nacht, allein ein junger, unternehmender Mann liebt die frühzeitige Ruhe nicht, und in dcn Städten ersten und zweiten NangeS — zu den ersten zählt sich ^'aibach sclbst, zu den zweiten wird eS gezählt — beginnt das ordentliche Amusement tiucö Lions «»no i! f:»ü erst bei dcm Scheine des Gaslichtes, Grund gcung, um den jnngcn Fremden zu einem nochmaligen Angehen zn vermögen. Zugleich lernte er anf diese Art die Gesellschaft, folglich die Stadt, grnancr leimen nnd konnte vielleicht manches erfahren, waö seinen Absichten zweckdienlich schien. Nachdem er also nochmals Toilette gemacht, sperrte er seine Wohnung ab nnd eilte mit einem riesigen Hanslhorschlüsscl "' der Tasche seines PautalonS das Troltoir hinab über dic Schustervriitte dcr Slcrnallec zn, wohin ihn die Töne einer rauschcudcn Musit lockten. Mau feierte gerade dic Eröffnung des Kasiuogartcns. Ucberzeugl, hicr cincn großen Kranz liebenswürdiger Damm und eleganter Hcrrcu und vielleicht sogar seine Auö-- erwählte zn treffen, besänftig er den am Liugaugc lauernden Cerberus dnrch cinc Gnldeunotc uud trat, oh„c drn tiefen Vilcl- I ling dcS angenehm Ucbcnaschlen zu beachten, ein. Mi t einem Vlnlc Iiattc cr die große Menge dcr Anwesenden durchmnstcrt, mit einem zweiten scinc Auöerwählte an einem dcr letzten Tische entdeckt; der dritte Blick snchte nach cincm lecrcn Platze in ihrer Nähe, allein alles schien besetzt. ^ ! „Kellner!" rief cr dem dienstfertig hcrbeitrippclndrn Gar?on zu, „Kcllncr, verschaffen Sic mir cincn Platz in der Nähe jenes Tisches dort!" Nm seinem Wunsche mehr Nachdruck ;n geben, drückte cr dcm dienstbaren Geiste ein Geldstück in die Hand; diese gewichtige UnterstülMig der Petition hatte den gewünschten Erfolg, Bald' saß nnser Mann an einem kleinen Seilcntische, den der dienstfertige Kellner eigens silr ihn hingestellt. Wie vorauszusehen, hatte dieses exklusive Manöver alsbald allgemeine Anflmrtsamkcit erregt. Man sprach allerlei: Eiuige hielten ihn für einen Bergniignngöreiseiiden, dcr anf seiner Tnrchreise sich anch ^,'aibach ansehen wolle, andere meinten, cr sci ein ungarischer Edelmann odcr ein polnischer Graf, wieder andere, er sci eines rcichcn KaufmanncS, Großhändlers oder Vanqnicrs Sohn , währcnd ihn einige sogar sur cincn inkognito reisenden Fürsteiisohn erklärten. Alle aber stimmten darin übcrein, daß cr reich sein müsse, weil dieses sich schon ans dcm respellvollen Vcnehmcn doö Kellners schließen ließ. Bekanntlich gelten derlei Menschenkinder als schr verläßliche Thermometer in dcr Veurtheilnng dcr Gä<lc. Deshalb fehlte es nicht an diesbezüglichen Fragen, welche indeß der dienstbare Geist achsclzuckend beantwortete. Dcr jnngc Mann merkte alsbald, daß cr der Gegenstand allseitiger Anfmcrlsamlcit sci; obwohl daS seinem Ehrgeize nngcmcin schmeichelte, so galt scin ganzes Intcreffc nur jenem Tischc, bei dcm ncbcn ihrem Vater und einigen alten und jnngcn Herren die reizende Amalie mit ihrer unzertrennlichen Freundin plauderte. Hentc war sie fchöucr als je. Dcr junge Frcmdc lief Gefahr, sich nun ernstlich zu verlieben, allein dcr stählerne Panzer weltlich", egoistischer Grundsätze hatte sein Herz gegen derartige EindN^ verschanzt. Er sah in ihr nur den Mammon, hingegen schieil M deren Gefährtin zn bezaubcrn, obschou ihm dcr Umstand, daß ^ bcidcn Opfcr scincr Pläne Freundinnen waren, nicht sehr gesit Wollte cr scincn Zweck vollständig cn-cichen, so mußte allcö S^ heim blciben, allein zwischen Freunden, besonders wenn sie we"" lichen Geschlechtes sind, bleibt selten etwas geheim. „Ei n recht unangenehmer Znsall," sprach er zu sich s^ ! „Ma n lann Jemanden nnr so lange irre führen, nls er cö "'^ gewahr wird. I n meinem Falle indeß könnte die mittheilst" Zuugc der Freuudin nnr zu leicht alles verderben. Deshalb lN"b ich mich entfernen, ehe mich meine jetzige Nachbarin gewahrt. ^ wird wohl leine Hcrlnlrstarbeit sein, die beiden zn entzweien «" die Freundschaft in die bitterste Feindschaft zu verwandeln." M i t diesem Vorsätze entfernte sich unser Held, von d"N' ^ vilcn Kellner mit einem gelungenen Kratzfnß begleitet. Aon Sciteutische folgte ihm ein bcdcntnngöuollcr Vlick, zwar ""'"; „ stöhlen, aber von ihm doch bemerkt, obwohl cr sich den Ä'is") gab, als ob cr ihn nicht beachtete. , .„ Gleich nach ihm verließ ein Herr von elegantem ^^^ , den Garten und folgte jenem von Ferne dnrch die mil Ga leuchteten Gassen.

Viertes Kapitel. Der Poet.Uredi

W ir verließen den liebclranlen Albert in einem fehl' "' ^ regten, ja verzweifelten Zustande. Mancher Jüngling h"l" ^ in einem derartigen Fallc energisch gcholfen, er hätte das , mit dcr Wurzel ausacrisscn, kurz, cr hätte seiuc Angebetete "> ^ vergessen und sich nach einer andcrn umgeschaut; mein O" ' gibt jn in dicser schönen Welt gar lo viele schöne Mädch"

Nicht so nnscr Albert! Die verächtliche, seiner Meinung llach empörende Behandlung von Seite seincö Gegners halte ihu ^ifangö cmö dcr Fassung gebracht uud ihn zn jeder Erwägung Unfähig gemacht. Eine Weile staud er Pedanten- nnd rathlos da, "'"I sammelte er sich, doch irrte er noch immer zwecklos in dcr ^llcc umher. Ih m war es gar so cutschlich jämmerlich zu Muthe. -">s allen sciueu Himmeln herabgefallen, hielt er sich für das ^Mickseligste Geschöpf auf Gottes Erdboden uud überlief; sich lk'licm Schmerze, Unglückliche, Dichter und Verbrecher suchen so 5tt«e die Einsamkeit auf, um ungestört zu sein, deshalb fiihltc ^lbert trotz dcr spaten Stunde nicht das »lindeste Verlangen mich "he; es wehele ein eisiger Wind, er spürte es nicht; rö begann ^ tröpfeln, rr beachtete es nicht, biö ihu cin heftiger Regen nnd ^ beinahe schon durchuäßlm Kleider an die Wirllichlcit mahntcu. Er sah auf, eö goß fürchterlich. I u diesem Wetter konnte .^ bm zit,„lich weiten Weg bis zu seiner Wohuung nicht zurückh. ^cn . viel weniger sich noch mehr durchnässen lassen. Als einzige "Hilfe erwies sich das „Cafö Nationale," woher mau wirrcu Lärm "nahm. Die Gesellschaft war für Albert in seinem jetzigen Zu- ^"de höchst widerwärtig, aNein da? Wetlcr sogar unausstehlich; ^hall , betrat cr das hell beleuchtete Lokale nnd ließ sich in einer " dunkelsten Ecken nieder. . Das Caf.> war nur sehr schwach lxsuchl; die wcuigcn Gäste > "ttdcu aus Flüchtlingen vor dem schlechten Wetter uud amüsirtcu »M ^ ""^ ^" m Geschmacke. Einige blätterten in den Jour, Via",! ""d gaben sich den Anschein deS eifrigsten keseua, audere >M-^" ' ""koer audere botcu sich auf dcm Villard eiu Paroli, ""uo noch einige sich mit dcm Zusehen begnügten. llei,, " ^ " letzteren ucrdicnlr die meiste Aufmerksamkeit eine Wit / ^ ^ untersetzte Figur von mittelmäßig gutem Ansschcu, Vn^'"" " breiten, fast russischen Gesichte, einem schlecht gepflegten ""b Augengläsern. Mau muß» annehmen, dasi ihm die letzteren ein Bedürfniß waren, zur Zierde gereichten sie ihm gerade nicht nnd aus Stolz kouutc er sie unmöglich angenommen haben, weil dieselben sehr primitiver Natur wareu. Fcrucr muß erwähnt werden, daß besagter „Chevalier" noch juug war uud wegen dcr Augcgriffmheit feiner Nngcu vicl studirt oder wenigstens bei Licht gelesen haben mußte. Man sah ihu selten ohne Mautel, uic ohne seiueu grauen Hut auS der vorletzten Mode-Saison; auch sein Temperament schicu mit seiner Touruüre zn hariuonirm, es blieb sich immer gleich; rr war oft hungrig, aber stctü fiocl, stets witzig uud fast cbcu so oft müssig. Ueber seine freilich noch kurze Ver-l gaugenhcit erzählte mau sich vicl, wußte aber iu der That nichts Bestimmtes, alle« klang gleich komisch, gleich romantisch. Seme jetzige Force war der Milssiggang, jener geniale Mlissiggaug, dcr als ein Attribut großer Städte die Basi« moderner Fcuillctouö und iu Folge desscu riuc, freilich spärliche, Erwerbsquelle bildet; ncbcu diesem allcrdmgs mehr nnlcrhaltcudeu als Unterhalt vcr« schassenden Amte suugirte cr auch als exquisiter Briefsteller uud Autor manches Villct-ooux, und gar manches liebeskraulc, Herz hatte sich bei ihm Raths erholt. Er verfaßte aber auch thatsächlich rührcuoc Vricse, Briefe, dic ein stciuhartes Herz windelweich machen muß'.cn, vorausgesetzt, daß ein halbwegs annehmbares Honorar iu Aussicht siaud. Auch Verse wußte er zu „schmieden," er brachte aus diversen Worten und Silben eiu Wcrl zu Stande, bei dessen näherer Betrachtung mau stauueu mußte, wie alle diese verschicdeucu Matcrialc zu ciuciu Ganzen vcrbnudcu wcrdm louutcn. Wegen dieser letztereu Eigenschaft wurde er auch insgeheim — ob aus Ironie oder nicht, bleibt dahiugcstcllt — der Poe t genannt, welche Bezeichnung wir, da sie nichts Beleidigendes enthält, auch beibehalten wollen, (Fortsetzung folgt.)

(Fortsetzung.) Trotz dcr Vielseitigkeit seiucs VernfcS war er in diesem Angm« ^ blicke gerade müssig im eigentlichsten Sinne dcS WorteS, denn ^ fand nicht einmal cin Snjet fiir seine Beobachtungen. Dahcr ^ar ihm Albert gerade willkommen, und da dieser dnrch sei» trübes "!esm und scin auffallend verstörtes Gesicht sofort scinc Anfmcrlslllnleit rrrcgtc niid cr ihn von früher hcr als cincn stclö gnt gelauntcn Mcuschcu kanute, so nahm rr, unl dcn wahrcu Grund dir- ' " Melancholie wo möglich zn erfahren, lcincn Anstand, sich ihm ^ Uähcrn, um so mchr, da cr hicr vielleicht alö cin Ne>,» l>x ""cl>mn vollkommen auf scincm Platze war. Hrutc crwici! sich drr stctö gcfprächigc Albcrt jedoch schr wort- ^ 8 , denn cr crwidcrtc dcn Grns; nnr turz nnd schicn dannt an-^ ^Utcn zu wollcn, daß er ungestört zu scin wiinschc. Ällcin nnscr j ^evalirr war lcincr von dcu Lcutcll, die sich durch den ersten, ^Arfolg vollständig ans dcr Fassnng bringen lasse». Zwar ver- ^°"d cr dir uicht schr zarte Andcntnng, sich scüicr Wcgr ;u schce. " ' ' aber cr tauntc scinru Mann nnd wußte ihin wznlllnuncn. "Ei, Hrn- Albcrt," bcgann rr, ncbcn ihm Platz uchmcnd,! "Wlscheu Ihiicn i„id dcm Himmcl schcint offcnbar ciuc fynipaylschc Vezichuug obzuwalten, dcnu heute zcigt Ihr beide cm vcr- '""fl'It trllbc« Gesicht!" ^ ..Lassen Sic mich," ricf dcr Angeredete verstimmt, „meine sic/l ^ugcn ftir kciuc hcilcrc Gcscllschaft, mit mir wiirdcn Sie, „">> . ° ^Ilccht amiisircu!" Damit kchrtc rr ihin dcu 9tückcn ' " lchliirfte seiucn Kaffee. „Sic mllsscu UuMll gehabt habcn! Ja , das Cpicl, das Wetter, die Liebe" — ! Acim lctztcu Worte drchte sich Albert, wic von cincr Natter gestochen, hastig um nnd firirtc dcu tilhncu Tprcchcr mit dnrch« bringcudcn Blicken. Dicser hiclt die scharfe Probe uinthia. au« und tonnte ein tlciucö ^ächcln uicht untcrdriicten. j „Hab ichs gctroffcn?" ricf cr danu und fuhr fort: „Seheil Sie mich uicht so bcstnrzt an, cö ist lein Verbrechen, verliebt zu scin; vielmehr soll das unlcr jungen und sogar nnter alten Leuten üfterö vorkommen. Hicbci stößt mau anf drci der gcwöhnlichsteu Hiudcruissc. Da? crslc ist ein strmgcr moralischer Vater odcr cinc zärtliche Mnltrr, die mit ihrem Töchlcrchcn Gott weiß es wohiu hinaus will, das zweite das Mädchen selbst, dcr man uicht rccht zn Gesichte steht, uud da« dritte —" „Daß dritte? —" „Nuu. dieses dritte," fuhr dcr redselige Sprecher iu der Ueberzcuguug, die wunde Stelle berührt zn habcn, fort: „dieses dritte ist ein Individuum, das unserer Flammc besser gefüllt, alß wir,, und das die Vulgärsprache als Nrbcnbuhler bezeichnet, die dramatische^ Poesie schlechtweg Inlngmuitcn ncnnl, cin Indwidunm, daö ^ an und für sich und der Tamc, sscgenübcr vicllcicht licbcnswiirdig ist uud alle möglichcu gntcn Eigenschaften besitzt, uuS aber als^ dcr ärgste Tmfcl erscheint, so daß wir c« zur Hölle wiinscheu. Ist's uicht so?" Der Angcredctc halte dem Sprrchrr dic grüßte Anfmcrlsamleit, geschenkt uud drückte ihm nun stumm die Haud, woraus dcr letztere auf die Nichtigkeit seiner Kombinalioncu schloß. Daher bcganu er „ach cimr Weile, als dcr andcrr nichts erwiderte: „Sie befinden sich in dcr letzteren Lage. Verzweifeln Sie uicht! Ist Ihr Ncbcnbuhlcr bcgilnsiigt?" „Leider habc ich ssuien Grund zil dicser Vermuthung!" „Dann gestaltet sich Ihr Fall thatsächlich zu einem dcr bcdenllichstcn, in denen häufig nichts anderes übrig bleibt, als die Segel zu streichen, zu warten mid die Diugc ruhig ihreu Gang gchcn zn lasscu. Vicllcicht findet sich uutcrdcsscu ciu ucucs Ideal, bei dem mau keine« Nebenbuhler im Wege hat." Dieser prosaisch'licruiluftissc Nath schicu iudch Albcrt durchaus uicht zu behagen, dcnu sichtlich mißmuthig erwiderte rr: „Sie verstehen mich uicht, Sic können unmöglich jc geliebt haben. Mau tann dieses Gcfilhl nicht gewaltsam anS der Brnst reißen, Für mich wäre i h r Verlust schmerzlicher als der Tod." „Wer deutt deuu da gleich au dcn Tod! Leben Sie, haudelu Sie, zeigcu Sie Ihrer Auserwähllcu, daß Sie ihrer würdig sind, schlage» Sie Ihren Nebeubuhlcr aus dcm Felde! Besitzen Sie Mull,?" „Was diesen Punkt anbelangt, so rathe ich uiemandc», daran zn zwcifcln. O ich wcrdc dcn Mcnschcn, dcn Niederträchtigen erreichen uud ihn zermalmcu. —-" „Um dauu von dcr AnSrrlvählteu verachtet, verabscheut zu werde»! Dieser Wcg, mcin lieber Frcnnd, ist incht der richtige, anf dcm kommen Sie nicht znm Ziele. Durch List erreicht mau ! oft mehr, als durch gewaltsame Mittel. Darum mäßigcu Sie sich, übereilen Sie sich in keinem Fallc. .Geduld bringt Nosru,' sagt ein altes schr wahres Sprichwort, und es sollte mich wundern, wcnn Sie uicht rrnssircn. vorausgesetzt, daß dcr Gegenstand Ihrer Liebe seine Gcsinnuug ändert. Dazu will ich Ihnen aus alter Freundschaft behilflich sciu. Um jedoch das sein zu künueu, beliebe» Sie mir dcu Sachvcrhalt getreulich mitzutheilen, wcuu Sie mir nämlich trauen." „Das musi ich ja, dcuu dcr Sinkende klammert sich auch an eine» Strohhalm an." „So weit wird e« hoffentlich uicht sein! Kcnncu Sie Ihre» Ncbcnbuhlcr? „Ja uud uciu ! Eocbe» sah ich ihu, erinnere mich indeß nicht, ih» je schon bcmcrlt z» haben, obwohl ich iu Laibach seit vieleu Iahrcu fast Icdcrmauu kenne." „Also ist's ciu Fremder! Dcr Kuateu wird lockerer. Duch fahre» Sie fort!"

