Lehrgebäude der slowenischen Sprache im Königreiche Illyrien und in den benachbarten Provinzen

Lehrgebäude der slowenischen Sprache im Königreiche Illyrien und in den benachbarten Provinzen
Stara slovenika
Franc Serafin Metelko
Grammatik der slavischen Sprache in Krain, Kärnten und Steyermark
Spisano: Ljubljana, 1825.
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do strani VI

Lehrgebäude
der
Sloweni∫chen Sprache
im Königreiche Illyrien
und in den benachbarten Provinzen.

Nach dem Lehrgebäude der böhm. Sprache des
Hrn. Abbé Dobrow∫ky.

Von
Franz Seraph. Metelko,
k.k. Profe∫∫or der Sloweni∫chen Philologie am Lyceum zu Laibach,
Domkatetcheten und wirklichen Mitgliede der k.k. Landwirth∫chafts=
Ge∫ell∫chaft in Krain.

Laibach, 1825.
Gedruckt bey Leopold Eger, Gubernialbuchdrucker.


Vorrede

Die Wohn∫itze der Slawen oder Slowanen, Slo=
wenen (Slováne, Slovéne, im Singular Slován, Slovén)
er∫treckten ∫ich ∫chon um das Jahr 550 von der Stadt Ro=
vidunum am Ausflu∫∫e der Donau über den Dnie∫ter bis an
die Weichsel. Jordanes, der dieß bezeuget, nennt sie nicht
nur Slawinen und Anten, wie der Grieche Prokop,
∫ondern auch Winden (Vinidarum natio populosa), an
andern Stellen Weneten (Veneti), weil ∫ie zu ∫einer Zeit
diejenigen Länder zwi∫chen den Karpathen und der O∫t∫ee ein=
nahmen, in welche Tacitus die (deut∫chen) Wenden ver∫etzt
hatte. So ging al∫o der geographi∫che Name des Wenden=
landes auf die Slowanen über, der noch heute auf den
Wenden in der Lau∫itz und den Winden in Steyermark,
Krain und Kärnten haftet, wenn gleich die Slawen ∫elb∫t
in ihrer Sprache die∫e Benennung nicht kennen. Eben dieß
gilt von dem zweyten fremden Namen Anten, der den
ö∫tlichen Slawen an den Kü∫ten des ∫chwarzen Meeres von
Prokop beygelegt wird, der ∫ich aber ∫chon im 7ten Jahr=
hunderte wieder verloren hat. Man erlaube mir mit den
Worten des Herrn Recen∫enten der Altslaw. Gramma=
tik vom Abbé Dobrow∫ky (aus den Wiener=Jahrbü=
chern der Literatur siebenzehnten Bandes 1822) fortzufahren.

"Wir dürfen als bekannt voraus∫etzen, daß der ∫lawi=
∫che Volks∫tamm ∫o alteuropäi∫ch i∫t, wie z.B. der deut∫che
u.a.; daß dazu 1) die heutigen Ru∫∫en, 2) Polen, 3)
Wenden, 4) Böhmen mit ihren Nebenzweigen, den Mäh=
ren und Slowaken, 5) die Windi∫chen in Kärnten,
der Steyermark und den we∫tlichen Komitaten Un=
garns (bis nah' an die Thore Wiens, de∫∫en Wochen=
märkte ∫ie be∫unchen), die Krainer (mit Ein∫chluß von Görz
und Trie∫t), und die Provinzial=Kroaten, 6) die
Bulgaren, 7) die I∫trianer, Dalmatiner, Ragu∫aner, Mon=
tenegriner, Herzegowiner, Boßnier, Serben, und die längs
der ö∫terreichi∫chen Südgränze und dem anliegenden Provin=
ziale von Kroatien, Slawonien [.?.] ange∫iedelten soge=
nannten Illyrier gehören; daß alle die∫e zu∫ammen über fünf=
zig Millionen Seelen ausmachen, die aber den ver∫chieden∫ten
Staats= und Religionsge∫ell∫chaften angehören. (Sogar mo=
hammedani∫che Slawen z.B. ∫ind größtentheils die Boßnier).
In der gegenwärtigen Aufzählung ∫ind ∫ie nach ihren Haupt=
mundarten numerirt."

"Ihren Charakter, wie er ∫ich aus der Ge∫chichte er=
gibt, hat der geniale Herder (in ∫einer Philo∫ophie der
Ge∫chichte der Men∫chheit) am wahr∫ten erkannt und ge=
würdigt; auf den wir daher in die∫er Hin∫icht verwei∫en."

"Wenn wir auch vor der Hand und bis auf weitere
Belehrung, der neue∫ten Annahme folgen, daß die alten
Pannonier und Illyrier keine Slawen gewe∫en, ∫ondern die
eigentlich ∫lawi∫che Ge∫chichte er∫t mit dem ∫echsten Jahrhun=
derte nach Chri∫to beginnt (als die Slawen, die Donau
überstzend, mit den Byzantinern in Berührung kamen),
∫o ∫ind doch nach die∫er neue∫ten Kritik die karantani=
∫chen Slawen an der obern, und die bulgari∫chen
an der untern Donau die älte∫ten Niederla∫∫ungen der Sla=
wen im Süden (der Donau). Erst ein Paar hundert Jah=
re darauf folgten die Kolonien der Kroaten und Serben."

"Das Chri∫tenthum, und in ∫einem Gefolge die Kul=
tur, kam zu die∫en Süd∫lawen zuer∫t über Aquileja
und Salzburg her."