Beide drilclten sich noch mehr in die Eckc und Albert begann sein heutiges Nbcntrnrr in der Stcrnnllce zu erzählen. Drr Hidalgo hörte gespannt zn, ohne ihn zu unterbrechen. Vci der Schilderung deS Recontrrs mit dem Fremden konnte er sich eines Lächelns nicht erwehren, den drr grotesk? Anfall erschien ihm geradezu possierlich. „Was bezweckten Sie denn mit dcr groben Beleidigung?" „Ich wollte ihn zn einer Herausforderung zwingen." „Rauflustiger, muthigcr Ritlcrsmann ! Vebculen Sic indeß, daß die idyllischen Zeiten dcö Faustrcchtcs vorüber sind und daß mau derlei Heldenthaten sogar gesetzlich bestraft; und Sie haben bann nicht einmal im Interesse Ihrer Sache gehandelt. Ucbrigcns verräth Ihre Wahl viel Geschmack. Nmalie ist ein liebenswürdiges und, was bic Hauptsache ist, ein reiches Fräulein und Sie würden mit ihr leine schlechte Acquisition machen. Leider dllrftc der alte Vater, dcr behäbige Rentier, gegen Ihre Persönlichkeit vielleicht nicht«, wohl aber gegeil Ih r keineswegs riesiges Vermögen mehr einzuwenden haben, denn Sie sind, ohne daß ich Sie beleidigen wollte, eben lnn Crösus. Den alte» Vären wil l ich in die Kur nehmen, ich darf mir nämlich schmcichclu, einer seiner ersten Freunde und Erplilntorcn der nmesien Fakta anf dcm politischen Fcldc zn scin, nnd lann ihm alles weiß machen, denn cr besitzt neben andern schätzen«werthen Eigenschaften anch eine bcdcntcnde Dosis — Leichtgläubigkeit." „Ih r Wille ist lobenswcrth, obschon er, wie ich zn fitrchtm Grund habc, nic zur That wird. Die Pornrthcilc der Vätcr wurzeln lief nnd sind nicht so leicht zn besiegen. Filr mich ist, ich ahne es, der Lcbenöstern bereits untergegangen." «Doch nur, um schöner als je aufzugehen. So ist der Weltlauf! — Hat doch in dcr Fabel cin winziges Manschen cincn Löwen befreit, e« wird anch gerade leine Hcrlnlcöarbcit fein, den alten Rentier umzustimmen. Unterdessen läßt sich vielleicht über dcs Fremden Charakter nnd Absichten Nähercö erforschen. Hier mciuc Hand! Ich will mich Ihrer Sache so warm annehmen, als es bic Umstände nnd meine Ueberrednngsgabe gestatten." Albert drückte dankbar die Hand seines bereitwilligen und dienstfertigen Freundes nnd versprach, ihn anf einem bestimmten Platze aufsuchen zu wollen. „Si r lrefsen mich täglich," sprach dieser, „beinahe zu jeder Stunde entweder hier oder in der Stcrnallce.-Mö Nächstens Höfte ich Ihnen gute Nachrichten zn bringen." „Morgen a!so um die neunte Stunde in dcr Sternallce!" Nach diesen Worten verließ Albert das Caf6 in etwaö besserer Stimmung, als cr es betreten. Dcr Regen hatte unterdessen ans» gchiirt; schon blickten einzelne Sterne durch das zerrissene Gewölk auf daö Kothmeer, durch welches sich Albert mit Hllfc dcr Gassi lichter einen Weg bahnte. Anf unsern Chevalier ii.ii' ex«oIiV>m:») hatte da« cbcn Gehürte zwar leincn so großcn Eindruck gemacht, als eö Albert vermuthete. Dergleichen lommt im Lcbcn hänsig vor, wenn auch das Betragen Alberts drastisch genug war, um vielleicht ehcr vcrcinzclt zn er» scheinen^ "'.deß brachte dic Affaire doch cinigc Abwechselung in das «nissige Lcbcn dc« Poctcn und gewann durch cincn Fremden noch mehr Intcrcssc. Er beschloß also, sich der Sache anzunehmen, besonders weil cr Albert als cinen strebsamen jungen Mann kannte, der in Liebcsintrigucn noch ciu Neuling nnd dcm cs mit seiner Liebe ernst war. Zudem stand cr auf dem Punkte, einc bcdentendc Anstellung zn erlangen, wrlchc ihn immerhin zu eiucr wenigsten« annehmbaren Partie machte. Amalicn gönnte dcr Poct das Glück volllommcu, das sie snncr Ucbcrzcngnng nach an Albcriö Seite uicl chcr findcn mnßle, als an dcr Scite eines Fremden, den hicr ja uicmand lanntc. Zuerst beschloß cr, Amalims Vatcr aufznsnchcn, um einer^ seitS in Erfahrung zn bringen, ob und inwicfernc derselbe mit dcm Verhältnisse seiner Tochter zu dem Fremden vertraut sei und ob cr dasselbe billige; andererseits wollte er bezüglich seincs FrcuN< dcö leise ans den Vnsch klopfen, nm den alten Herrn wo möglich umzustimmen. Znm leichteren Verständniss.,' des Folgenden sei hicr bcmcl'lt, daß dcr Poet trotz seiner nnschcinbarcn Figur dennoch weit ausgebreitete Conaissancen mit Jung und Alt ans allen Ständen hatte, wie denn dergleichen „Gcmcö" fast in jeden Zirkel Zutritt haben, nm darin entweder Spaß zu treiben oder Gegenstand des Spaßes zn sein. Der gcmiithlichc Rentier saß, wie allabendlich, im Kre>>' einiger Gesinnungsgenossen, „halbirte" und „sciteltc," politisirte nnd verspeiste dcr lcichtcrm Verdauung dcs Gehörten wegen se^ Mbernrö mit gutem Appetit und zn besierom Gcdcihcn sci"^ werthen Ichs, als dcr Poct eintrat. Sofort erhob sich dcs Rentiers respektable Gestalt und rief, dcm Eingetretenen seme ficischigc Ha"b entgegenstreckend: „He da, Cicerone! Wo stecken Sie den ganzm langen Abend? Ich nnd meine werthen Frcnndc hicr mühen uns bcreitS cimge Stnndcn mic dcr C'nträthselnng dcr ncncstc »politischen Leitartikel ab, dcnn c« wimmelt darin förmlich von französischen und chinesisch^ Ausdrücken, dic selbst unserm Mentor, dem Wirth, unverständig erscheinen. Doch vorher cinc Stärkung für den Leib, bevor der Gcist thätig wird; dirscr Ansicht bin »ch immer trcn gcblicb"' von Ingcnd an, und Sie sehcn, daß Sic sich durchaus r.i ) schlecht bewährt hat. Nani, mcin hübschcö Kind, dcm Hc"'» " » Halbe und was Ausgiebige« znm Essen!" „Auf Ehrc," lachte der Poct, sich an der Seite smieS M« zcna niederlassend, „Sic trcffen cs nicht schlecht, Sie wissen d« wuudcn Fleck zn finden." „Ho, hol Es ist dicö mcin Stolz gerade nicht, denn ^ jnngm und alten Literatcn habt ja fast immcr zwar schr viel ' Gehirn, aber wenig im Magen. Bei uns ist dies umgekehrt Fall uud trotzdem befinden wir uns dabei recht wohl." (Fortsetzung folgt.)

(Fortsetznng.) Die zuletzt ausgesprochene Vchanptnng ließ sich thatsächlich ^")l anfechten; dcr Port sah dnS anch ein und war zu klug, cinrn . ^crspruch zu wagen. Nachdem cr sich das lion der ftiutcu clllieriu Gebrachte zn großer Freude seines Mäzens recht gilt l, ^ schmecken lassen, mußte er all' seinen Scharfsinn aufbieten, ^ Wisch^^'t»,. sämmtlicher Vürger zn befriedigen, da die letztc- ^ sowohl über den Staud dcr Dinge am politischen Horizont, auch iib^. sonstige Tagesereignisse aufgeklärt sein wollten. Zum . Arn Arr M sämmtlicher Geuossen der Tafelrunde gebrauchte er lik^ lMIe eine lakonische Kürze; seine Antworten klangen öfters . )sl orakelhaft, was die genannten Genosse» auf die Vcrmiilhnng Lcsd^' ^ l " '^'" ^'" 6 Unangenehme« Passirl, da er sonst so U»d ^ !^"cseu. Deshalb leerte uach und nach jeder sein Glas > rmfonttc sich, so daß nach einer Weile nur noch dcr alte r'seinen Knaster rauchend, da saß. H Diesen Zeitpunkt hatte der Poet abgewartet. Er wußlc ein h, kl, ftluen Mann festzuhalten, um iiber das bewußte Thema Nan,, ^"I)" l zn lounen. Sich eine Zigarre anbrennend belc„ "7 ^ ehrsamen Bürger wollen ihre gntcn Frauen nicht lräubttlliss, ^"^ " ^ " fnlhzcilig den Heimweg. Fast wärc man ")l, ihr Beispiel nachzuahmen." „Wer? was? Mögen die Siebenschläfer nur gehen; ich habe nichts zu versäumen nnd werde auch von keiner Frau mehr lommandirt, seit meine Selige ruhig entschlafen." „Sehr wahr! Indeß, wenn man ein so liebenswürdige« Fräulein zur Tochter hat - " „So! Also finden Sie meine Tochter liebenswürdig! Doch," fügte er lachend bei, „das nützt Ihnen wenig, lieber Frcnnd, denn obschon ich Sie vielen andern vorziehe und auch gegen Ihre Person dnrchans nichts einzuwenden habe, so machen Sie sich trotzdem keine Hoffnung, je mein Schwiegersohn zu werden!" „Gott bewahre!" lachte der Poet, „von mir ist,anch nicht die Rede, ich bin zn bescheiden, nm so vermessen zn sein. Auch werden Sie silr Ihr Töchterchen wohl schou eine passend- Partie anSgrsncht haben." „Damit hals gute Wege! Das Mädel ist jung und lanu warten. Oder wollen Sie mir vielleicht einen Schwiegersohn oltroyircn?" „Hoho! Ich wüßte zwar mehrere, bin jedoch wcit entfernt, des Fräuleins Geschmack bestimmen zn wollen, das vielleicht schon gewählt hat." „Wurde cs ihr nicht aurathen! Und wüßte ich, das, sie hinter meinem Rücken irgend ein Verhältniß angctuüpft hätte, augenblicklich müßte sie cs löscn, oder ich zöge mit ihr von danncn." „Daö letztere werden Sie wohl nicht thnu, ohne mich in die größte Verzweiflung zn bringen, denn wo fände ich einen so m'e< dern Charakter, wie Sie cs sind?" ! „Iungcr Mann," lächelte dcr Alle geschmeichelt nnd mit dem Finger drohend, „Sie zeigen alle Anlagen zu einem Diplomaten, ^Sie lügen cincm glcich ins Gesicht. Fürchtcn Sie nicht, cS wird nicht so weit kommen, mein Töchtcrchcn kennt meinen Willen nnd !jeder Ungehorsam liegt ihmn kindlichen Gemüthe fcrne." Der Poet war ilberzcngt, daß der Vlte von dem jüngsten Verhältnisse seiner Tochter, wenn ein solches wirklich bestand, nicht ein Iota wußte. So wcit war alles gut. Nuu galt c«, daS Wasser auf die Mühle seines Freunde« zu leiten. Die alle Festuug ließ sich uicht im Stnrmc nehmen, sondern er mnszte durch Scheinangriffe die Aufmerksamkeit des Feindes von dem eigentlichen Angriffspnnktc ablenken, um sciucu Feldzugsplan nicht zn verrathen. „Apropos!" begauu er nnd that cincn langen Zng ans dem !von Ncnem gefüllten Glase. „Haben Sie von der bevorstehenden Äcfördrrnng einiger Beamten vernommen? Dadnrch entstehen natürlich bücken nach Unten, welche mit Anfängern ausgefüllt werden müssen, Zic dieser Anstellung gelangt unter andern jun« gen Renten auch Albert, ein sehr brauchbarer Kopf, dcr eine große Zukunft vor sich hat." „Vorausgesetzt, das; er lange gcnng lebt. Nach seinen jetzigen Verhältnissen hat er jedoch verzweifelt wenig Aussicht dazu." „Cr ist geschickt nnd hat sciuc Studien mit vorzüglichen« Erfolge beendet." „Und was ist das Ende vom Lieb?" „Das ist noch nicht vorauszusehen; er steht erst an dcr Schwelle sciucs Lebcuöberufes. Dem Fleißigen steht die Welt offen." „Iungcr Mann, Sie befinden sich in einem großen Irrthume! Die heutige Welt liebt daö Matcricllc; Gcld ist alles , Geld kann nllcS. Merken Sie sich das, junger Mann, nnd wenn Sie noch ferner mein Frcnnd sein wollen, crwähucn Sie ja nicht mehr des langen Laffen, dcr, ich wciß cS gnt, auf mciuc Tochtrr svekulirt. Dergleichen Gedaulen soll er fahren lassen, er bekommt Sie nicht, so lange er nichts Reelleres hat, als eine Austellnng von ciu paar hundert Gulden. Dabei bleibts, Pnultnm! Kellnerin, Men! " Dcr Alte war offenbar mürrisch gewordc», cs ließ sich mit ihm nicht mehr reden; wollte dcr Poet dcsscn Freundschaft nicht

embüßeu, so durste cr leim Gegenrede wagen, die außerdem noch 5 fruchtlos gelllieben wäre. Er halte sich scine Aufgabe nicht so schwer vorgestellt, er war ans fast unüberwindliche Hindernisse gestoßen. ^ Der Rentier hatte unterdessen nach Slocl und Hut gegriffen und schritt dcr Thilrc zu; dcr Poet folgte ihm auf die Gasse und schritt seiner Wohnung zu mit dcm wenig trostlichen Bewußtsein, sllr seinen Freund nicht viel gethan zu haben. Er konnte ihm nur die nicht unerfreuliche Nachricht bringen, baß der Rentier da« Verhältniß seiner Tochter zn dcm Fremden nicht billigen wllrde. ! tzilr einen Verzweifelnden wie Albert war die« indeß ein bedcu« tender Rettungsanker. I n Nachdenken versunken erreichte er scine Wohnung, als eben der Laternenmann die meislen Gaslampen auslöschte. Somit bedeckte ^ bm größten Theil der Stadt dichte Finsterniß.

Fünftes Kapitel. Eine Entdeckung.Uredi

Es gibt im Leben Augenblicke, w° dcr Mensch nicht die min- ^ beste Idcc hat, waö er mit sich selbst anfangen sollte, Augenblicke, wo die Stunden trotz dcr lnrzen Zeit, die dem Lcbcn bestimmt ist, langsam nnd trage ihren Schucclcngang nehmen. Derlei Augen: blicke sind nicht blos ein Prodult der durch die Einsamkeit her- ! vorgerufenen Langeweile — denn diese ist auck> in Gesellschaften, Soireen, Theatern ll. s. w. anzutreffen — sondern sie sind gewöhnlich auch bedingt durch den Charakter solcher Menschen, denen, wegcu GcistcSarmutl, die Gabe fehlt, sich durch Nachdenken und Bcobachtm, kurz durch Geistcöthatigleit diese« lästige, bleiche Ge« spenst vom Leibe zu halten. Wird man mir deshalb Kühnheit vor» werfen, wenn ich die Behauptung aufstelle, daß Langeweile auf wenig Geist schließen läßt? I n einer dem cbeu beschriebenen Zustände ähnlichen Sitnation' treffen wir an einem dcr darauf folgenden Tage nnscrn ncncn Micthsmann. Uebcr einige Sessel hingestreckt sicht er dcn zum Plafond hinauswirbclnden Rauchwolken einer bedeutend kurz gewordenen Kuba nach, die ihm vor geraumer Zcit dc^ Gar^on dcS Caf6 National dienstfertig und lunstgcrecht in Vrand gesteckt, fllr welche Uravour cr ein angemessene« Douceur in dcr unergründlichen Tiefe dcr Tasche seiucö Paulalon« hatte verschwinden lassen. Doch in dcn Rauchwolken einer Zigarre licgt uicht filr Jedermann Poesie; unser junge Mauu schien dicS zn filhlen, er stand verdrießlich auf nud maß mit großen Schritten sein Appartement. Plötzlich blicb er stehen nnd schlug sich mit dcr Faust vor die Stirne. „Ich Dummkopf! Ich langweile mich da, und unter mir wohnt eine junge Frau, zu dieser Sluudc gewiß allein. Sie ist allerliebst, und junge Frauen sind nicht immer so spröde, als junge Mädchen. Ein Scheinangriff, um die schwächste Seite zn erfahren, dann eine kühne Attaque, und der Sieg ist gewiß. Darum vonviirt«, ehe dcr Mann heimkommt!" Dcr junge Mann wußtc wohl, daß dic Frauen sehr viel anf daS Acuszrro haltcu und ciuc Nachlässigkeit in dieser Hinsicht uicht gcrue vcrzcihcn, Er machte daher sorgfältig Toilcttc uud sticg die Trcppc z.im ersten Stocke hinab. Die Thüre war versperrt, cin Glockcuzug zcigtc dcn Weg. Er läntclc. Ein lange«, hageres Gesicht zeigtc sich in dcr Thüre, und dcr junge Manu konnte cin passendes Piedcstal zu dicscm Gcsichtc schcn. . ^ „Was wliuscht der Herr?" fragte die Person, halb mißtrauisch, halb freuudlich. „Kaun ich mit der Herrschaft sprechen?" „Nein, dcr Herr ist abwesend!" „Und dic Frau?" „Die gnädig e Frau ist zn Hanse!" rief die Magd »' ctwaö gcrciztcm Tonc, daS Wort „gnädige" schr bctoncnd. „Dann ist, cö noch bcsscr! DaS, waö ich zn sagen habe, kann ich ihr ohnehin nnr unter uicr Augcu sagen." Hicnlit wollte cr ohne weiteres dcr Zimmcrthüre zuschreite", dic Magd vertrat ihm indcß dcu Wcg. „Nicht so, Hcrr! Ich muß Sie doch vorhcr aumcldcn!" „Nicht nöthig! da ist mcinc Lcgitimation !" Bci diescn Wol" ten brücktc cr dcm weiblichen Zerberus ciu Silberstitck iu dic Hand^ Die Dienerin bcsah c«; cS fuulcltc so scholl, rinem solchm Zauli^' kann nicht lcicht cin Domcstikcnhcrz widerstehen, Zndem koiw ein Hcrr, der solche Geldstücke bcsaß, nnmöglich Vöscs im Sch'l^ führen. Sie trat also mit eincm ticscn Kuix bci Seitc, dcm 2," snche dcn Eingang offen lassend. Dieser Pochte. „Herein!" ricf cine melodiöse Stimme." . Als dcr Fremde eintrat, lcgte Fanny ein Buch ans °e Hand, in dem sic bicher cifrig gclcscn, dann crhob sie ^ " ° ihrem Sitze. Sie war einfach, aber gcschmackuoll gctlcidct; dm Tracht hob ihre natürlichen Reize noch mchr hervor. Sobald I dcn jungcu Mann erblickte, schreckte sic lcicht zusammcn, d" " ' erkannte ihren Verfolger von der Slraßc. Dieser jedoch that, ^ ob er nicht« mcrttc, und bcgann mit chrfurchtöuallcr SM" " ' „Entschuldigen Sie, ucrchningiiwürdigc Damc, mciuc K't) hcit. so ohnc alle Nmständc zn Ihncn zu dringen. Allcm cs ^ dics dcr cinzigc Wcg, mich mcincr licbcuM'üroigm Nachva vorzustellen, denn ich bin hier gänzlich frciud und cS würde »" uucndlich glücklich machcu, einiger Beachtung von Seite "» " liebenswürdigen Dame gewürdigt zu werden, deren Nachbar seit kurzer Zcit zu sein die Ehre habe." (Fortsetzung folgt.)

(Fortsetzung.) . Fanny war jnng nnd unerfahren nnd ließ sich deshalb leicht .^ch day Ae»f;crc und die Form bestechen. Dieser junge Mann, ^ s° rhrcrbielia,, beinahe schlichtem sprach, tonnte nnmiiglich ./Absichln haben. Doch nahm sie sich noch vor, liorsichtig '" sein. tz "I n der That, mein Herr," begann sie mit etwas nusicherer H "U„e, ..Sie haben cMrn unpassenden Moment gewählt. Mein ^ " l ist uicht zn Hause und — Sic verstehen." ^ "Ach ja, der Anstand! der leidige Anstand! Welche Opfer ll'iK " °fl dieses von den Menschen selbst eingchlhrtc, durch ^ llcnchlfertl'gtc Gesetz der noblen Welt! Indes; anch ich mnß schm '^'" " ^s ^ sligen, so schwer cö mir ankommt. Entih "gen Sie nochmals die Ihnen verursachte Störung, denu ^lle lcinc Kcuntnis! von der Abwesenheit deö Herrn Gcmal?." befa ^"" ^ "ollte cr dcn NilckU'e« antrclcil. Die junge Frau le>n^ slch in einer peinlichen Lage. Er sprach so anstaudöuoll, '»it k ^"" " z>'igte d^u gröhlen Nespecl, nnd die Vcreilwilligleit, sis, ^ kr, obgleich sichtlich ungern, sich entfernen wollte, ver- '")le vollends allen Verdacht.' Zudem war der Zweck scineö Vrsncheö offenbar der, ihr seine Vcrehrnnn, zu bezeigen, nnd welche^ Fran will nicht bewnndcrt werden? Deshalb rief sie: „Mein Mann wird sich gewiß freuen, Ihre ^ Vclanutschast zn machen, znmal da Tic Ihrer Mittheilung nach ^ in diesem Hause logircn." „Ich darf also hoffen? O dann bin ich der Glilcklichslc der Sterblichen, wenn die Perle ihrcö Geschlechtes mir die Erfüllung mciueö sehnlichsten WnnscheS in Auöstcht stellt." ^ „Mein Herr!" sprach Fanny etwa? verwirrt, „Sie scheinen zu vergessen, daß ich eiuc Frau und dazu ganz allein bin, uud Sie entfernen sich noch nicht!" ^ „Vergönnen Sie mir, den schönsten der Augenblicke ctwas ,;u verlängern. Ein Dichter schwärmt gar so gerne für alles wahrhaft Gute und Schöne uud verherrlicht cö. Uud wer würde sich das verbieten wollen, verbieten können?!" „Ein Dichter find Sie?" nahm Fanny eilig das Wort. „Eiu erhabener Beruf! Wic herrlich muß es sein, in Sonetten besnn« gen, dürch unsterbliche Werte verewigt zu werden!" ^ Der Fremde, der sich Mühe gegeben, Fanuy'6 schwache Seite kennen zn lernen, jnbcltc im Stillen über seinen guten Eiufall. Fanny hatte mit vielen jungen Fraum nnd Mädchen den llcincu Fehler, ruhmsüchtig zn sein uud bewundert werden zn wollen. Der lühnc Eindringling hielt also den Sieg für gewiß, uud damit sein Aenehmen nicht allzu früh Verdacht errege, schien cS ihm am tlügstcn, dcn Niickzng anzutrctcu. Sich mit arößtcm Auslande verbeugend sprach cr: „Vcrgcbuug Madame, wenn ich Ihre Geduld allzusehr in Ausprnch nahm. Vergönnen Sie mir also, in Anwesenheit ihre« Herrn Gemals meinen hentigcn unpassenden Besuch zn geeigneterer Zeit wiederhole» zu bürfeu, so werde ich dicö um so mehr zu würdigen wissen, als ich hier gänzlich fremd und noch in leinem hänslichen Kreise eingeführt bin." Die jungc Frau wußte darauf nichts zu erwidern als.- „Mein Mann kommt Abends um 6 Uhr heim!" Dies genügte dem Fremden; cr entfernte sich nach einer nochmaligen Entschuldigung mit eiucm Complimcnte nnd lächelte selbstzufrieden, als cr dic Treppe zu seiner Wohnung hinaufstieg. Dort angelangt, schrieb cr mit großem Gedanlenauswandc einen Aussatz, deu cr danu sehr sorgfältig auf cin zierliches Papier copirte. Dm Inhalt diese« Billets werden die geehrten Leser wohl errathen; cs war ein Ultimatum rines anscheinend verzweifelnden Liebenden, der nicht mehr lcbcu lann und will, wenn nicht sein sehnlichstes Verlangen nach einem Rendezvous erfüllt wird. Nach« dem cr dasselbe sorgfältig dnrchgclcscn und versiegelt hatte, steckte er cS mit lrinmphircndcr Micnc zu sich. „Ich hätte mir, anf Ehre, uicht so viel Fähigkeit zur Heuchelei zugetraut! Wcun das Mädchcu dieses Geseufze liest, so mnß sie gerührt werden, wenn sie uur ein Füulchcu jenes zarten Gefühls besitzt, das andern Frauen eigen. Trügen übrigens die bisherigen Anzeichen nicht, so habe ich bereit« ciuen bedeutenden Stem im Brette." Nach diesem salbmWrcichtu Monologe verließ er seine Woh« nung und begab sich nach seinem „Comptoir" in der engen Gasse, um durch sein Factotum das Villct bestellen zu lassen. Während des etwa viertelstündigen Ganges gab cr sich die größte Mühe, unbefangen zu scheinen, ja schäkerte sogar mit einer hübschen 2igarremnamscll, ohne zu bemerken, daß soeben zwei junge Leute, in denen wir Albert und unser Genie von gestern erkennen, an ihm vorübergingen. Zufällig kehrte sich der erstere um, und es fehlte nicht

wenig, daß er laut aufschrie. Semem Begleiter war dic Vcwcg.mg nicht entgangen. „Was haben Sie denn?" ricf cr dem Stchcngcblicbenm zu. „Sehen Sie ihu nicht? Es ist mein Nebenbuhler!" erwiderte Albert mit gepreßter Stimme, dein davou Eilmdcu uachschcud. „Icucr Herr dort? Adieu, Freund, wir seheu unö hmte noch." M i t dieseu Worteu eilte er jcncm uach, während Albert rrstauut ihm uachblicktc, bis er ihu sauunt seiucm Feiude aus dem Gesichte verlor. Es schim, alö hätte der Fremde rmc Ahnuug davou, dnß er verfolgt werde, denu cr beschleunigte seine Schritte, halblaut vor sich hiumurmelud: „Ich weiß eigcutlich nicht recht, 'was jener laüsse Lasse uou ,mr wollte! Er scheint verrückt oder eifersüchtig zu seiu. I n feinem Falle lann cr mir gefährlich seiu, sollte er auch vou meiurm Vcrhältuissc eiue Keuutniß haben. Die« ist jcdoch lau», cmzumhmeu, wenn nicht etwa mein Mercurinö geplaudert hat. Ueber deu lctztercu Fall werde ich baldigst im Klaren sein." Vor dem Hause m dcr eugeu Gasse augelangt, recoguoscirtc ev die Gegend, da ihu iudeß uiemaud zu beachte» schien, so stieg er die eugc Treppe hiuauf und war uicht wenig erstaunt, deu Ecudbotcn sciucr bereits harrend auzutrcft'cu. Dieser lächelte verschmitzt. „Wic c« schciut, gnädiger Herr, habcu Sie die Wohuuug veräudcrt, um riner gewissen Persou uaher zu seiu. Nuu ist cS zwar meine Sache uicht, mich um Ihre Passioueu zu lümmcru, allciu cö wä« mir doch recht erwünscht, Ihrc Wohnung zn wissen, damit ich Sie in briugcudcu Fällcu zu jeder Stilude aufsuchen lllim." „Glaubt Ih r denn wirklich," sprach dcr audcrc, nachdem beide eingetreten warcu, „daß ich mit diesem cleudcu Loche uorlicb uehmcu iverdc? Behielt ich Euch die Kenntniß meines Logis vor, so geschah dies aus triftigen Gründen, die Ih r aber incht zu wisscu braucht. Seid Ih r mciu Botschafter, so seid Ih r uuch lauge uicht ^ mciu Vertrauter iu jeder Beziehung." ! „Möglich! I n der Voraussetzung, daß Sie diese Wohnung nicht mehr beniitzen werden, habe ich selbe socbcu anderweitig vcrmiethet nnd werde so frei sein, um deu Schlüssel zu ersuchen." „W>c? bezahle ich Euch uicht glänzend?" „Nicht so sehr, als Sie vielleicht zu glaubcu gmeigt sind. Ich besitze Scharfsinn gcuug, um die Wichtigkeit der gclc,steten Dienste vollkommen einzusehen. Bedenken Sie, das Fräulein ist schr reich!" Bei diesen Worten steckte, dcr Rothe bcidc Häudc in dic Tass/c< sciucr start abgeschossenen Veintlcidcr und sah fciueu Manu pfiffig griuscud au. Dieser crlauutc, daß dcr Rothe seine Pläne so ziemlich durchschaue. Diese Wahruehmuug war ihm äußerst unangenehm , cr beschloß sich scincr auf eiuc gutc Art zn entledigen, dcnu geradezu fortjagen loniitc cr ihu nicht, ohne zu ristircn, daß durch dessen Verrath seiu Plan gerade vor der Ausführung scheitere. Vorläufig mußte cr sich also auf alle uoch so übertriebenen For« dcrungeu sciucö Pagcu gefaßt machcu, wobei ihm uur die stctS mehr, schwindende Cassc ciuen fatalcn Streich spielen louute. „Nuu gut!" sprach cr dauu möglichst glcichgiltig. „Verfüget mit diesem Luftloche hicr nach Belieben, ich bedarf dcsscu uicht mehr. Doch besorgt dicscu Brief heute uoch; hier ciuc Klciuiglcit für dcu Votengang. Bringt Ih r ciuc gute Autwort, so wird'S Eucr Schade uicht scin." M i t dieseu Worten übcrrcichlc er ihm sammt dem Villele ciu Silberstück, welches dcr Rothe bcsah und ruhig in die Tasche schob. „Gut ! Wo treffe ich Sie?" „Heute Abends in der Sternallcc iu dein dunkclsteu Bau« gauge. Gehet, ich folge Euch iu Kürze." Der Rothe ging. Beim Austrcteu auS dcr Gasse besah ^ uochmalö die Adresse des zierlichen Billets nud steckte cS dann i>l die Vrusttasche seiuls schmutzigen Rockes, ohne den Poeten zu be" achte», dcr ihn seinerseits aufmerlsam beobachtete. Durch eiuc cigc»^ thiimliche Eombinatio» war dieser »ä»Uich anf deu Verdacht g^ rathe», daß zwischen dem zweifelhaften Iudwidnum uud dem F"' ^ dcu irgend ciuc Beziehung obwalte. Bestätigte sich dcr Vcrdach? ^ so war es zugleich crwiescu, daß der fragliche Fremde nichts Oute im Schilde führe, weil dcr Rolhc als ciu berüchtigtcs Subj ^ bclauut war, das sich uur zu schlechlcu Slrcichcu vcrweudcu llci>^ ^ Hatte dcr Poet bisher uur sciucm Frcuudc durch Eutdeckung d^ , Pläuc sciueö Nebenbuhlers dieueu wolleu, so fühlte er sich l ^ ^doppelt verpflichtet, iu das Dunkel Licht zu briugeu, weil cr l möglicher Wcisc cinc böse That vereiteln lountc. Er folgte a-! dem Rothen, dcr scinc Richtung gegcn Ailialicns Wohnung ua) uud, wic dcr crstcrc vermuthet halte, im Hauslhorc vcrschw"" ^ Nuu war cr sciucr gewiß; um jcdoch gauz sicher zu gel>'», '"" tcte cr dic Nücktchr dcs Nothcu ab, dcr sich iu dcr That s")^ ließ uud zufrieden lächelnd scincr Wcge ging. Diesem Umst"'^ uach zu nrthcilcu tonnte derselbe nicht Ordre haben, stiucu P^ tegö jctzt scholl aufzusuchcu, weshalb dcr Poet sich "'^ 6 ^" ferule, um womöglich fciucu Freund auszusuchcu und ihm s" ^ gemachte Entdeckuug mitzutheilen und die gceiguctstcu Maß"3 zu berathen. (Fortsetzung folgt.)

Sechstes Kapitel. Folgen eines verlorenen Billets.Uredi

Es ist Nacht. Die Gasflammen erhellen dicSlcrnallcc, welche "°H von einzelnen Promcnirendcn belebt ist, während anf dcr ^'blichm Seite ein Schwärm Studenten leichteren Kalibers am "Zünder lehnend einen spatzcnartigen Lärm verursacht. Dicscö Mge Völkchen »st trotz mancher ernsten Situation fröhlich nnd ^ sciucr jetzt entfesselten Laune im Bewnßlsein der Sicherheit "lch lantcö Geplander nnd fast anögrlassencö Lachen i,'nst nnd !^'cht dazn die traditionelle lange Pfeife „feinsten Knasters," oder ^!">l dic Finanzuerhältnisse einen Lnxnö gestatten, die beliebte ^giülcr. Wärmn anch nicht? Bei Tage ist daS Ranchen durch ,'° Hesctzc streng verpönt, und bei dcr Nacht — min, da wird ^ """ nicht gesehen. h.Da « O'mtrnm dcö harmlosen Hanfcnö scheint dcr Poet des w^' s zu bilden, denn seine Causcrien erregen viel Heiterkeit, ^lich ist cr still geworden, er spähet unverwandt nach der ent« ^"gesetzten Seite nnd rennt riligen Schrittes ohne Grnß dauon. ,, °lort slight anch der Stnoentenclubb auseinander nnd cö tritt ^ Btillc ein. h» ,^cdcrlt dnrch den Schallen lehnt an dem Stamme einer riii"? "'"-' ^^"lt , welche jetzt hervortretend einem Voriibcrgchendcn ^lllct überreicht. Das bclvasfnctc Auge dcö Poeten crlennt in den- beiden Nachtwandlern dcu Fremden nnd semen Pagen. Der erstere nähert sich dem Lichte einer Gaölampc nnd liest da«? erhaltene Billet; der Späher läßt ihn nicht ans den Angen. Nach einer Weile steckt der Fremde sichtlich zufrieden das Billet in sein Portemonnaie und entfernt sich, gefolgt von dem Poeten; er geht durch viele Gassen; endlich betrit er ein Caf<-. Unschlüssig bleibt dcr Poet stehen, doch entschlieft er sich, einzntrclen, denn dcr Fremde tennt ihn ja nicht. Dcr Fragliche stand bei einem der hintersten Tische, um welchen eine ansehnliche Menge Äcsnchcr gruppirt war. Vei dcr Annähcrnng erkannte er, daß ein Hazardsviel solche Theilnahme erregte. Ein jnnger Mann schien besonders anfgcregt, ein Zeichen, daß er unglücklich spielte. Der Fremdc halte sich zn ihm gesetzt, ohne anfangs an dem Spiele Theil zn nehmen; als jedoch sein Nachbar fortwährend verlor nnd znlctzt vergeblich nach einer Banknote in seinem Portemonnaie suchte, mnntcrte ihn dcr Fremde anf, weiter zn spielen und steckte ihm heimlich eine Banknote zn, welche der andere zögernd annahm. Bei diesem Manöver entfiel dem ersteren ein Papier, welche« dcr Poet als das eben knrz vorher crhalicnc Billet agnoScirte. Blitzschnell trat er mit einem Fnßc daranf nnd hob cö in einem unbeachteten Momente auf. Die Anfmcrlsamkrit sämmtlicher Spieler war auf den jungen Mann gerichtet, dem sich nnn daS Gliict ebenso hold zeigte, als cö ihm ' vorher feindlich gewesen war. Deshalb kümmerte sich anch nm dcu Poeten niemand weiter nnb so konnte er seine Wißbegierde bezüglich des Inhaltes deö Briefes ungestört befriedigen. I n jedem ! andern Falle würde er ein derartiges Schriftstück nnbcdingt, ohne !sich um den Inhalt zn kümmern, zurückgestellt habeu; hier jedoch trug er keiu Vcdenlen, dasselbe zn behalten, weil er dem Betrüge — ein solcher war ja seiner Ueberzeugung nach vorhanden — anf die Spnr kommen konnte. Er zog sich also in cinc Seitcnabthcilnng, die mit ÄnSuahme zweier eifrig lesender Herren von niemanden besetzt war, zurück. Da er unbeachtet zn sein annehmen mnßte, so entfaltete er den Brief nnd las. Wir wollen den Wortlaut desselben nicht wieder« geben; cü genügt, zn erfahren, daß Amalic durch die süßen Worte des an sie gerichteten Billets geblendet, zwar sehr viel von dcr Fnrcht vor der Strenge ihres Vaters sprach, endlich sich aber doch entschlossen zeigte, dem Adonis die so sehnlich begehrte Zusammcnknnfl in der Laube- ihreS HanSgartenS, jedoch im Beisein ihrer in daö Geheimniß eingeweihten Kammcrfran zn gewähren. Z u diesem Zwecke möge er am lonnncnden Tage nach Sonnennntcr« gang vor dcr Thüre dcS Gartens erscheinen, allnio ihn die bewnßte Zofe einlassen würde. Daö alles war für den Poeten genng. Damit der Fremde den Verlnst dcs AillrtS nicht gewahr werde und Verdacht schöpfe« könnte, beschloß er, dasselbe an jene Stelle zu werfen, wo er es gefnndcn. Da keine Adresse darauf stand, so konnte er zu seinem größten Leidwesen den Namen des Verlnstträgers nicht erfahren. I n einem Angenblickc also, wo die Aufmerksamkeit der Spieler durch eine Wcndnng des SpiclcS sehr gefesselt war, ließ er das Billet unter den Tisch gleiten nnd schob cs zn dem Fremden hin; hierauf klopfte er demselben auf die Schulter: «Mein Herr, geben Sie Acht, cs falle» Ihnen Banknote» zu Boden. Dcr Angeredete bückte sich und hob daö Papier auf. „Ich danke Ihnen für die Anfmcrlfamkeit! Eö ist zwar nnr ein Papier, hat aber für mich doch einigen Werth." M it diesen Worten fleckte er daS Billet in die Brieftasche, nicht ohne einen forschenden Seitenblick anf daö Gesicht nnscrcS Poeten zu werfen. Tiefes blieb unverändert, gab sich vielmehr Mühe, dnrch da? Spiel gefesselt zn scheinen, so daß der Fremde beruhigt den bereits anflennenden Verdacht nnterdriickte. Das Spicl dauerte indeß fort, nnd der Nachbar dcs Frem« den gewann bedeutend. Dcr letztere lriumphirle; sein Nebcnmanu war ihm nicht nnbelannt, cr hatte ihn bcrcitö im Casino-Garten und heule Abends