"Aber um das Jahr 863 er∫chienen (nach einigen
Chroniken, in Folge einer Ge∫and∫chaft dreyer einheimi∫cher
Für∫ten, Ra∫ti∫law, Swetovolk und Kozel (*), an
den Hof von Kon∫tantinopel), zwey Griechen aus
The∫∫alonich, die Gebrüder Kon∫tantin und Me=
thodius, in Pannonien, und gewannen des Volks
besondere Zuneigung durch Einführung des Gottesdien∫tes
in ∫lawi∫cher Sprache, zu deren Schreibung ∫ie, mit
echter Ein∫icht in's We∫en der Schreibkun∫t, das griechi∫che
Alphabet mit einigen neuen Buch∫taben, zur Bezeichnung
der den Slawen eigenthümlichen Laute, verwehrten. (Be=
kanntlich wün∫chte Leibniz eine ähnliche Vermehrung des
lateini∫chen Alphabets, um alle Sprachen damit zu
∫chreiben; wozu es früher oder ∫päter wohl kommen wird
und muß)."

Die deut∫chen Bi∫chöfe klagten in Rom gegen die∫e
griechi∫chen Eindringlinge und Neuerer aber der Pap∫t Jo=
hann VIII. "belobte mit Recht die ∫lawi∫chen Buch∫taben
(literas slovinicas jure laudamus), und be∫tellte einen
der beyden Brüder, Method, zum Erzbi∫chof in Pan=
nonien und Mähren. (Der kränkliche oder alte Kon=
∫tantin ging unter dem Namen Cyrill in ein Klo∫ter,
wo er bald nachher ∫tarb)".

"Method wirkte über vier und zwanzig Jahre als
Erzbi∫chof in Pannonien und Mähren (dieß i∫t aus
Briefen der Päp∫te und anderen Quellen erwie∫en; während
Cyrill's Bekehrung der Cha∫aren, und der Bulgaren
in den Legenden er∫t die Sichtung der Kritik erwartet)".

"Bey die∫er Gelegenheit können wir im Vorbeygehen
die gewöhnliche Angabe, daß die ∫lawi∫che Bibelüber∫e=


(*) "Kozel ∫chreibt ihn derSlawe Ne∫tor, die fränki∫chen
Chroniken Hezilo. Auch Kozel klingt nicht ∫lawi∫ch, und dürfte
aus Hezilo (Heinrich) verdorben ∫eyn. Konnte der deut∫che Pa=
tron Arnulph ∫einem Sohn einen ∫lawi∫chen Namen (Sweto=
volk) geben la∫∫en, um wie viel mehr der ∫lawi∫che Schützling
Privina dem ∫einen einen deut∫chen."


tzung von Cyrill herrühre, dahin berichtigen, daß nicht
das ganze Corpus Bibliorum für ∫ich, ∫ondern nur jene
Stücke zu Cyrill's Zeit über∫etzt worden, die daraus in
die Kirchenbücher aufgenommen ∫ind: die Evangelien, Apo=
∫telge∫chichte und Briefe, dann der P∫alter und einzelne Lek=
tionen aus den übrigen Büchern des alten Testaments; und
dieß nur als Be∫tandtheile der Kirchenbücher. Dieß
i∫t ∫o wahr, daß, wenn z.B. ein Ab∫chnitt aus dem Buche
der Weisheit, Sprichwörter (.?.) an mehreren Stellen eines
Kirchenbuchs vorkam, er jedesmal an seinem Orte von neuem
(anders) über∫etzt war. (S. Hand∫chriften und alte Aus-
gaben der Kirchenbücher)".

"Der ∫lawi∫che Gottesdien∫t Method's hatte eine ∫o
natürliche Empfehlung in ∫ich ∫elbst, daß er nicht nur bey
allen übrigen Slawen, die freye Wahl hatten, Eingang
finden mußte, ∫ondern daß ∫ogar zwi∫chen 1060-1222, als
∫eit dem Schisma zwi∫chen Rom und Kon∫tantinopel,
auch der ∫lawi∫che Ritus, be∫onders in Dalmatien, als
der Rom näch∫ten ∫lawi∫chen Provinz, als ein Sprößling des
griechi∫chen verfolgt wurde, und Method ein Ketzer hieß,
- daß, ∫age ich, in die∫er Bedrängniß patrioti∫che Dalma=
tiner die lateini∫che Me∫∫e in Method's Sprache, aber
mit einem neuerfundenen, ihrem vermeintlichen Landsmann
dem Kirchenvater Hieronymus zuge∫chriebenen Alphabete um=
∫chrieben, und ∫o Sprache und Schrift vom heiligen Hie=
ronymus her zu haben behauoteten. Pap∫t Inno=
cenz IV. fand ∫ich 1248 in ∫einer Weisheit bewogen,
den Dalmatinern die∫e im Abendlande einzige Ausnahme gel=
ten zu la∫∫en; doch nur dort, wo es bisher ∫o gehalten
worden. Dieß ∫ind die Glagoliten *) in I∫trien


  • ) "Woher der Name der Glagoliten? Die dalmatini∫chen Ge=

lehrten wi∫∫en darüber nichts Befriedigendes zu ∫agen. Ich halte
ihn für eines der mildern Sobriquets. Glagol heißt in der Kir=
chen∫prache das Wort, die Rede, i∫t aber allen heutigen ∫üd=
∫lawi∫chen Dialekten durchaus fremd. Wenn daher dem Nachbar, in
der glagoliti∫chen Kirche, bey jedem Evangelio nach dem ihm ver=
∫tändlichen V' ono vreme das fremde glagola Isus (d. i. in illo