beim Ausgehen gescheit, luvz, eö war dcr Vianil Fanny's. Dadurch, daß er ihm unter dic Arme gegriffen, hatte cr sich dessen Erlennlc lichtcit erworben. Die Folge davon war, daß cr scincn Netter fllr dm folgenden Tag znm Diner einlud, cinc Einladung, die derselbe ans nnö bclannlen Gründen auch annahm nnd dabei bcwntc, daß sie ja WohnniilMachbarn seien. Der Poet hatte genug erfahren, um mit seiner heutigen Expedition mehr alü zufrieden scin zn lonnen. Ein längeres Vcrnieilen war zwecklos, deshalb entfernte er fich und schritt dcm <5af<5 Nationale zn. Dort saß Albert, wic allabendlich; seinen Bekannten entging dic Veränderung lemeswcgö, die scit einigen Tagen mit ihm uorgegangcn ; er, der immer gut gelaunt gewesen, dcr jeden In x mitgemacht, stetö seinen Platz am Billard ansgcfüllt hatte, saß nnn drillend iu riucr fiustcrn Ecke, uud weder Zurufe, noch Neckcreieu, an dcueu cs uicht schlle, vermochten ihn auS feiner Apathie zn wecken. Er war sehr wortkarg, sprach überhaupt uur daö Nothwendigste: uur mit dcm Poeten verkehrte er seit disser Zeit viel. Dieses Benehmen rief natürlich allerlei Vermuthungen wach. Man rielh hin und her: Einige mciutcn, cr habe im Spiele verloren, andere vermutheten, er sei verliebt, während einige Erceutrische sogar annahmen, das; er ein fürchterliches Geheimniß cutdeckt haben lullssc oder mit Selbstmordgedanken umgehe. Hcntc schien er mit großer Ungeduld seines Frcnndes zn harren; schon verzweifelte cr daran, ihn heute noch zu sehen uud wollte sich entfernen, als PlölM) die Thüre aufging, und dcr längst Erwartete eintrat. Der frühlichen Miene nach zn urtheilen, brachte cr gute Ncuiglcitm und Albert ging ihm mit pochendem Herzen entgegen. ^ „Endlich sind Sie da!" sprach cr, nachdem sich beide in dcr beliebten dunkeln Ecke niedergelassen. „Was f!ir Ncniglciten bringen Sie? Ich fürchte, leine gnten! „ J a nnd nein!" antwortete der Angeredete. „Ich bin auf cmcr Spur ; dcr Fmndc schmlt nicht rechtliche Absichten zil haben." ^ Hier wurde dcr Sprecher vom dieustbcflisscncn Marqncur nntcrbrochcn, welcher eine Gasflamme anzünden wollte. Albert wies ihn barsch ab nud der dienende Geist zog sich verblüfft zurück. „Das Schwierigste bci der ganzen Affaire," fuhr dcr Poet fort, „,st iudeß der äußerst unglückselige Znfall, das; der Heuchler — sür cincu solchen musz man ihn ja nelimcn — (Alanden gcfnndcn, denn das Mädchen nimmt seine ibersichcruugcn für bare Münze." „ O , dann darf ich leine Hoffnung mehr hegen", sprach Albert cntmnthigt und äußerst niedergeschlagen. „Verlieren Sie dcn Mnth nicht! D,c Frauen haben ein schr unbeständiges Gemüth; Sie müsscn alö Netter der Dame erscheinen. Um das thnn zn löunrn, brauchen wir Beweise, bloßen Worten glaubt daö Mädchen ohnehin nicht. Morgen nm die Abendstunde wil l ich Sie an einen Ort führen, wo Sie sich von der Wahrheit dcs eben Gehörten mit eigenen Angen überzeugen sollen. Sie sprachen noch mancherlei, doch verrieth der Poet von dcm Villete nichts, um den Frcnnd nicht noch mehr in Ansreguug zu bringen. Der lchtcre empfahl sich mit dem Versprechen, lommcndcr Tages in der Abenddämmerung zn erscheinen. Der Poet indeß fühlte noch leinen Drang in sich, dcn Heimweg anzutreten, sondern setzte sich au einen andern Tisch, um Journale ju lcscu. Bald jedoch wurdc seine Aufmerksamkeit vou der Lecture abgc, leult uud ciucm zwischen zwei Herren mit halblantcr Stimme gcsilhrtcu Gespräche zugewandt. Um die beiden in dem Wahne zn erhallen , als ob sie niemand höre, gab er sich dcn Anschein des eifrigsten Lesens, nnr neigte cr sich seitwärts, um lein Wort dcs iiittressantcn Dialoges zu verlieren, „Wie gesagt," fuhr ciuer der Sprecher, iu dcm wir jenen clegaut gekleideten Herrn erkennen, der anö dem Easinogartcn dcm Fremden gefolgt war, iu seiuer Erzählung fort, „ich glaube, mit Sicherheit annehmen zn lönncu, daß das fragliche Individuum mit dcm aus Vrcmm durchgegaugeucn Easscudiebc idcutisch sti." „Wie aber," erwiderte dcr andere, dessen Gesicht vott bess Poeten abgekehrt war, „erklären Sie sich seine AnwesenhrÜ '" dieser Stadt? Eö hieß ja allgemein, daß cr nach Amerika c»l' > flohen sei." „Dieses Gerücht hat cr selbst absichtlich aufgestreut, um o' Verfolger auf eine falsche Fährtc zu leiten. Ich ließ mich '" ^ dadurch uicht irre führen, sondern forschte nach allen Richtung" der Windrose. Und waö ich vermuthet hatte, war wirklich ^ Fall." „Sie fanden also seine Spur? " „Ja , obwohl sorgfältig verwischt. Er uinßlc wissen, die Eisenbahnen zwar dir schnellsten, aber für Lentc seines Sch "^ ges zugleich auch die uusichcrstcu Eommnnicationswege seien, u kanftc sich bei einem jüdischen Pferdehändler cin Pferd. Auf U'l Art er sich Pässe verschaffte, ist mir nicht bekannt, jedenfalls a ^ müsscn dieselben falsch sein, denn seinen Namen habe i») öffcntlicht." ,),/ „Wic lonnten Sie dcnn forlwährcnd auf seiner Spur blcil'c > „ D a ich ciue iuö Detail gehende Beschreibung seiner P" ^ bc! mir führte und mich überall nach ihm crlnndigte, s° "'" .^ nicht sehr schwer. I n Linz schcint er sein Pferd veräuß" ^ haben, dcnn von da fehlte die Spur. Dnrch sorgfältig ^" ^ fral,en brachte ich indeß in Erfahrung, daß cr von da bie 5?" die Eisenbahn benutzt habc. Ich setzte ihm also nach und gla' ^ am Ziele zn sein. Als ich nämlich vor rinigen Tagen in c> hiesigen VergnügnngSgarten dcr Mnsikproduclion beiwohnte, cin ihm frappant ähnlich sehender, elegant gekleideter He"' cM vorüber. Ich folgte ihm uud erfuhr auf diese Art sciuc WohM""' „Uud wo logirt cr?" „ „ Er bcuützt cigeutlich zwei Wohnungen, die eine "i c ^ ansehnlichen Hause auf dcm Hauplplatze, die audcrc, wahrsch"' iulerimistischc, in ciner engen Gasse." (Fortsetzung folgt.)

(Forisctznng.) Dcr Poet war ganz Ohr. „Sind Sie auch Ihrer Sache gewisz? Anf die bloße Achnlichlcit l>,!i lann man ihn uicht festnehmen!" „Daö bedachlc ich anch und deshalb sliche ich nach Beweisen. Seine Papiere sind in dcr beslcn Ordnung. So lange er sich leine Blößen gibt, lann mau ihm nichts anhaben, uud wcun cr ^ nnr den leisesten Anschein von Gefahr wittcrt, fo wird er um so ^ leichter verschwinden, als ich leidcr nicht mit den nothwendigen Vollmachten gehörig anögerüstct bin und dcn meisten Erfolg von < einer plötzlichen Ucbcrnunpelnng crwarlc. Wnö mich daher am mcislcu beunruhiget, ist dcr Umstaud, daß unterdessen aü' das elllwcndclc Geld fchwindrn löuulc, denn er scheint mit dcmscwcu sehr verschwenderisch nmzngchen." „So weit mcinc Hilfe nöthig sein wird, lönncu Sie auf mich zahlen. (5ö follte mich wundern, wenn er unö entwischte, da er doch von Spährraugen unanögescht beobachtet wird." „Dcr Mensch scheint trotz stiueö Scharssiuueö davon uicht daö geringste zu mcrleu; vielmehr hat er bereitö cm Liebcsucrhältniß angctuiipft, angeblich Mit dcr schönen und reichen Tochter cineö Rentiers. Der Kerl hat horrcudeö Glüct bei dcu Damen, ! doch glaube ich, daß er m'clmchr anf daö Gclo dcü Rentiers, als! auf dcu Vcsltz dcr Tochter speculirt. Oder sollte er sich hicr uiedcrlasseu uud tugrudhaft wcrdeu wollen?" „Ohol Mau legt seine Gcwohnheitcn uicht s» leicht ab. Meiner Meinung nach wird er verschwinden, sobald er daö Geld dcs Rentier hat. Die Katze läßt das Mauscn nicht. Das Hcirateu M bci ihm ciuc Ceremonie, auf die er nicht viel IM . Ist sie nothwendig und lauu er sie nicht umgehen, fo wird er uach dcrsclbcn unsichtbar werden." „Vorausgesetzt, daß wir ihm Zeit dazu lassen. Da dirö aber uicht in unserm Plane liegt, so dllrfle er schwerlich dazn tommeu." Hierauf giug das Gespräch auf glcichgiltigc Diugc llber. Dem Poctcu war lein Wort eulgaugcu. Wcgen des Znsammentrcffens so vieler Umstände zweifelte er leinen Augenblick daran, daß der Fremde uud das Individuum, von dem soebcn dic Rcdc gewe,- scu, eiuc uud dicsclbc Person sei. Dcn glüälichcu Zufall prciseud, der ihm ciuc «eue Waffe iu dic Hand gcgcbcu, legte er die Zeitung weg und suchte jetzt erst, mit dem vollendeten Tagewerke höchst znsriedcn, den Hcimwcg. Als er iibcr die Schnstcrbrücke schritt, schlugcn die Thunnnhren die Mitternachtsstnnde, eine nach dcr andern; dazwischen cNöulcn die mouoloucu Nufc der ablösen^ den Wachcu vom Schloßbcrgc herab. Nachdem auch diese verhallt warcu, störlc die uächtlichc Stille nnr noch daö dumpfe, uuhcimlichc Ranscheu des duuklcu LaibachflnsseS.

Siebentes Kapitel. Die Lauscher.Uredi

ES ist ein Markttag. Dichte, brausende Mcnschcumasstn wogcn hin uud her, ciu nubcstimmtcs Snmmcu tönt vou dcu Marltplätzcu hcrübcr. Mau sicht allcrlci Voll aus dcr Stadt uud Umgegend. Laibach hat einen buutcu Anstrich, gleich dcu vor dm Gcwölbcu haugcudcu Sloffcu aus Paris, Mauchcstcr, China u. s. w. Alles ist geschäftig, alleö rcnnt, alles unterhält, langweilt sich. Mitten durch das Gewühl dräugcu sich zwei uuö bctauute Persoucu: es ist dcr Fremde mit seinem neu aequirntcu Freunde, dem Mauue Fanny's. Sie wareu sehr fchnell Freunde gcivorden,

deuu der letztere war mlgemcin lebenölnstig nud cö war nicht schwer, seine Frelmdschast zu gewinnen, selbst uulcr minder güm stigeu Umständen, als sic hier obwalleteu. Zudem schieil dcr Mann Fauuy's -- wir ncniien ihn Josef, theils, wcil solche Nameu in Laibach häufig find, theils weil wir dcn wahren nicht verrathen wollen — für scme junge, reizende Fran nicht besonders zn schwärmen; der Thermometer seiner Liebe war trotz dcs lurzen Bestandes seiner Ehe beinahe anf den Nnllpnnlt gesunken. Er fand am früheren Innggesellenlebeu noch sehr kiel Geschmack nnd besuchte deshalb alle Vergniignugöortc nnd geselligen Zusammen» lünfte, theils allein, theils, jedoch selten, mit seiner jnngen Fran, deren Unterhaltung er bei solchen Anlässen gewöhnlich anderen über« ließ. Dieses siel in dcr Gesellschaft nicht zn schr auf, da man gerne annahm , daß die beiden zn Hanse glücklich seien, bei öffentlichen Vergnügen sich indeß dnrch eifersüchtige Beobachtung leinen Zwang anthun wollten. Da lein häuslicher Zwist vorfiel, so tonnten die Aasen nnd Mnhmcn die junge Ehe nicht in dcn Bereich ihrer Plaudereien ziehen; man sagte nnr, daß beide schr vernünftig seien. I n diesen kleinen Familienkreis also sollte der Fremde heule eingeführt werden. Es schlug soeben zwölf Uhr nnd die Glocken sämmtlicher Kirchen kündigten m mchr odcr minder gefälliger Harmonie dic Mittagsstunde an. Unsere zwei Marltbcsncher traten den Heimweg an. I n der Wohnung angelangt, stellte Josef dcn Fremden als seinen erst gestern gewonnenen vortrefflichen Freund und Bewohner dcs zweiten Stockwerkes vor. Fanny war von dem Vcsnche bereits unterrichtet worden ^ imd kannte denselben schon, wie sich unsere Leser erinnern werdcn Nach emia.cn dcr üblichsten Redensarten setzte man sich znr Tafel, ^ bic einfach, aber geschmackvoll hergerichtet war. Der Fremde be» ' inttzle diesen Umstand als Anlaß, der reizenden Ordnerin cin schmeichelhaftes Compliment zu machen, woranf diese verlegen errolhend erwiderte: „Sie sind cin Dichter, und Dichter sind schr nachsichtig nnd finden überall Stoff znr Bewunderung, wenn auch daö Angc cinc« nüchternen Beobachters nichts dergleichen bemerkt oder zn bemerken geneigt ist." Wie die Leser aus dieser Acußenckg ersehen, hatte Fanny ihren Anfangs gefaßten Groll gänzlich überwunden nnd alle Vor- ! urtheile fallcn lassen. Das Gemüth der Franen ist wandelbar. ^ Diese schnelle Veränderung deutete der Fremde zn seinen Gnnstcn nnd glaubte das Schwerste bcreilö überwunden zn haben. I n diesem Glauben bestärkte ihn noch der Umstand, daß die jnnge Fran seinen Erzählnngen ans Nah nnd Fern mit großer Anfmcrtsam» lcit folgte, während sich der Gemahl mit großem Eifer dcr au- ^ genehmen Beschäftigung dcö Essens hingab. Auch nach dem Diner überließ er dem Gaste die Unterhaltung seiner Frau, welche an > dem gebildeten nnd galanten Erzähler sichtlich viel Gesallen fand. Wer hätte ihr das auch übel nehmen wollen?! Sie , die fast immcr auf ihre nnd ihrer Freundin Gesellschaft angewiesen war und ihres lebhaften Tcmperameuts wegen diese Entsagung nnr mit schwerem Herzen ertrug, sehnte sich nach Abwechslung. Daß der angenehme Gast andere Absichten auf sie habe, darau dachte die Unerfahrene nicht, obwohl sie sich, Mc h andcru jungen Frauen, ^ ihrer Schönheit wohl bewußt war. So verging Stunde um Slnnde, ltiner von beiden schien ' es zn bemerken, bis endlich dcr Gemahl, dcr bisher in seinem Schreibzimmer beschäftiget gewesen und nnr auf Minuteu herein, gekommen war, eintrat nnd seinen Freund fragte, ob cs ihm nicht angenehm wärc, mit ihm cincn Spazicrgang zn machen. Diese Aufforderung war gewissermaßen cin Wink mit dcm Zaunvfcchl, weshalb der Fremde sich höflich empfahl nnd mit cincm lrinmvhirenden Lächeln anf den Lippen seinem Freunde voranschritt. Die Abendsonne war dem Sinken nahe, die Schalten dcr Bäume warcn unendlich lang gewordm; die Promenaden der Stcrnallec belebten sich mit dcn Schönheiten Laibachs, begleit von sorgsamen Müttern oder besorgten Vätern nnd zärtlich^ Brüdern, verfolgt von Anbetern mit überschwenglichen Gefühl"' nnd großen nnd kleinen Herzen. Unser Poet nnr schien zn dies^ Art von Lenten mit meuschlichcu Gefühlen nicht zn zählen, de»" er ließ, an eincn Vaum gelehnt, ohnc cincn sichtbaren Eindr»^ alles Nevnc Passiren, er grüßte nnr manchmal einen Vorül^ gehenden bald ehrfurchtsvoll, bald vertraulich. Endlich sah er sei» Freund Albert melancholisch nnd doch mit nngednldiger Hast h ^ ankommen und eilte ihm entgegen. „Nnn, da bin ich, gewärtig dcr Dinge, die da komme» s"^ lcn!" So sprach Albert, dem Freunde die Hand reichend. „Vor allem," erwiderte dieser, „wappnen Sie sich, ^" dic hentige Probc erfordert einen großen Grad von Selbstbehe^ schling. Wären Sie im Staude, ohne cin Wort zn reden, "'^ die geringste Anstalt zur Abwehr der List oder Gewalt zu msl'" ruhig zuzusehen, wenn Ihucn Ih r Liebstes vor dcn Augen n'^' gcuommcu würde? Muthcn Sie sich also eincn solchen Grad ^ Selbstbcherrschnng zn, dann nnd nnr dann kann ich Sie an ^". Ort führen, wo etwas AehnlichcS vor sich gehen soll. Es ü^ nämlich, Ihres Nebenbuhlers Pläne zn durchschauen , nm dann ü' eignete Maßregeln znr Vcreitclnng derselben zn treffen." Albert ahnte, um was cs sich handelte. Dicsc AltMia!^ war allerdings cinc harte Nuß, doch er mußte hiueinbcißcu, >"" er selbst sciueu Zwecken uicht entgegenhandeln. Nach tnrzeM ^ sinnen sprach er: „Hier meine Hand! Die Zähne wil l ich znsammeiip"^ daß sie bis anf's Blut in die Lipvcu dringen, aber rühre» >"^ ich mich nicht, lein Lant soll nbcr meine Lippen sommen, '" sollte ich vor Zorn und Schmerz wahnsinnig werden." „ So kommen Sie, cS wird Zeit scin!" ' ' (Fortsetzung folgt.)

(Fortschmia,.) Dic beiden nahmm ihren Ws^ gegen Vlmalicno Wohnung. Als sic das cuigrcuzcndc Hans erreicht hatten, sprach der Poet: „Glücklicher Weist wohnt hier rincr nicincr früheren Coll> NM; durch seine Vcrmittclling ist mir für den heutigen Tag dcr Zarten znr Verfügung gestellt worden. Von hier anö tann man ^nch rinigc Oesfnnngcn in der Bretterwand nicht mir den ganzen ^chbarlichm Garten üdersfhrn, sondern auch alleö hören, wa? 'u der Lanbhüttc gesprochen wird. Noch einmal muß ich Ihnen ^'"'schärfen, sich möglichst still zn verhalten, mag lonnnen, >uaö '"'ll, denn cS handelt sich nin Ih r Glück." Albert versprach alleö Dentbarc, nnd so betraten beide dcn Zarten nnd wählten ihre Beobachtnngöplätzc dicht bei einander, lnapp an der Wand. Kanm silnf Schritte uon da stand in dcr ^ "t dcü Nachbaregarteng, unr dnrch die besprochene Wand gl- ^"unt, rlnc schattige Laubhütte, cin trauliches Plätzchen für rin liebend P^r. Unterdessen halten sich dic dnnllm Fittige der Nacht über ^ic Stadt herabgescnlt, säinmtlichc Gegenstände erschienen in jenein Halbdunkcl, daö wcder Tag , noch Nacht genannt werden kann ""d füglich cin Interrcgnnm zwischen dcr Herrschaft dcr Sonne Uno des Mondes an^süllt. Schon zeigte sich anch in miltelmäßil l ^ Höhc die noch nicht uollc Scheibe des lctzlcren, welche nach ""b nn^ hfsiinunler hervortrat nnd ihr blaßgelbe« Licht über sämmlliche Gegenstände anszngicßcn beaann, wodnrch dic Vlninen dcs Garten« ihre Farbe einbüßten. Dic spähenden Angcn dcr beiden Horcher lonulcn langc nichts wahrnchincn; Albert harrte mit pochendem Herzen dcr Dmgc, dic da lommcn sullten, nnd wnrde immer ungeduldiger, so daß dcr Frennd allc Mühe hatte, ihn zn beschwichtigen. DaS feine Ohr dcS Poeten hatte nämlich ansicrhalb drr Maucr Schritte eines Nnf» nnd Abgehindcn vernommen I n diesein Angcnblickc dentrtc anch das Knarren drr Gartenlhilrc dic Antnnft menschlicher Wesen an. Dnrch eincn leichten Shawl gegcn die noch immer ziemlich scharfe Luft geschützt, erschien Amulic, gefolgt von einer ältlichen Person von tcincöivcgö abschleckendem Wesen; anf ocm Gesichte der allen Frau war vielmehr cin hoher Grad von GutmilthiaM zn lesen. „Ocfsne dic Thürc, Mariaiina!" licsz sich Amalicuö befangene Stimme vernehmcn, „nnd dann blcibe in der Nähe!" Albert pochte, daö Herz hörbar, alö er seine Angebclctc lanm fünf Schritte von ihm sich niederlassen sah. Dic Dienerin gehorchte. Kaum war die Thür aufgegangen, so erschien dcr verhaßte Fremde, sah sich spähend um, und alö cr Amalienö ansichtig wnrdc, eilte er auf sic zn. „Holdeö Wescn," begann cr, sich ans cin Knie niederlassend, „Inbegriff aller meiner Seligteit, wie danlc ich Ihnen für diese Stnndc ungestörten Beisammenseins!" „Stehen Sic auf, jungcv Herr!" sprach Amalie in holder Verwirrnng. „Vcdenlen Sie, wir sind nicht allein!" „Nicht allein?" rief der Galan, sich umsehend; „ach richtig, Ihre Zofe ist da." Ueber die lchlcre Wahrnehmmig schien cr cben so sehr ver. stimmt, als dnrch AmalicnS Gegenwart entzückt. Ihre Haud fassend fuhr er fort: Sic trauen mir also nicht ganz? DiescS Mißtranen lrttnlt mich empfindlich. Dnrch die theilweisc Gewährung .meiner Vitte haben Sie mich schon überglücklich gemacht, vervollständigen Sie dieses nubeschreibliche Glück dnrch die sofortige Enlsernung dieses weiblichen Wächterö!" Sie sind lühn, Sie fordern viel, schr viel, mehr sogar, alö ich gewähren laiin nnd darf. Die ttenc Dienerin ist ohnehin in, mein Geheimniß cingcwciht und verschwiegen, wie das Grab." „Dcr Schuft, der Verführer!" dachte der Poet und gab sich die grosjlc Mühe, seinen Frennd zurückzuhalten, dcr vor Wuth allc Farben spielte uud jcdcn Augenblick über die Bretterwand springen wollte, nm den Gegner ans dem Felde zn schlagen. Nach nnd nach wnrde das Gespräch jcnsnts leiser; der Fremde hattc uebcn Amalien Platz genommen und sprach immer eindring» licher. Amalic schien dcn süßen Worten dcr Liebe begierig zu horchen, denn es waren die crstcn, die sic jc vernommen. So plauderten sie eine gcranme Weile. Keine Feder ist im Stande, Alberts Znstand zu schildern! Er litt Höllcnaualcn, denn cr mnßtc ruhig znschen, wie cin anderer vielleicht in böser Absicht mit dcm Gegenstände seiner heiligsten Gefühle fein Spiel trieb. Oefters ballte cr die Fkusle und nur dic fortwährenden Lrmahnnngcn scines Frcnndcö konnten seine Wuth am Anöbruchc, hindern. Dcr Poet seinerseits dachte: „Der Fremde ist entweder cin Virtuos im Heucheln, odcr scim Licbc ist aufrichtig. I u bcidcn Fällcn ist das Mädchen zn bedauern." Die alle Dienerin hattc dnrch cin leifcS Hüsteln bercits öfter daran gemahnt, daß es Zeit wäre, das Rendezvous zn beendigen; als jedoch allc diese, Winke von dcm Licbespaarc nnbcachtct blieben, trat sie geräuschvoll hcrau und erinnerte an die bercits fehr vorgcriicltc Abendstunde und an dic fcharsc Lust, welche dcr zarten Gesnndheit Amnlirnö schaden lonnte.

„Darf ich auf die Wiederholung einer gleich glücklichen, Stunde hoffen?" So sprach der Fremde nnfstchend uud Amalicns Hand llissrud. „Murgeil Aliendö mil dieselbe Zeit!" flüsterte Amalie, wie rillt Gazelle davonhüpfeud. „Auf Wiedersehen. D u holder Himmelöeugel!" Nach diesen Worte» verschwand er durch die Thüre, welche die Dirucriu hiuler jhiu schloß. „Nnn, wie sind Sie uou dem Schauspiele erbaut worden?" fragte der Poet seiueu Freund, als beide, aus dem Garten hinnnsschrilten. Dieser gab leiuc Antwort, es war ihm zu Muthe, als ob in dieser Sluude all' sein Glück zu Grabe getragen worden wäre. Stumm folgte er dem Poeleu, der nichts unversucht ließ, ihn besser zn ,Ummeu. Als jedoch alle seine Mühe ohne Erfolg war, beschloß cr, ihn sciucu cigcucn Gcdaulcn zu überlassen, wünschle ihm, uor dessen Wohnung angelangt, eine gute Nacht uud ging sciucr Wege. Albert sah auf. und da sein Begleiter nicht mehr bei ihm war nud er auch sriu Logis erlauutr, so schritt er mechanisch dic Treppen zu sciucm Znumcr hinauf, wo er sich gänzlich abgespcnint, augctlcidet auf'S Lager warf.

Achtes Kapitel. Der Spion.Uredi

Wir überspringen eiueu Zeitraum vou zwei Wochcu, um unsere gcehrleu Leser durch Schilderung gleichartiger Begebenheiten nicht allzu schr zu ermüden. Es geuüge die Bemcrlnng, daß der Fremde nnlcrd-sscu nicht uur die Liebe Amalicns, sondern auch ein ungewöhnliches Interesse Seitens ihrer Freundin Fanny zu sich erwerben grwnfzt hatte. Bei der letzteren machte er häufige Besuche, doch uur, wenu deren Mann , dessen ganzes Zutrauen er besaß, auwescud war.! I h r Freundschafiöband mit Amalic war unterdessen lockerer geworbeu, sie sahcu sich seltener und selbst dauu spracheu sie uic mehr ilbcr dcu fraglichen Fremden, da eiue jede uou beiden cö sorgfältig ucrlnied, dieses Thema zn berllhreu. Der Maun Fanuy'ö amiisirtc sich mitlcrweile mit dem Frcm-, deu iu allerlei Gcsellschaftcu, welche mitunter nicht immer dic au«« l gesuchtesten wareu. Da diese Lebcueweise uatürlich sehr kostspielig! war nnd Josef im „Aufhauen" nicht hiukr dem Fremden zurück- ! blcideu ivollte, obschou seine Gelduerhältnissc nicht dic glänzend- ^ steil wareu, so gcrieth er nach und uach iu Schuldcu, wclchc im Verhältniß zu der turzcu Zeit einc für ihn bedeutende Hohc erreichten. Um seine Gläubiger zn befriedigen, mnßlc er zn allerlei Mitteln greifen, die er sonst verworfen hätte. Aon alledem wußte Fminl) natürlich nichts, sie vermied cö auch, uach dem Zwecke uud Ziclc der hänfigeu Exkursionen ihres Mannes zu frage», Dic Stimmung Alberto war im wesentlichen dieselbe, wenn er sich auch nachgerade i» sei» Schicksal z» füge» begann. Die Trüstnngen »ud die stets frohe Laune ocS Pactcu, der uuteroesseu die Zusammculüujtc Amalieus mit dein Fremden häufig belauschte, nm über dcu Fortschritt des Verhältnisses stets im klaren zn sein, übten anf ihn einen vortheilhaften 2,'ndrnck, so daß er an der Ersüllnug seiner heißesten Wünfchc nicht gänzlich verzweifelte. Trotz I der eifrigsten Beobachlnngrn gelang es dem Poeten nicht, wcitcrc Vcwcisc wider dcn Fremden zu erlangen, obschou er sich mit deu bridru Herren, wclchc ihm anf der Svur wareu, iu Vcrbiudnng gesetzt hatte. Es ließ sich nichts Verdächtiges bemerken. Der Gegen» stand der Veobochtnug lebte nach wic vor, scinc Papiere waren in der besten Ordnuug und die beiden genannten Herren, vermuthlich Polizciorgaue aus Bremen, wareu bereits nahe daran, ihre Nachforschungen als erfolglos auszugeben. Der Poct sühllc, daß cö dic höchste Zcit sei, zu handeln. EincS Tages hatte der Frcmdc, wie öfters, bci seinem Freunde sonvirt nnd saß jetzt neben der liebcuswnrdigcn Hanösrau. Der Mautt hatte sich entfernt. Es war das erste Mal, daß er seine Frau mit dem Fremden allein ließ; er glanbtc dies thun zn dürfen, den» derselbe war ja ein vortrefflicher und intelligenter Hanöfrennd. Anch sprach dieser nie von Liebe, höchstens drückte er der junge» Frau seine Verehrung nnd Bewunderung iu sehr gewählten Worten anö, was diese für einen Tribnt hinnahm, den ja alle Männer den Damen zollen. Heulc jedoch lcultc rr das Gespräch anf dicses Thema; er verlor sich immer mehr hinein. Fanny halte anfangs dcn süße» Worten halb willculoS gelauscht, als er aber ihr entdeckte, welche Gefühle ihre unwiderstehliche Liebenswürdigkeit in ihm erweckt habe, da gewahrte dic junge Frau Plötzlich den Abgrund, au dessen Rande sie bereits zu schwc« bcu glaubte. Immer glühender wnrdc die Sprache dcö GastcS, dic Bethcucrnugcu seiucr Liebe, dcreu Glut ihn zu verzehren drohe. „Sie vergessen, mein Herr, daß ich die Frau eincö nudcre» biu uud solche Worte nicht hören darf! Es wäre dicS ein Vcrbrcchcn!" So sprach Fanny aufstehend, mit einer der beleidigte» Franenwürdc eigenthümliche» Hoheit. „Dic Licbe krnnt lein Verbrechen!" antwortete der Fremde, sich anf dic Knic niederlassend uud ihre Hand lcidenschaftlich fassend. „Erhören Sie mich, Fannys oder ich gchc zu Grunde! Ein Blick nur, Fanny, cin Händcdruck —" Draußen ließen sich Schritte vernehmen. Fanny war i» Verzweiflung uud suchtc vergeblich, ihm ihre Haud zu entwinde». „Mcin Gott, waS beginnen Sie? ! Wenn man nns in dieser Sitnation sieht! Stehen Sie doch auf, inein Herr!" „Nicht eher, als bis Sie mcin Flehen erhören ! Was lümm"'t mich dic Wclt, wenn Sie mich verstoßen, Sic , die Sonne um»cö Lcbcns!" (Fcrtsctzuug folgt.)

(Furlsetznng.) Fanny's kage war unbeschreiblich peinlich ; die Schritte kamen immer näher, schon wann sie cm dcr Thüre hörbar, nnd wenn ,nan del, jungen Mann in dieser Stellung bci ihr cmlras, so war ihre Ehre, ihr Ruf dahin. I n der größlen Verzweifln»«, slehetr sie.' „Erbarmen, mein Herr, schonen Sie meinen Ruf!" „Ein Wort, Fanny, cin einziges! —" Man pochte an dcr Thilrc. Noch eine Secunde, nnd sie war verloren. „Waö verlanden Sie de»n von mir Unglücklichen?" „Sagen Sie nur ein einjigeS Wort der Gewährung! Darf ich Hoffnung hegen? Sagen Sie : Ja! " „Nun , ja!" stieß Fanny, ihrer nicht mehr mächtig, hervor. Blitzschnell erhol, sich dcr Kniende. (5s war dic höchste Zeit, deun gleich unmittelbar darauf ging die Thüre anf. , Eine alte, hagere Gestalt in altmodischer kleiduug, mit strenger Miene nnd gerader Haltuug trat herein. Dic mnge Frau hatte ihre Aufregung so viel als möglich bewältigt, nm ganz unbefangen zn scheinen. „Orlls;' Sie dcr Himmel, Herr Onlcl! Welchem glücklichen Anfalle verdaute ich das Glück Ihre« Vesnchrö?" Hirmit ergriff sie dic Hand deS alten Herrn nnd führte ihn zu cinem Sessel. „Hm ! Ol> Dn den Gruud meines Besnchcö für cin Glück ansehen wirst, ist noch eine bedeutende Frage. Doch" — fnhr der Onkel, anf den Gast zeigend, fort, „wer ist der Herr?" „Verzeihen Sie , Onkel, ich vergaß, beide Herren einander vorzilstellen." Damit holte sie das Versäumte, nach. Vei dieser Ceremonie entging dein Fremden nicht, daß ihn der andere mit mißtrauischen Blicken maß. Da er jetzt eine schr überflüssige Person zn sein glanbtc, so empfahl er sich, einen vertraulichen Vlick anf Fanny werfend. Diese wich demselben anö nud athmete erleichtert cms, als die Schrille deö Abgehenden draußen verhallten. „Um anf den Grund mcineö nnerwartclen VrsucheS zurückzukommen," begauu der Herr, der als Onkel eingeführt worden war, „mnß ich Deines liederlichen Mannes erwähnen. Seit einiger Zeit treibt cr sich nämlich mit einrm neu gewonneneu Freunde allerorts herum nnd wirst das Geld glrichsani „ ^ vollen Händen weg. Dadurch ist cr in bedeutende Schulden gerathen; cr mag srlber zusehen, wie cr sich wieder flott macht, denn ich gcbc ihm, so wahr ich lebe, nicht einen Heller mehr. Wo steckt denn der Schlingel? Ist er wieder nicht zn Hanse?" „Mein Gott, Onlcl, was erzählen Sie?" fprach die jnngc Fran bestürzt, „das alles kaun nicht wahr sein, böse Znngcn haben ihn verleumdet! Er ist ja fo aufrichtig, cr hat mir noch nie etwas verheimlicht." „ So thut cr das jetzt zum ersten Male. Vermuthlich ist der sanvcrc Herr Freund der Urheber dieses Treibens." Die junge Fran erwiderte nichts, theils weil sie vou diesem Schlage zu sehr betäubt war, nm gecignctc Worte finden zn lönnen, theils weil sie die Tragweile dcr Schnld ihres Mannrö l nicht lamlte. Da leine Antwort erfolgte, so fuhr dcr Onlcl fort: „Mi t diesem Freunde soll's noch dazn eine eigene Vcwandt» mß haben; man mnnlclt allerlei nnd die Zeit dürfte nicht in allzn weiter Ferne liegen, wo sich dcr Falter entpuppen wird. — , Doch genug davon l Drin Mann ist nicht da, nnr nm ihn zn ^ treffen, lam ich hicher. D n tannst ihm unterdessen, wenn er heimkommt, eine tüchtige, wohlverdiente Gardinenpredigt halten, woraus sich ja alle Franm sehr gut verstehen. Dies wollte ich Dir gesagt haben «ud somit Gott befohlen.'" Als der Onkel verschwunden war, sank Fanny in Folge der aus sie in so lnrzcr Zeit eingestürmte!! Ereignisse erschöpft nnd halb bewußtlos ans das Sopha. So fand sie ihr nach geranmer Zeit znrücklehrcndcr Galle. Zu welchen Erlänlernngrn es dann tam, löuncn sich die geehrten Leser denken; wir »vollen dirsclbeii nicht weiter ermüden nnd kehren zu dein Porten znrück. Dieser war beinahe den ganzen Tag müssig hernmgcstrichen uud saß gegru Abend, wie gewöhnlich, au den Barriere» der Stcrnallee in cimr lustigen Echaar vou Sludcutcu, als cr deu bewußten Fremden in ungcwohulicher Hast vorübercilen sah. Einrn außerordentlichen Vorfall vermuthend, sprang er ihm in mäßiger Entfernung nach, so daß er ihn fortwährend im Auge behalten konnte. Es war ihm ohnchin in dem Benehmen deS Fremden eine eigenthümliche Unrnhr aufgefallen, die jeuer vergebens zn bemeistern suchte. Daher glaubte der Poet nm Vorabende ungewöhnlicher Ereignisse zn stehen. War dein Fremden vielleicht Plötz' lich seine Dnlcinca untreu geworden? Oder hatte dcr Vater der letzteren das Verhältniß erfahren und wollte rö gewaltsam lüsen? Oder halte endlich der Fremde die Nachstellungen bemerkt nnd dic zwei Herren, welche ihm anf der Spur waren, erkannt? Alle diese Fragen drängten sich indem Poeten zusammen, während er jenem durch die Gaffcu folgte. Vald war Amalicns Wohuuus! ! erreicht uud am Fenster zeigte sich daö blühende Gesicht der letz' teren. Sie warf dem Vorübergehenden cinm lanm bemrrllichm Blick des Einverständnisses zn, dcr jcdem andern entgangen wäre, nnr nicht dcn scharfen Angrn dcs Poeten. Es war dies offenbar eine Aufforderung zn eincm Rendezvous, welchem auch der Poet beizuwohnen beschloß. I u dieser Absicht verfügte er sich in den Nachbargarlru nnd faßte an seinem gewöhnlichen Platze Post». ! (Fortsetzung folgt.)

(Fortsetzung.) Nicht lange darauf erschien Amalie, dieSmal zum ersteu Male allein; zu gleicher Zeit wurde auch die Gartenpforte geöffnet und dcr Fremde zeigte sich. Sobald er Amalic gewahrte, eilte er aus sie zu und wollte sie umarmeu. Sie drängte ihn jedoch znrück und sprach mit melancholischer Stimme: „Heute sehcn wir «us zum letzten Male, mein theuerster Freund, dann müssen wir scheiden." „Scheiden?" erwidcrtc dieser bestürzt. „Nein, nimmermehr! O Amalie, Sie begreifen nicht, daß Schcidcu bei mir glcichbe« dculcud ist mit Sterben! Sir lieben mich nicht, Sie können mich unmöglich je geliebt habcu, wcuu Sie vom Cchcideu in so gleich» giltigcm Tone sprechen!" „O Heinrich! (unter diesem Namcu hatte cr sich bei ihr eingeführt) Gott vergebe Ihnen dicsc Kräulung! Habe ich je einen derartigen Verdacht verdient? M r mich ist das Scheiden uicht minder bitter, als filr Sie, allem das unbezwingbare Geschick will cs so. Mein Vater billigt meine Liebe nicht und läßt sich durchaus nicht umstimmen. Er gebot mir mit lurzen Worten, da« Verhältniß zu lösen und ist entschlossen, mit mir fortzuziehm, falls ich ihm nicht gehorchen würde; ja noch mehr, er will mich uugcralhcucs Kind verstoßen." „Unvorsichtige! Wie lonntcll Sie Ihren Vater von unserer Liebe in Kenulniß scheu? Wareu wir nicht glilMich genug? Uud NU» soll unser Glllcl ciu so plötzliches Ende nehme»l" „Eö muß seiu, Hciurich, ich muß mich dcm Gebote meiueS Vaters filgm, will ich uicht sciinn Fluch auf mich ladcu." „Ich Thor, der ich auf dic 5!iclic oeö wcililichcu Herzens goldene Äcrgc bantc! Ja, so lange teiuc Hindernisse sich ent. gegmlhürmm, siud sie standhaft, dauu abcr stußeu sie den Armcu, der so uuglilcllich war, sich iu ihre Netze zu ucrslriÄcu, unbarmherzig von sich und überlassen ihu der Verzweiflung. Wa« kümmert es sie anch, ob ciu Männcrhcrz bricht? Sie siudeu ja reichlichen Ersatz iu dcu Armcu cinc^ audcru!" Diese Worlc, im Toue dcr bittersten Ironie gesprochen, vcrj fehlten auf Amalieuö Herz die beabsichtigte Wirkung uicht. Sie ! brach in Thräucn aus. „O Heinrich, wodurch habc ich diesen Vorwurf verdient? Ist es lein hinlänglicher Beweis mciucö Vcrlraucnö zu Ihucu, weuu ich mich ganz in Ihre Gewalt gebe? Kaun, darf mau denn mehr thuu?" „Welche naive Frage! Sie lenueu das Weseu der Liebe uichtl Die ^icbc vermag allcö, selbst dcm Willcu eines Valcrö zu trotzen. DaS ist dic wahre Liebe, jencü Gefühl, das uns allcö Irdische vergessen läßt und u»S ju Wcscu edlerer Art gcstallct. Bcscelte Sie ciu derartiges Gcfilhl, so würdcu Sie leinen Augenblick zaudern, dcmjcniM zu folgeu, dcr Ihucn alles zn opfern bereit ist." Es herrschte durch eine Minute lautlose Stille. Amalic bcstaud cincu harten Kampf dcr Licbc gcgeu das Gefühl dcr liudlichcn Pflicht. Endlich schien dic erstere, wic iu dcn mcistcu derartigen Fällcu, die Oberhand zu gcwiuueu. „Nuu wohlan, um Ihueu allen Zweifel au dcr Größe uud Aufrichtigkeit meiner Licbe zu bcuchmcu, biu ich zu allem bereit, was immer Sie vcrlaugcu lünucn. WaS begchrcu Sie?" ^ Diese Worte hatte Amalic mit äußerster Anstrengung hervorgestoßen, dann faul sie erschöpft auf die Vcml iu der Laube. Der Fremde hielt nuu seiu Spiel für gewouueu, deun fei» Opfer war zu jedem Widerstände unfähig; um dasselbe uicht länger durch bittere Rcdru zu qualm, beschloß er eiucn mildem Ton auzu» schlagen. „Verzeihen Sie, theuerste Nmalie," begami er, „ich thal Ihueu Unrecht. Können Sie mir verzeihen?" „Sie slellcu mich wirklich anf eine srhr harte Probe, HciN' rich," hauchte sie. „Ich opfere Ihrrr Liebe daS Beste, das Theuerste, was ich habe, mciucu Vater. Mögen Sie cö uic bcreucu, mi^ dazu getrieben zu habcn!" „Amalie, Du Pcrlc aller Mädchen, wärest Du bereit, Deine« Vater zu verlassen uud mir zu folgen?" Amalic schreckte vor dcr Größe des Opfers zurück, daS vo" ihr gefordert wurde. Wäre sie sich selbst überlassen gewesen, s" hätte sic vielleicht uoch einmal alle Pflichten bedacht, wclchc sie ihrem Vater gegenüber halte. DaS Drängen des Fremden indeß machte sie zu jeder Erwägung unfähig, und so erwiderte sie: „Wenn cs sein muß, so biu ich dazu bcreit, da mir leul audcrcr Ausweg übrig bleibt." „Dank Dir, herrliches Mädchcu l Morgcu um diese Stunde sei bcrcit znr Flucht. Wir wollm nach den reizenden Gefilden Italicnö cilen, bis dcö Vaters Zorn verraucht ist, was hoffentlich nichl lauge währen wird. Dann lommcu wir znrUÄ als Mau» ""^ Frau, um uugctrcuut dic Lebenslage auf blumigcu Pfaden dah>u zu waudcln. „Ach mein armer, armer Vater! Ich fürchte, dieser Sa M wird sciu Tod sein." „Eitler Wahu! Man grollt eine Weile, ist entrüstet, st""^ vielleicht dem eutartetcn Kinde, aber zuletzt, wenu dicscö Program» erschöpft ist. geht man zur Tagesordnung über, °. h. mau " " vernünftiger, läßt sich erbitten und schließlich macht ein 3"^ . uud ciuc rcumülhigc Bitte alles wieder gut. Darum entjchl"^

Wicder lä'mvste Amalic einen tnrzc« Kampf, dann faul sie drin Geliebten in die Arme mil dcm Anörnsc: „Dem auf ewig!" „Morgen, uach dcm Einbruch der Nacht, will ich mit cinem Wagen hier sein. Rüste Dich zur geheimen Abreisc, nimm alles mit, was Dn Drin nennst, und gebrauche dic gröszle Vorsicht, damit dnrch cinc vorzeitige Enldccknng unscr Glück nicht vereitelt wird!" Nun folgte eine innige Umarmung, dauu trennten sich die Liebenden, indcm der Galan durch die Thilr in der Mauer verschwand , Amalic aver halb bewußtlos langsam dem Hause zuwankte. „Vis jetzt hast Du agivt, uud wahrlich uicht schlecht l Nun beginnt der zweite Theil deö Drama's, woriu ich die Hauptrolle übernehmen will." So rief unser Poet, dem vou der ganzen Scene, uicht das Geringste entgangen war, nnd fuhr dann im Mgchcu fort: „Also morgen schou will er seinem Werlc die Krone aufsetzen! Nun, Port, rüste Dich nnd sei aus Deinem Posten. Der Termin ist verdammt kurz, laß den Feind uicht eine Minute auö dcu Augm." „Während diese? Monologes hatte er sciucu Posteu verlasse,, und stand gleich darauf auf der Gassc; hier sah er im Lichte der Gassflammen semen Manu eiligen Schrittes davongehen; eine Minute darauf war er ihm hart auf der Ferse. Der Fremde betrat ein Kafscehans, lies; sich Papier uud Dutte geben und schrieb einen ziemlich langen Brief. Der Poet beobachtete ihn scharf. Augenscheinlich enthielt der Brief Dinge von großer Wichtigkeit, druu er las. ihn mehrmal dnrch, ehe er den Marqueur herbeirief, um sich zu erkundigen, ob der Vricf Heute noch expcdirt werden, lilnnte. „Sie müßten denselben am Bahnhöfe abgeben!" autwortctc, dieser verbindlichst. „Dauu besorgcu Sie mir einen verläßlichen Boten! E« wird sein Schade nicht sein!" „Gleich!" erwiderte der dienstbare Geist mit der unbewcgliichcn Miene, die Lcute scincö Schlage», charaltcrisirt, und verschwand iil einen Scitcnapparttmcnt. Unmittelbar darauf kam auö demselben ein kleiner Bursche von recht gewinnendem Acußeru nnd stcllic sich schweigend »or den Herrn, der ebcn dm Brief siegelte, „Da, Meiner, trage diesen Brief anf dcu Bahnhof und bringe mir da« Reccpisse. Beeile Dich, ich will hier warten. Je schneller Tu kommst, desto grvßer wird Dcin Lohn sein!" Der Junge setzle sänc kleinen Beine iu eine hurtige Bewegung ; unbemerkt hatte sich auch der Poet darauf eutscrut uud lief dem Boten uach. Bald halte cr ihn eingeholt. „Warte ciucu Augenblick, Kleiner! Der Herr, mein Freund, der Dir dcu Bricf übergeben, hatlc etwas Wichtiges vergessen. Gib mir also dcu Vrief uud wartc hier, Du sollst ihu gleich wieder haben!" Ohne Argwohn willfahrte der Junge. Der Poct ciltc min so schnell als cr tonnte in cin andres Haf6, uerlaugtc Papier und Tinte, versiegelte einen leeren Bogen, schrieb dic Adresse dcö anderen Briefes darauf uud ciltc so schnell als möglich dein Inngen nach, der uoch au derselben Stelle scine.' harrte. Der Port übergab ihm nebst einem kleinen Trinkgelde dcu ausgetauschten Bricf, der Junge eilte, ohne dcu Auslansch zu bcmcrlcn, dauon und brachte dcm Fremden nach einer Weile das Nccepisse, dieser besah es dauu uud steckte es zusricdcu iu sein Portcmouuaic. Der tleiuc Bote erhielt cincu glänzenden Botenlohn, mit dem er vergnügt davonsprang. Der Fremde ucrließ spcitcr mit einem stereotypen Lächeln das Caf,! und ucrschwaub sofort in den Windungen der Gassen.

Neuntes Capitel. Eine unangenehme Ueberraschung.Uredi

Hastig, als brennte ihm der Vodcu unter den Füßen, eilte der Poct über das damals uoch holprige Pflaster der Bahnhofgasse hinab und machte nicht friihcr Halt, bis er das „Caft Nationale" erreicht halte. Hicr verfügte cr sich in die zweite, kleinere Abtheilung, wo er, von niemandem beobachtet, daö t^u^nüi ^Iclictl iu der Gestalt beS geschmuggelten Billets hervorzog. „Capitän M. van Houeu, Kauffahrteischiff .Schwalbe/ derzeit im Hafen vou Trieft," lautete die Adresse, Hastig uffucte er den Brief, und während cr laS, hätte ei» anfmcrtsamer Beobachter den AnSdrncl sich stets steigernder EiU< rüstung auf seinem Gesichte wahrnehmen können. „Elender Bclrügcr, Schurke, Dieb!" rief er uach dcm Durchlescn, dcu Bricf sorgfältig verbergend, „diesmal ist Dcin GlnckSschiff auf eine Sandbank gerathen. T u selbst hast uns Waffen in die Hand gegeben. Nnn heißt das Losungswort: Handelu! Vor allem mnsz ich die zwei Verfolger des Schnrkcu auisircn. Wenn ich sie nnr zu treffen wüßte! Doch mein und dcö bedrohten < Mädchens Schntzgcist wird mich nicht im Stiche lassen, ich ver, traue mich ganz seiner Lciluug an." Eben wollte er daS Caft verlassen, als jene zwei Herren, die er aussnchen wollte, eintraten, wie ,sic es seit einiger Zeit allabendlich zn thu» pflcgtcn. (Fortsetzung folgt.)

(^rtsctzung.) Dcr Poct trat auf sie zu mil dcr Nillc, ihm in daö klciuere Zimmcr folgen zu wollcu. Sie willfnhrtcu sciucm Wnnschc und nachdcm dcr dienslfcrligc Niarqucur das uerlaulitc Gciränk uud Cignrrcu sscbracht »nd sich culfcrnt hallc, wicö nnst-r Poct dcu Vricf uor. Vtit lricht crtlärlichcr Ncnssicrdc liclrachlctcu dic! licideu dic Adrcssc nnd ricfen Plötzlich einstimmig ans: ! „Wic lommcn Sie zn dcm Vricft? Daö ist ja seine Schrift" Dcr Inhalt mnßtc schr anfrcgmdcr Natnr scin, dcnn dic Augm dcl- cincn snnlcllcn förmlich uor Zorn, währcnd illicr dic Ziigc dcö andrrn cin trinmphircndcö Liichclu zog. Nuscr Poct gebcldctc sich gleich eiucm römischcn Dictator, dcr mir Triumph, sri n SicaMucrk bctrachtct. I „Wohcr haben Sic dcn Nricf,'" stagtc dcr cinc dcr Hrrrcn, densclbru znsammcnfaltcnd. „Ich ^clan^tc zwar anf tcinc rcdlichc Art in dcn Vcsitz dc^- sslbrn, allciu ich glaubte mnne That hinlänglich rcchlscrtigen zu tiinucn durch dcu Spruch ,Dcr Zwrck hciligct daö Mittcl.' Nun wl!ssm >vir ciuschreitcu!" „Daö ist jcht uuscrc Sachr, N'ackcrcr jnngcr Mann. Wir bcdurstcu unr ciucö haudgrciflichcu Vcwcisc^! gcgcu ihu; dicscr ist da, wir schrcitcu glcich zur Vorhastung," „Halt, nicht so!" ricf dcr Port. „Gcwährcn Sie mir nnu anch emc Bittc!" Und cr rrzähllc ihnc» dic ganzc Angclcgcnhcit Vlldcrl« nnd, wir cs scin Plan goucssii, ihn ak« Ncllcr dcr Damc crschcincn zu lassen, damit cr durch diescn Dicnst zucrst dcrcn Daniliarkcit und Frcnndschast uud i» dcr Folgc anch „ichr gciuinuc. ,Mn ourtrcfflichcr Gcdantc!" ricfcu dic Hcrrcn, „wcnu cr nur aiwfiihrdar wärc." „^rlaubcn Sie mir, mich dariil'cr näher zu crtlärcu!" Hieraus wcihtc cr sic in seinen Plan cin uiid dic Hcrrcn gabcn ihm Veisall. Unterdessen war cö bcrcitö spät a.cwordcn, ohnc dasi sich Albert dlicleu ließ. (5s blicb dahcr dem Poctcn nichts iibrig, alö sich zur Ruhe zu begebm, nachdem man sich ülicr die Verhaltungsmaßregeln des folgcndcn Tagc« volllonnucn gcciuiget haltc. Dic anfgchcndc, Sonnc dr« folgcudcil Tagct! traf unseru Poclcu ayiüialimswcisc schon anf deil Bcineu. Soliald cr anuch« men lonnlc, daß scin Frcund aufgcstaudcn sci^ beschloß rr ihn ansznsnchcn. Troy dcr frllhcu Morgcnstiindc traf er dcnsclbcu nicht nichr an; anf Acsragcn rrsnhr cr, das; dcrsclbc sich wahrschciulich uach dcm reizrudcn Nosenbach begeben habe, waö rr seit cinigcr Zcit alltäglich zn thuu Pslrglc. Auch dc»! Pocteu gcficl dic Tour auöuchmeud, uicht uur wegcil dc(j vorlrcfflichcn Motla, dcr am Ziclc winkte, sondern mehr noch wegen dcö äußerst angcnchmcn und crsrischcudcn Epazicrgaugeö, dcr am Morgcu Ge,st uud Korpcr stärtt. I u dcr „Vcranda" m Roscubach saß eiuc gcwählte Staunn^ gcscltschcift auö bchäbigcn uud gcmiithlicheu Vllrgcni nnd planderle über Einst und Jetzt, ubrr Gclduolh uud Ecschäfl^ristS. Vorzüglich war cö ciu bclciblcr Hcrr mit ruudcm Gcficht uud jnngcm Vollbart, desscu Späßc nnd wahre oder crfnudcur Anccdolen viel Gclächter erregten. Urbcrhanpt schN'nmul alle« in der animirtcstcn Stimmung, nnr nicht Albcrl, dcr an einciu Scttcntischc, dcu Kopf auf dic hohle Hand gestützt, langsam und bedächtig fcincn Nafflc schlilrslc. So tras ihi» dcr Poct, d^r sich nach einem Grnsjc a,^ dic lärmcndc Gcscllschast mil ihm i» ciu Gespräch cinlicß uud nach tnizer Einlcilnng soglcich zum cigcullichru Thema nberging. „Heute ist der Tag," begauu er, „von dem es abhängt, ob Sie in dcr Licbc rcussircn, oder snr immer aus dcn Oegcnstand dcrsclbcn licrzichtcn innsscn. Darum wappnen Sie sich, zeigen Sie Energie uud vor allen: stellen Sie sich so, alö ob das Gauze Ihr Werk wärc. Mit drin Beweise, des Verrathe« iu dcr Haud, deu Sie Abcudö bclommeu sollru, wird eö Ihucu ohuehiu uicht schwer sriu, die Nolle dcö Retters zu spielen." „Nun gab rr ihm VrrhaltmuM'cgcln für dcn Abcud. Ob wohl dicselbeu Albert etwas dunlrl vortamcn, so mußte cr sich znsrirdcngebcn, denn eine weilere Anetuufl lierwrigcrtc drr Poet. „Begnügen Sie sich," sprach er, „vorläufig damit. Morgen nm dicsc Zcit wird Ihurn ohuehiu allc^ Ilar seiu." „Und Sie, licbcr Freund, welche Rolle haben Sir sich zugedacht?" „Ich? Nnu, ich habe cinc zwar tlrmc, aber nichts destowcnigcr sehr wichtige Änfgabc, nämlich dcu allm Rentier möglichst lange im Gaslhansc anfznhallcu. Zu diesem Zwecke will ich hcutc allc nnr errcichbarcu Zcitnngcn lcscu, uichrcre auch mitnchmcn, um fic dort dcr wißbegierigen Bnrgcrschaar zu erpliciren. „Obwohl mir Ihrc Auordilnngrn dunlcl vortommcn, so will ich mich dcnnoch ganz gcuau darnach richten und zu rechter Zeit au Ort uud Stelle erscheinen. Jedenfalls soll der heutige Tag über uiclcs cutscheidru." Unterdessen hatlc sich dic Gesellschaft verloren, der Beruf rief riiicu jeglichen au seincu Posleu; auch drr Poct und seiu Freuud tralcn dcn Wcg zur Stadt au. UulcrwrgS wurde noch maucheS ilber bic bcvorstcheuden Ereiguisse dcS Abends gesprochen. Albert war gntcr Dingr, deuu obn'ohl ihm seiu strenud uicht allcö vrr. ralheu, so ahulc rr doch, nm waö rC sich yandrlts. Dann trrunlen sic sich uud jcder ging scinrn Ocschäflrn uach. Dcm unrnhigcn, mifgcregteu Albert nahmen die Tnindcu dri« Tages cinf» trägen Schueclcugaug,

Auch dcr Fremde traf Anstalten zn Abreise, oder vielmehr znr Flucht. Hrnte in aller Friihc nämlich hatte ihn sein Emissär, der Rothe, anfgesncht nnd ihm den Dienst gekündigt, weil er ge» ster» von der Polizei über dessen Tim» niid Treiben ausgeholt worden war. Da wittere er einen verdächtigen Wind, er wolle um leinen nndcrn seine Hant zu Markte tragen n. f. w. Mit einem verächtlichen lächeln entließ ihn der Fremde, ohne ihn eines Blickes zn würdigen. Als er hierauf bei Fanny vorsprechen wollte, wnrdc er nicht eingelassen, da ihm die alte Dienerin die Thiirr vor der Nase, zuschlug, lauter Anzeichen, woraus er schließen mußte, daß die Lust nicht ganz rein sei. „Es ist an der Zeit," dachte er, „mich aus dem Staude zn machen, weil anch i» meiner Casse der Boden immer mehr sichtbar wirb. Das Täubchcu ist im Käfig, ohne cö im geringsten zn ahnen. Desto größer wird die Enttäuschung sein, wenn ich mich dem rinsältigeu Dinge gegenüber entlarve. Nnn, Glückauf zn meinem nencn Meistcrstrcichc! Dcr Port halte den Tag iiber vollauf zn thnn. Dcr Abschied von den zwei Herren war zwar nicht sehr herzlich, allein sie dank« ten ihm recht verbindlich fiir seine anSaiebige Hilfe, die dem Gelingen ihres Werkes so sehr förderlich war. Sobald dcr Abend hereingebrochen, suchte er da« Gasthaus auf, wo er den Rentier zn treffen Pfl^tc. Bei seinem Eintritte war der Gcsnchtc noch nicht amvesend, erschien indes; bald darauf. Nach uud nach ergänzte sich die Zahl dcr Gäste nnd Mcö horchte den ErMuugen be« Poeten mit größter Ansmcrlsamlcit zn, da er heute zum Plaudern besonders ausgeräumt schien. Sehen wir uns nach Nmalien um. Dem bedancrnSwerlhen Opfer einer allzu leichtgläubigen Hingebung waren die Stnnden des Tages im Kampfe zwischen der Liebe nn'o der kindlichen Pflicht verflossen. Noch immer war sie unentschieden, sie schwankte fortwährend, traf nlier dessenungeachtet Anstalten zur Flncht, indem sic alle ihre Kostbarkeiten in ein Vündcl zusammenraffte und auch eine ihr gehörige Summe Ocldcs zu sich steckte. So war dcr Abend ' hereingebrochen, die Sonne sank bereilö uub vergoldete die Spitzen der höchsten Berge. Sobald cö völlig Dnnlel wurde, legte sie ^ einen Abschiedübrief in ihreö Valero Secretär, nahm weinend Abschied von alleu ihr theuren Gegenständen und verfügte sich in den Garten, nachdem sic die alte Dienerin mit einem Aliflrage forl geschickt nnd ihr bedeutet hatte, heule nicht mehr gestört werden !zu wollen, denn sie sichle sich trank, eine Ausredender ihr blasses ^Aussehen in den Augen der Dienerin schr viel Wahrscheinlichkeit «verlieh. Nicht lauge brauchte sie zn warten ; bald öffnete sich die Gartenthürc nnd mit dem Anörnfc: „Komm, Geliebte, dcr Wagen harret unser!" schloß sie dcr Eingetretene in scinc Arme und führte dic Bebende in die geräumige KMsche. Dcr Schlag schloß sich und der Wagen setzte sich in Aewegnng. Ainalie zitterte vor Angst nnd Nnfrcgnng noch immer so hcflia, daß sie miverinögcnd war, anf die zärtlichen Nrdcn nnd Versicherungen ihres Begleiters zu antworten, obwohl sich dieser allc Mlhe gab, sic zn crinuthigcn. Man mochte etwa ein Viertelstunde in scharfem Trab ge^ fahren sein, als dcr Wagen Plötzlich stille hielt. Unwillig über die Störnng nnd nm zngleich den Grund dcrsrlben zu crfnhrcu, öffnete Amalicnö Begleiter den Wagcnschlag und bog sich hinaus, prallte iudcß cutsetzt zurück. „Vclicbcu Sie, Gustav Nobeu, ganz ruhig auSzustcigcn, damit wir nicht in die uuaugeuchme Nothwendigkeit versetzt werden, Sie dazu zu zwingen." Um dieser Aufforderung noch mehr Gewicht zn verschaffen, ließ dcr Fremde, in dem wir einen dcr beiden Herren an« Bremen erkennen, den glänzenden Lanf einer Pistole sehen. Vcim Klänge dieser Stimme fuhr Amalicns Begleiter zusammen. Doch gab er sich noch uicht verloren, sondern öffnete den zweiten Wagcnschlag und wollte entspringen, allein hier erwartete ihn derselbe Empfang, „Was soll denn das ganze Arrangement?" rief er in dcr Hoffnung, die beiden Herren irre zu führen. „Der Angriff beruhet offenbar anf einem Mißverständnisse, deuu die Persou, derett Manien Sie zu uruueu bcliebleu, befindet sich nicht hier. Kutscher, fahre zn!" „Wcr sind denn dann Sie?" hieß es zurück. „Kciuc Ausflüchte, halten Sie uus uicht läuger auf, damit die Dame, die das Opfer Ihrer Ränke hätlc werden lüuueu, noch bei Zeilen heimkehrt, Kiluflighi» feien Sie vorsichtiger bei der Auöfilhriüig Ihrer übrigens schlau augelegle» Pläur, und vertrauen Sie Ihrc Gehcimuissc uicmaudem au, nicht einmal dem Papiere und der Post." „T>er Brief war also mein Verrälher! Adieu Zukunft, Miett Freiheit!" Hicmit stieg cr aus, wurdc vou den zwei Herren i» die Mitte genommen und einen nildern berritstchcndcn Wagen z" besteigen gcnöthigct. „Sic thuu gut daran," schloß dcr eine dcr Begleiter, „das Aufsehen zn vermeiden. ^ Auf diesc Weise verschwinden Sie unbcmerkt vom Schauplätze Ihrer neuesten Thaten und retten wenigNcns den Schein, da Sie hier glücklicherweise leine verbrecherische Spur zurücklassen. Fitr den Fall einer Gegenwehr vou Ihrer Scilc war mau schr gnt vorbereitet und ciu Entrinnen war gar nicht möglich." Dann rollte dcr Wagen iu der Nichtnng grgcn den Bahnhof fort. Bon den drei Iusasftu sah mau lciueu wieder; der gegen Mitternacht heimkehrende Kutscher crzählle, dic drei Herren hätte» sämmtlich Billete in der Nichtnng nach Wien genommen. Einige Spiclgescllschastcn vermißten den jungen „reichen" Fremden; da man iudcß nichts Genaueres übcr ihn wußte, so blicb er verschollen. (Fortsetzung folgt.)

(Fortsetzung.) Kehrcu wir zu Amalieu zurück. Bei der uuucrmuthet schnelleu Bcendiguug dcr Reise und bei dcr Entlarvung IhrcS Geliebten war da« unglückliche Geschöpf in Ohnmacht gesunken, I u diesem Zustande traf sie Albert au, dcr der Vcrabrcduug gemäß am Platze erschienen nnd Zeuge dcr Vorfälle gewesen war. Er begriff schnell den Zusammeuhang uud schauderte bei dem Gedanken an die Gefahr, welcher seine Anscrwählte preisgegeben war, denn cr zweifelte leinen Augenblick daran, daß die Dame im Wagcn sic fein müsst. Wie bang pochte ihm das Herz, als er sich das Glück vorstellte, mit ihr ganz allein in einem Wagen zu sein! Ein nie empfundener leiser Schauer durchrieselte seine Glieder, als cr dcn Schlag öffnete, um dcr Auscrwählten daS Räthsel — ein solches war ja für sic die cbcn vorgefallene Scene — z,i lösen und ihr zugleich ihrc Rettung anzutüudigen. Die Worte der Entschuldigung blieben ihm jcooch in dcr Kehlc stecken, als er sie ohnmächtig, fast lcbloö dasitzen sah. „Knlscher," rief cr, „fahre zu, was dic Gaule laufe» können! cö wartet Dauer ein doppeltes, dreifaches Trinkgeld. Zurück »ach dem Orte, woher Dn die Dame gebracht." Der Angerufene hatte mit offenem Muudc sprachlos den Vorgang mitaiigcschcn, ohne sich das Vorgefallene crlläreu zn können. Er war für eine längere Fahrt gemiethet worden und schien jetzt schr zufrieden, als ihm der licrcitb bezahllc Betrag nicht uur nicht j zurückgefordert, sonder» noch ein bedeutendes Trinkgeld iu AuS

ficht gestellt wurde. Daher hieb cr auf feine Rappen ein, daß sie mit Aeolns um die Ncttc rannten. Dic dnrch das schnelle Fahrcu bewirkte Erschütterung brachte Ninalie erst zur Besinnung. „Wo bin ich?" rief sic, verwirrt nin sich blickend. „Seim Sie ohne Furcht, verehrtes Fräulein," erwiderte Albert beruhigend; „Sie schwebten in cincr großen Gefahr, 5er Sic dnrch Gottes Fügung glücklich entronnen sind." „Und wir kommen Sie hichcr?" „Entschuldigen'Sie, Fräulein, meine Kühnheit, allein da anßcr mir niemand da war, Sie in ihre Wohnnng zurückzu« bringen, so unterzog ich mich dicscr für mich eben so angenehmen, als ehrenden Anfgabc." „Das Vorgefallene," sprach Amalie indignirl, „war also eine abgekartete Sachc! O, ich weiß, daf; Sic mich mit Licbcöanträgcn verfolgen, doch, inci» Hrrr, Sie irren sich gewaltig, wenn Sie auf diese Art Ihren Zweck zu erreichen glauben. Visher habe ich Sie nur bedauert, jetzt verachte ich Sie!" „Gönnen Sie mir nur ein Wort der Rechtfertigung nnd Verdammen Sie ,nich nicht ungehört. Ihr vielleicht gegründeter Verdacht verwundet meinc empfindlichste Seite. Ihr bitteres, nngercchtc« Urtheil wlirdc sich ändern, wenn Sie nur die leiseste Ahnung gehabt hätten von dcr über Ihrem und Ihres Vaters Haupte schwebenden Gefahr. Hier der Beweis meiner Bchanptung. Geruhen Sie diesen Brief zu lesen, fobald Sic in Ihrer Wohnung angelangt scin werden." „Mein Gott, was sagen Si.? Soll ich Ihncn glauben? Sollte dicscr Mensch wirtlich ein Betrüger gcwcscn sciu? Ach. Niein Vater! er wird mich bereits vermißt habcn. Scin Zorn wird fürchterlich scin. Und dann Er! " — Sie sank in die Kissen zurück und brach in Thränen aus. Für Albert war die Situation unerträglich. Sollte er sie trösten? ! Der Augenblick war ohne Zweifel dazu der unpassendste. Deshalb hielt er es für das Klügste, sie ihren eigenen Gefühlen zu über» lassen. Indessen war mau, Dank dem in Aussicht gestellten Trink« geldc, uor Amalicns Wohnung angelangt. Der Kutscher halte der Weisung gemäß den Ncg nach dcr Gartenseite gcuonnncn und hielt vor der Thüre, welche der Fremde zu schließen vergessen hc.tte. „Wir sind am Ziclc, verchrtcs Fräulein," sprach Albcrl, sich erhebend nnd den Kutschcuschlag öffnend, „belieben Sic anzusteigen nnd sich in Ihr Gemach zu verfugen." Mechanisch und willenlos folglc Amalic dcr Aufforderung und verschwand im Gartcn, nachdem sie dic Thüre hiutcr sich verschlossen. Albert sah lhr tramig nach und folglc der abfahrenden Chaise nur langsam, denn das Wagrugerasscl war ihm höchst widerwärtig; cr wiihltc deshalb zu seinem Wege die stillsten und dunkelsten Gassen. Es begann in seinem Innern die goldene Morgenröthe srohcr Hoffnungen anzubrechen; uun hatte cr leinen Nebenbuhler, wenigstens leinen begünstigten, zu fürchten und hoffte wegen dcr anderen günstigen Chancen für scine Liebe daö Bcstc. Amalic schritt in unbeschreiblicher Geisteszrrrilltung durch den Gartcu. Ein Chaos der widerstreitcndsten Elnpfiuduügctt stürmte auf sie ein. Vor allem fürchtete sie die Strenge ihres Vaters, über dessen Haupt sie Schmach uud Schande zu bringen im Begriffe gewesen. I m Bcwnßlscin ihrer Schuld beschloß sic, alles geduldig zu ertragen, da sie die Strafe doch verdient hatte. Sie vermuthete, das gauzc Hanö in Unordunng zu finden, dcnn dcr! Vater nnchtc ihrer Vermuthung nach aus dcr Abendgesellschaft^ bereits zurück scin. Zu ihrem nicht gcriugeu Erstaunen herrschte, völlige Ruhe und au dcr Treppe harrtc ihrer dic alte Dienerin' mit dem Lichtc in dcr Hand. „Hcute sind Sie, Fräulein," rief sie ihr entgegen, „nnge« wohnlich lange im Garten gcblicbcn. Sic müssen sich sehr hüte», die Nachtlnft lönutc Ihrer Gcfundhcit nachlheilig werden!" Beruhigt durch diescn freundlichen Rath, dcr eine völlige Untcuntniß des Geschehenen vcrncth, betrat Amalic die Gemächer, worin allcö noch in der vorigen Ordnung war. Ihr Vater war also noch nicht nach Hanse gekommen. Sofort uahm sie den im Sccrctair liegenden Brief wieder au sich, warf sich erschöpft aus ciu Softha und überließ sich trüben Betrachtungen. Plötzlich erinnerte sie sich dcS von Albert empfangenen Papicrcs; sie zog dasselbe aus dcr Tasche und warf eine» Blick auf die Adresse. „ S eiuc Schriftzilge!" rief sie verwundert und öffnete das Villct. Wir wollen unseren Lesern dcn Inhalt desselben nicht liingcr vorenthalten. Es lautete, wie folgt: „Sauberer Kumpan und getreuer Bundesgenosse l Durch die Zeitungeu erfahre ich, daß Du im Hafen vo» Tricst vor Anker gegangen. Du wirst vielleicht nicht die entfernteste Ahnung davon haben, daß ich ir. Deiner uumittelbaren Nähe mich aufhalte. Sc> sind die Wege des Schicksal«! Als Du mit der halben Beutc an Bord in die See siachcst, vergaßest Du eine ganz winzige Kleinigkeit, nämlich mich mitzunehmen. I n Folge Deines vergeßlichen Charakters hatte ich einen sehr harten Stand. Mau entdeckte mcinc Abwesenheit und das Deficit erstaunlich schnell und ich wurde scharf verfolgt. Zum Glücke glaubte mau mich aus dem Wcgc nach Amerika, nnd fo gclang es mir, Daut den Goldfischen unseres geu'.ciuschaftlichcii Patrons, landeinwärts zu entfliehen. Nach verschiedenen Kreuz- uud Qucrzügcn erreichte ich Laibach, wa ich, wcil mciuc Geldmittel bereits aus die Neige gingen, mcinc Netz? nach eiucm neuen Fange auswarf. Nach einigen frucht, loscu Versuchen zapptllc eiu Goldsifchlein. die Tochter eines reich«,, dickbäuchigen Rentiers, darin, und ich hatte die schönste Aussicht,

ein reicher Familienvater zu werden, als plötzlich zwei Ereignisse einen Strich durch meine Rechnung zogen. Das Einc ist die Abneigung des Vaters meines Fischleiuö gegeu eine Verbindung mit einem iiubeianntcn, wenn auch reichen und adeligen VanquierSsohu — beide Titel hatte ich mir beigelegt — daS andere die fatale Entdeckung, daß mein Aufenthalt hier, wo ich mich für ganz sicher hielt, bereits anöspiouirt worden ist. Hättc mich auch der erstere Umstand nicht im Geringsten abgeschreckt, so nöthiget mich doch dcr zweite, energische Maßregeln zn treffen. I n Folge meiner Ucbcrredungstunst nnd durch einc nachdrücklich.,' Appellation nn die Liebe mciner einfältigen Zierpuppe brachte ich es so weit, daß sie sich zu einer Flucht mit mir entschlossen hat. War ich vorher entschlossen, sie dringenden Falls zu heirathcn und uach einer Weile mit ihrem Vcrmögcu in der Tasche zn verschwinden, so änderte ich jctzl meinen Plan, zn dessen AnSführuug ich jetzt Deiucr Hilfe bedarf. I u dcr Ueberzeugung, daß Du mir, natürlich gegen die üblichen Procenlc, selbe nicht versagen wirst, theile ich Dir meinen Plan mit. Morgen Abends uach Einbruch dcr Nacht fahre ich iu einer gemietheten Equipage mit meiucm Täubchcn biö Ndclsberg und will mich uou dort erst mittelst der Eisenbahn uach Trieft befördern lassen, um so jede Verfolgung wenigstens vorlänsig zu vereiteln. I n Trieft angekommen, besteige ich Dein Schiff uud richte von dort ohne Angabc des Ortes einen Brief au den Rentier, des Inhallcs, er lönuc seine Tochter gegcu eine bcdcntendr Summe, dir er an cincm nährr bezeichneten Orte dcpomrcn wolle, auslösen. Der zärtliche Vater wird sich natürlich oce'lcn, meinem Wunsche zn entsprechen, denn st'inc Tochter ist sm, Augapfel. Habe ich das Geld in Händen, so bleibt eö mir natürlich freigestellt, das hübsche Ding zn meiner Unterhaltung zn behalten, oder zurückzuschicken; ans Deinem Schiffe wird mau sie wohl znletzt suchen. Und zudem stechen wir nach Empfang des Gelbes möglichst bald in die Src, nnd jede Verfolgung ist unmöglich. Wie Dn auö diefcm lurzcn Programme ersehen lauust, verspricht dcr Handel einträglich zu werden nnd ist nebenbei mit keiner Gefahr verbunden. I n dcr znvcrsichtlichen Erwarlnng, daß Du meinem Wunsche in allen Pnukteu nachkommen wirst, verbleibe ich l»ö ans Weiteres Dein alter und erprobter Freund Gustav Robeu. Amalic mußte alle ihr zu Gebote stehenden Kräfte auf« bicteu, diesen schändlichen Brief zu Eudc zu lefcn. Dann saut sie bewußtlos iu das Sopha zurück, dcr Vricf eutficl ihrer kraftlosen Hand nnd glitt an dem Reisctleid hinab zn Boden. I n diesem Znstandc fand sie ihr nm Mitternacht ans dem Kreise sciucr Freunde in ziemlich wcinscliger Lauuc heimkehrender Vater, dcr durch den Poeten heute ganz besonders unterhalten worden war. Nicht gcriug war scm Schreck über bcu Znstand feine« einzigen Kindes; zuerst siel scin Älick anf das am Boden liegende Papier; er hob cö anf, und dcr Inhalt tlärte, ihn über das während feiner Abwesenheit Vorgefallene anf. Ein Räthsel blieb ihm nur uoch der Umstand, daß seine Tochter sich noch hier befand. Diese schien in jrucn Zustaud verfallen zu scin, dcr zwischcn Wachen und Träumen die Mitte hält. Allem Anscheine uach zogeu düstere Bilder au ihrem Geiste vorüber, denn das arme Kiud stöhnte uud ächzte, wie in Todeözuckunge». Um sie dicsci qualvollen Lage zu entreißen, suchte sie dcr alte Herr aufzuwcckeu. Es gelaug ihm. Sobald Amalic zum Bewußtsein kam und ihren Vatcr erblickte, fcnlte sic die Augen zu Boden und schluchzte überlaut. Dem gutmüthigen Rentier, dessen Wcinlaunc plötzlich verschwunden war, traten gleichfalls Thränen in die Augen. War er auch ein vortrefflicher uud strenger Vater, ein hartes Herz besaß er nicht. j „Was ist Dir begegnet, mein Kind? begann er, ihre zitü ternde Hand fassend. Dn hast Dich doch nicht so wcit vergessen, daö Haupt Deines alten Vater« mit Schmach uud Schande zu bedecken? Sollte daö dcr Fall sein, dann wchc Dir! Mein Fluch —" „Halt eiu, Vater!" rief Amalie fchluchzcud, „fprich das Wort nicht aus, noch habe ich es nicht verdient. Ich habe mich zwar schwer gcgrn Dich versündigt, doch dafür bin ich ja gestraft genng. Vor Gott stehe ich noch rein da!" „Dann komm an mein Herz, mein armes Kind! Ich wußte ja, daß mein einziges Kind nicht so ehrvergessen scin kann, um seinem Vater im Alter Schmach und Schande zu bereiten. Du mußt heute vicl gelitten haben," fnhr cr, sie betrachtend, fort. „Wo ist der Elende, daß ich ihn zermalme und ihm für künftighin dic Lust benehme, dergleichen verruchte Pläne zu schmiede»?" „Ich weiß es uicht, doch cutsiune ich mich, daß cr, durch zwei Männer gezwungen, den Wagen verließ. Was weiter vorsiel, weiß ich nicht, denn ich fiel in Ohumacht." „Erzähle, erzähle alles, mein theuerstes Kiud!" drängte dcr Alle. „Als mein Bewußtsein zurückkehrte, saß ncbm mir n„Waaei! jeucr juuge Mann, dem Dn bei einer Gelegenheit seine Zudringlichkeit mit scharfen Ausdrücken verwiesen. Albert heißt er. Sofort cutfchnldigte er sich nnd übergab mir diesen Brief, der mir über alles Anstlärnna, geben sollte. Und wahrlich, eine fürchterlich? Aufklärung!" (Schluß folgt.)

(Schlich.) „Danlm wir Gott, dast cr die Pliiue dieses Schurlm nicht grlniaM ließ." So sprach dcr Rentier, dcr gleich vielen seiocö Gleichen den gnteu Glauben halle, das; Gotleö Hand öslerö iu daö Getriebe der mruschlicheu Werte fürderud oder hindernd eingreift. Dann fuhr cr fort: „Allem Ausch'-inc uach hat jeuer juugc Maun einen nicht uubedcutcudeu Authcil au dcm RcttlmaMerke. Wir miisseu ihiu dautbar sciu uud diese Daulbarteit uichl mit bloßen Nortru beweisen. Doch D u bist erschöpft, mciu Kind, begib Dich zur Ruhe, die Dir so uolhweudig ist." Amalic befolgte den guten Rath ihres uoch besseren Vaters. Was diesen selbst anbelangt, so änßcrtc cr sich am folgenden Tage, schou lange leine Nacht so lang gesunden zu haben, wie dic vergangene. Am folgende» Tage war cö feine crslc Sorge, sich vou dcm Vefwdeu fciucr Tochter zu iiberzcugcn; beim Eiutritte iu daö Cchlafgemach crschrack er uicht wenig iibcr ihr blasses Anösehcn nnd ihr ganzes abgcspauutcs Wesen. Der schleunigst hcrbcigcrnWe Arzt crllartc, daß cin Nerveusieber im Anzüge sei und das Fräulein vor allem sorgfältiger Pflege und Schommg bedürfe, wcnu sie auflommcu solle. I u der That ließ es dcr besorgte Vater an lemcr uou beiden fehlen, er wich nie von ihrem Vettc, außer am ersten Tage, wo er Albert aufsuchte, um ihu persönlich wegen seilic« früheren barschen Veuchmeuö um Vergebung zu bitteu und ihm für die Rettung smicö einzigen Kindes zu daulcu. Äu der abendlichen Tafclrnnde erschien er anch uicht ,uehr, was von den andern Stammgästen nin so schmerzlicher riuftfuudeu wilrde, als sie ihu gelräutl zn haben glaubten, N i r suchen wieder Albert und seinen Freuud, dcu Poeteu, ans. Wir treffen beide aui Abende des folgcudeu Tages au dem gewöhnlichen Platze in der Strrnallec. Das Gesicht dcö ersteren trägt einen heiteren Ausdruck, währcud dcr lrtzlcrc sich gleichgeblieben ist. „Also der Nculicr," fährt der Port im Gespräche fort, „hat Sie mit eiucm Besuche überrascht. Mein Freuud, Ihre Actieu steigen, wruu man auch darauf uicht viel baueu soll; sie können nämlich wieder falle». Doch fassen Sie Mulh , das Fcld ist rcin, nur geschielt dcu Angriff begonnen!" „Leider ist das jetzt gar uichl möglich. Amalic ist durch die über sie hcrciugebrllchenen Ereignisse so sehr erschüttert, daß sie vuu einer Krauthcit befallen ist." „Wird uicht von Vcdeutuug sein. Die Frauen habeu schwächere Nerven, alö wir Männer. Deshalb wcroen sie auch eher augcgriffeu, erholen sich jedoch eben so schnell. UebrigcnS wären Ihre Werbungen jetzt gar nicht am Platzc, ja Sie tömttcu sich dadurch allcö verderben. Zuerst muß die blulrudc Wuudc des HerzcuS Heileu, dann wird dieses für andere Eindrücke wieder empfänglich werden. Apropos! Vergessen sic des Bricfcö uicht!" „Nichtig, da ist cr! Wozu bcdürscu Sie desselben? Wollen Sie ih» zum Nndcnlcn anfbcwahrcu?" „Nein, Freund! Derselbe muß nach Bremen geschickt werden, um als Beweis gegen den schmlischen Fremden zu dieueu." „Unschätzbarer Freund. Sie sind der Urheber meines Glückes, nnr Ihrem Scharfsinne uud Ihrer Anfopfcruug habe ich es zu daulcu, daß ich meinem Ziele näher gerückt biu. Uud doch treten Sie Ihren ganzen Antheil au dcm Nettungswerlc zn mciuen

„Meiu gauzes Verdienst ist nicht dcr Rede werth! Und, nnter uus gesagt, mciuc Haudluugsweise uud die Art,' wie ich die Beweise erlangte uud dem beabsichtigten Betrüge ans die Spnr lam , ilt miudcstcus verwerflich, so daß ich mich dereu schämen sollte. Ich spielte die niederträchtige Rolle eiurö Iutriguauteu, ja eines feigen Spions, denn ich traf meinen Feind rllckliugs, offeu trat ich ihm uic unter die Augcu, uud uoch zu dieser Sluude leilNt er seinen eigentlichen Feind nicht. Ein derartiger Sieg ist cin schmählicher, dic Mittel dazn zum mindesten verächtlich, nnd nnr der Gedanke, Ihnen gedient nnd den Verbrecher dcm Arme deS Gesetzes überliefert zn haben, kann mich einigermaßen erheben. Deshalb, jnnger Frcnnd, habe ich für Sie mehr gethan, als Sie glanbcu, dcuu ich habe mich Ihretwegen in meinen eigenen Angcn sehr lief herabgesetzt. Und, glauben Sie mir, niemand ist elender, als derjenige, der sich selbst verachten muß!" Albert sah die Wahrheit des Gesagten nud die Große des Opfers ein und drückte seinem Freuudc stumm die Haud, dann fuhr cr mit sehr bewegter Stimme fort: „Nie, so lauge ich lebe, werde ich Ihrer vergessen. Kann ich Ihnen jc nützlich sein, so zählen Sie unter allen Umständen auf mich. DaS schwöre ich Ihucn beim Andenken an den gestrir gen Tag." „Schwören Sie nicht, Frenud!" sprach dieser lächelnd. „Des Menschen Gemüth ist wandelbar, vergeßlich sein Sinn. Ucbrigcus wünsche ich Ihnen den beste» Erfolg. Waö mich anbelangt, so ziehe ich Morgen nach Obcrlrmu, um ein Paar Mouale auf Ge: birgen hcrumzuklettcru und dic Schouheileu unseres Vaterlandes zu bewundern. Treffe ich Sie bei meiner Rückkehr noch hier, so will ich Sie anfsuchen, wenn nicht, mm dann — leben Sie wohl!" Und fort war er. Albert sah ihm mit wehmüthigen Empfin« düngen uach, sein Herz war znul Zerspringen voll, cr sah seine» .besten Freund scheide». Bald vermißte man dm Poeten iu dcr Sternallcc uud iu den Cafts, wo er als ciu stets „flotter" Geist uud „vortrefflicher Brotsitzer" seinen Platz so gut ausgefüllt hatte. Allein die Ein» drücke sind sehr seicht uud uach wcmgc» Woche» war seine, Abwc« smheit taum mehr bemerkbar, nur seine iutimsteu Freunde und gewesenen Studiengenosson sprachen noch dcmu uud waun von ihm , als einem „Helde n dc r Stcrnall c e."

Schluß.Uredi

Seit den zuletzt geschilderten Ereignissen sind über sechs Monate verflossen. I n dcn Badeorten waren bereits alle Anstalten ! zur Aufnahme uud VcPlemllchtcil der Cnrgästc getroffen, von j denen trotz der uoch uicht sehr hcißcu Temperatur bereits cinc bedeutende Anzahl erschienen war. Der llciuc, aber nicht« desto weniger von allcu anten und schlechten Poeleu nach jeder Seite hin saltsam besungene Ort Vclde « erfreute sich rbeufallö einer, wenn auch nicht großcu, so doch sehr gemischten Auzahl von Gästen au« allen Schichten dcr nieuschlichcu Gesellschaft. Hier plauderte ciuc Gruppe juugcr uud alter Herren nnd Damen, dort amüsirtc sich ciu splcensilchtia.es Engländerpaar mit dem Fange kleiner Fische, dort wieder betrachtete cinc andere Onlvpe durch Perspective, Stecher, Operngucker u. s w. das imposante Panorama dcr im Hintergründe aufgethürmtcu Gebirge, während eine vierte Gruppe cS vorzog, über den ruhigen Wasserspiegel des blaum See's dcr Insel zuzusegcln. Unter dcr lctztcrn finden wir vclcnmte Persönlichkeiten. Icuer beleibte Herr am Vorderthcilc dcr breiten, fast unförmigen Barte, der fortwährend in Gefahr schwebt, das Gleichgewicht zu verlieren , uud deshalb die goldene Mitte zu behaupte» strebt, isi dcr gemüthliche Ncutier, dessen Vctauntschaft wir au dcr Tafelrunde gemacht. Jenes zarte Wcscu von schwärmerischem Auöschcu, wcuu auch uoch etwas blassem Taint , welches all der cincn Seite dcs Tischchens auf dcr schmalen, schwaukcudcu Vcml Platz genommen, ist dcs erstere» Tochter, die amuuthige, liebreizende Amalie, uud der dritte ihr gegenüber befindliche, vou Glück strahlende junge Maun ist, so unglaublich cs auch scheinen mag, ihr Vcrlublcr Monsieur Albert. Halt, halt! Ich lasse mich uicht dupiren! Gott bewahre! Es ist die reine Wahrheit. Hören Sie : Alnalic war iu Folge dcr Ereignisse jruer 9cacht heftig erkrankt. Trotz der zärtliche» Pflege vou Seite der treucu Dienerin hielt die Kraulheit hartnäckig an , weil sich, wie dcr Arzt ganz richtig vermuthete, zu dem leiblichen Uebel uoch ein geistiges Leiden gesellt hatte. Auch fürchtete sie, zum Gegenstände des Stadtj gcsprächcs zn wcrdcn, uud alle Vcrsichcruugcu, daß ihr Abenteuer ^ iu der Stadt durchaus unbctauut sei, weil die Vorlehruugcu allzu gut getroffen wordcu waren, kouutcu sie uicht ganz beruhigen. Eiucs Tages ertuudigtc sich dic Kraulc, die bereits der Besserung cutgcgcngiug, gauz uiwcrmulhet, ob dcr junge Manu, dcr sie gerettet, uoch iu Laibach wohue. Dcr Alte, dcr alle ihre Wiulc zn erratheu sich bemühete, sah darin ciue Audcutuug, Albert zu ciucni Vcsuchc cmzuladcu, ciu Wuusch, dcu dcr letztere uach eiuigeu schüchtcrucu Eiuwcudungcu zu erfülle» sich beeilte. Bei seinem Eiulritle ruhcte Amalic auf ihrem Fauteuil. Ih r Autlitz trug deutliche Spuren dcr ansgrstaudeucu Leiden, dcr Tciut zcigtc eine beinahe durchsichtige Blässe. Gerade dicse fast überirdische Erscheinung au ihr fesselte Albert und bezaubcrtc ihu so sehr, daß er ganz verwirrt, wie ciu Schultnabe, vor ihr dastaud, ohue auch nur eiu Wort hcrvorbriugeu zu köuucu. Der Neulicr, dcr uutcrdesseu seiuc Ansichten zu Guusteu Alberto gcäudcrt halte, zwar nur iusofcruc, als es Amalie, seiu liebes, armes Kind, auch gcthau hatte, klopfte ihm auf die Schulter und zog iliu mit sciucm gcwöhulichcu derben Weseu in ein Gespräch. Albert blieb laugc, tam dauu öfter, je mehr sich Amaliens Zustaud besserte, uud ward endlich dcr vertrauteste Hausfreund. Dic Eisrindc, dic dcs MädchcuS Herz seit jenem Ereignisse < Hingab, thaute allmählig auf, sie selbst begann wieder zu lcbeu, was deu Altru derart cutzüclte, daß er einmal plötzlich Albcrt in sriue Arme schloß uud ihu zum zwcitcu Male de» Netter sri»rö geliebte» Kiudes uanute. Dieser gab sich iudrß alle nur cr> deutliche Mühe, das Andeuten au sciucu einstigen Nebenbuhler aus dcm Sinne Amalieus zn uerdräugcu. Es gclaug ihui uur allmällg, dru» der Eindruck der rrstcu wahrru Liebe ist schu>er vertilgbar. Hier war indeß das Gefühl dcS Hasscö gcgcu dcu Betrüger stärker, als das dcr Liebe, uud so fanden Alberto Worte uud sei» schätzcuswcrthcr Charakter bei dem Mädchen volle Würdigung. Dazu gesellte sich auch das Gefühl dcr Dautbarlcil. Beide wurden Freunde nud Uou der Freundschaft bis zur Liebe, ist bckauutlich nur Eiu Schritt. Dem Ncutier war dieses teiueswegs eutgangeu, doch hütete er sich, ciu Wort dcs Mißsallcus zu äußern, theils, um sciu Kiud uicht uoch ciumal dcm Tode nahe zu briugeu, theils wcil er jetzt Alberts vich'eilige Keuutuisse lcuucu gelernt hatte. Sollte er daher seinem Kiudc gcsalleu, so solllc sic ihn seinetwegen habe». Unterdessen war die Vadc-Saison hcraugckomuieu, nud da der Arzt ciue Luftvcrändrruug augcrathcu hattc, so beschloß dcr Neu« tier, dcu Sommer uud cincu Thcil des Herbstes in Bädcr» zuzubringen. Da fand sein Kind Gelegenheit, sich zu zerstreuen, waS für ihren Zustaud sehr nothwendig erschien. Dic TrcnuuugSstuudc uahctc Hera». Dic beide» juugcu Leute sahcu ihr mit Vaugcu entgegen. Es galt vielleicht Scheideu sitr immer, den» der Ncuticr wollte keinesfalls nach Laibach zuritt tommcn, soudcru ciu Laudstädtchcn oder ciue größere Stadt W Steicrmarl zu soiucm Aufcnthalte wähle». Bisher hatten sich die juugeu Leute ihre gegenseitige Nelguug noch uicht gcstaudcu; solche Momcutc, wic dcr besprochene, siud iudeß gewöhnlich dic cutschridcudcu, dcun die bisher sorg' faltig verheimlichten Gefühle brcchcu sich da gewaltsam Bah«. (Diescö passirtc auch uuscrn Licbcudeu. Beim Abschiede tonnte keiner ein Wort hervorbringen; Plötzlich sprang Amalic ans Albert zn, umarmte ihn uud begann beinahe zu schluchzen. „Nun, nun, mein Mildcheu!" licß sich plötzlich die Stumm des Nenlicrö aus ciuem Nebenzimmer vernehmen, wo er nngesrhrn die Scene beobachtet hatte, „Mach lein so saures Gesicht! Wollt I h r bei cinmidcr bleiben, nun — so bleibt meinetwegcu, vorausgesetzt , daß dcr jimgc Frrund Zeil dazu hat, nm mit uuö nach Veldeö zu ziehen. Ui r wullcu schon dasür surfen, daß er Urlanb auf uubchiüimtc Zeit erhält. Ist'S so recht, Kinder?" .tteiucö von bndcu touutc vor Rührung eiu Wort spreche»; Amalie fü'l ihrem Vater um deu Hals, wn'hrend das Gesicht Alberts vor Freude, strahlte. Deö andern Ta^'ö wurde die Reise cnMtrelen, nnd so gelangten alle glücklich nach Prldl'ö, wu sie cine lielicbiss lauge Z'.'it zu verweile» gedachten. Das; den beiden übenden hier die Zeit immer zu kurz war, brauchm wir kaum zn erwähnen, eben so wenig ist eö zu bezweifeln, daß dem alte» Herrn seine Lieblings Gerichte auch hier cbc» ganz vorzüglich schmccllen. Und jetzt?! Jetzt lebt das junge Paar vereint und cMcklich i» einem Städtchen Stciermarks. Dcr Rentier ist zum c,emüthlichen Schwiegervater gewordeuund liißt sich dieZcituncMrtilcl von seinem Schwiegersohn erplicircn, der darin bereits cinc erslannliche Uebung erlang! hat, schmaucht gelassen seinen iinaskr ans dem beliebten Meerfchcmml'opsc und läßt seine Augen mit besonderem Wohlgefallen auf dcil kleinen ruudcu Händen seiner Tochter ruhen, welche eifrig beschäftiget sind, einem halbvollcudcten Kindcrhäubchcn eine nllrrlicbslc Form zu gebcu. Anü Laibach erhält die glückliche Familie häufig Äricfe von Fanny, die jetzt nicht mehr Grund Hal, über dm Mangel an Liebe von Seite Ihres Manneö zu llcuM, dem, derselbe hat sich zur grüßten Freude des Onkels vollständig gcbessert, alö er daö Schicksal semes gewesene» Freundes erfahren haue. Ende .